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Untersteinbach
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Blutspenden ist wichtiger denn je

Das Rote Kreuz empfing am Montagabend in Untersteinbach 72 Blutspender. Die Sicherheit wird großgeschrieben.
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Für Armin Weigel aus Geusfeld ist es selbstverständlich, auch in der jetzigen Zeit Blut zu spenden.    Michael Will / BRK
Für Armin Weigel aus Geusfeld ist es selbstverständlich, auch in der jetzigen Zeit Blut zu spenden. Michael Will / BRK
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"Warum sollte ich denn kein Blut spenden?" Armin Weigel antwortet auf die Frage nach seiner Motivation beinahe ein wenig mit Unverständnis, lächelt dabei aber. Der 60-Jährige ist einer von 72 Frauen und Männern, die am Montagabend zum Blutspendetermin des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in die Schulaula nach Untersteinbach kommen. Trotz oder gerade wegen der Krise rund um das Coronavirus. "Kranke und Verletzte sind jetzt doch genauso auf Blut angewiesen wie zuvor."

Damit bringt es der Geusfelder auf den Punkt und spricht den Rot-Kreuz-Verantwortlichen des Blutspendedienstes aus Wiesentheid aus der Seele. "Blut kann nicht künstlich hergestellt werden", macht Martina Kern, Gebietsreferentin beim BRK-Blutspendedienst, deutlich. Zusammen mit Ingrid Böllner, Beauftragte für das Blutspenden beim BRK-Kreisverband Haßberge, sorgt sie gemeinsam mit dem Ehepaar Elisabeth und Günther Schneider aus Eltmann dafür, dass der Blutspendetermin reibungslos läuft. Alle vier sind ehrenamtlich hier und freuen sich darüber, dass zu dem Termin viele treue Blutspender kommen.

Durchwegs ist nach den Angaben des Roten Kreuzes bei den Bürgern eine deutliche Bereitschaft zu spüren, durch ihren ganz persönlichen Einsatz mit der Blutspende Mitmenschen in Not zu helfen. Überhaupt ist an diesem Abend in der weitläufigen Schulaula so etwas wie ein ganz besonderer Geist unter den Anwesenden zu spüren: "Man muss doch jetzt zusammenhalten", sagt eine Besucherin. "Nicht nur in Zeiten von Corona", ergänzt ihr Begleiter. Und immer wieder ist die Rede davon, wie bewegend es doch sei, die Menschen in Italien, Frankreich oder Deutschland zu sehen, die auf ihren Balkonen stehen, singen, musizieren, Applaus spenden, sich gegenseitig Mut machen und davon tausendfach Videos in den Sozialen Medien posten, da sie aufgrund von Ausgangsbeschränkungen ihre Wohnungen nicht oder nur sehr eingeschränkt verlassen dürfen.

Für die Frauen und Männer am Montagabend in Untersteinbach ist der Gang zum Blutspendetermin quasi ein Stück Normalität in dieser so außergewöhnlichen Zeit. Und ihr ganz persönlicher Beitrag, in Krisenzeiten zusammenzustehen, Herz und Mitgefühl zu zeigen und sich für die Gesellschaft starkzumachen. Das machen alle Blutspender während des Jahres sowieso schon, in diesen Zeiten aber ganz besonders. Und sie posten es nicht in den sozialen Netzwerken, für sie ist ihr Tun selbstverständlich und ein ausgesprochenes Dankeschön durch die BRK-Mitarbeiter schon fast ein stückweit überflüssig. "Kein Problem, ist doch klar", sagt ein junger Mann und macht sich nach seiner Blutspende wieder auf den Heimweg. "Bis zum nächsten Mal!"

Derweil liegt Armin Weigel auf einer der acht Spenderliegen, die mit Abstand zueinander in der Aula stehen. Nach und nach fließen 500 Milliliter Blut aus seinen Adern in den Spendenbeutel, so wie schon über 60 Mal zuvor. Sein Blut wird helfen, einem anderen Menschen womöglich das Leben zu retten. Rein rechnerisch könnten es vielleicht sogar drei sein, denn jede Blutspende kann in ihre Bestandteile zerlegt werden und so bis zu drei Menschen helfen.

Der 60-Jährige hat keine Bedenken, in Zeiten von Corona zum Blutspenden zu gehen, und empfiehlt das auch allen anderen gesunden Menschen. "Ich gehe ja auch zur Arbeit, da habe ich ebenfalls Kontakt zu anderen Menschen." Und hier beim Blutspenden würden sowieso Sicherheit und Hygiene großgeschrieben, nicht nur in der aktuellen Lage, sagt er.

Das kann Martina Kern vom Blutspendedienst nur bestätigen. "Beim Blutspenden gelten immer hohe Hygiene- und Sicherheitsstandards." In der aktuellen Situation wurden weitere Maßnahmen bei den Spendeterminen eingeführt, die der Sicherheit von Spendern und Personal dienen.

Schon am Eingang zum Spendenlokal hängen große Hinweistafeln, auf denen auf die aktuelle Situation rund um das Coronavirus hingewiesen wird und die Verhaltens- und Handlungsempfehlungen geben. Auf einem Plakat heißt es: "Herzlich willkommen! Wir freuen uns, dass Sie da sind! Rein vorsorglich möchten wir Sie bitten, das Spendelokal nur zu betreten, wenn Sie die folgenden Aussagen bestätigen können: Ich fühle mich gesund und fit für die Blutspende. Ich hatte in den letzten vier Wochen keinen Kontakt zu einer mit CoViD-19 (Coronavirus) infizierten Person. Ich war nicht in einem Coronavirus-Risikogebiet. Herzlichen Dank für Ihr Verständnis und Ihr Mitwirken!"

Am Montagnachmittag muss keiner der Besucher eine dieser Aussagen verneinen. Beim Betreten des Spendelokals folgt eine weitere Sicherheitshürde: Bei jedem wird mit einem Fieberthermometer die Temperatur an der Stirn gemessen. Hätte einer mehr als 37,5 Grad Körpertemperatur, müsste er jetzt wieder nach Hause und dürfte nicht spenden. Aber auch hier: Fehlanzeige. "Alle unter diesem Wert", bestätigt BRK-Helfer Günther Schneider, der die Messung gewissenhaft durchführt.

Dann geht es weiter. Jeder Spender muss auf den Toiletten zunächst die Hände gründlich mit Seife waschen, anschließend erfolgt zusätzlich eine Händedesinfektion. Erst dann werden die üblichen Gesundheitsfragebögen ausgefüllt, bevor jeder Spender in einem persönlichen Arztgespräch weitere Fragen beantworten muss. Erst dann geht es zur Blutspende. Hier tragen die Mitarbeiter des Blutspendedienstes Schutzhandschuhe und Atemmasken. Sicherheit wird großgeschrieben, sowohl für die Spender als auch für die BRK-Mitarbeiter.

Blutspendetermine fallen nicht unter das in Bayern geltende Versammlungsverbot und die Ausgangsbeschränkung und sind von der Staatsregierung ausdrücklich genehmigt. Blut ist wichtig und wird auch in Krisenzeiten kontinuierlich benötigt. Alleine in Bayern werden nach Worten von Martina Kern täglich rund 2000 Blutspenden für chronisch Kranke und Verletzte in den Kliniken gebraucht. Gerade unter dem Aspekt, dass eine Blutspende maximal 42 Tage haltbar ist, wird deutlich, wie wichtig jede einzelne Spende ist.

Ein Ansteckungsrisiko für Empfänger ist nicht gegeben. "Es gibt keine Hinweise darauf, dass das Coronavirus durch Blut übertragen werden kann", bestätigt die Fachfrau die wissenschaftlichen Erkenntnisse. Das kann nur durch Tröpfcheninfektion geschehen, beispielsweise beim Husten und Niesen. Deshalb werden alle erdenklichen Vorsorgemaßnahmen getroffen, dies zu verhindern. Die Spender sollen einen Abstand von rund zwei Metern zueinander einhalten. Daran halten sich alle, stehen auch mal bei einer kurzen Wartezeit entsprechend weit auseinander. Ebenso sind die Spendeliegen mit Abstand zueinander aufgebaut.

Ein weiterer Aspekt hilft, den Kontakt zu anderen Menschen auf ein Mindestmaß zu beschränken: Es gibt nach der Blutspende nicht die sonst übliche Brotzeit, bei der man gemütlich zusammensitzt und sich austauscht. In Zeiten von Corona entfällt die Verpflegung. Mit leeren Händen müssen die Spender dennoch nicht nach Hause gehen: Neben einem kleinen Präsent gibt es ein Lunchpaket zum Mitnehmen. Am Montag in Untersteinbach ist das ein 400-Gramm-Einmachglas mit Wurst einer Haßfurter Metzgerei sowie Brötchen.

Der Blutspendetermin in Untersteinbach bestätigt einen Trend, den die Fachleute des Blutspendedienstes auch bei anderen Terminen in den letzten beiden Wochen beobachtet haben. "Die Blutspender halten uns die Treue", sagt Martina Kern. "Dafür sind wir sehr dankbar, im Namen aller potenziellen Empfänger." Es gibt sogar Fotos aus Bayern, wo Menschen auch Wartezeiten in Kauf nehmen, vor dem Spendelokal mehr als 100 Meter in ausreichendem Abstand in der Schlange stehen und Blut spenden wollen. "Das ist toll, das zeigt, wie solidarisch die Menschen gerade auch in Krisenzeiten sind", bringt es die Gebietsreferentin des Blutspendedienstes auf den Punkt.

Den Trend bestätigen auch die Zahlen in Untersteinbach. Durchschnittlich besuchen hier 76 Frauen und Männer den Spendetermin; am Montag waren es 72, unter ihnen sogar fünf Erstspender. "Alles also völlig normal gelaufen", freut sich Martina Kern zusammen mit Ingrid Böllner und dem gesamten Team am Ende des Abends. Corona ist bei allen ein Thema und man macht sich Gedanken. Durch die Sicherheits- und Hygienemaßnahmen fühlen sich die Spender aber bestmöglich geschützt. Nicht zuletzt liegt der effektivste Schutz bei den Menschen selbst: Regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit Seife hilft, um eine bestmögliche Händehygiene zu gewährleisten.

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