Altenstein
Buch-Premiere

Blitz und Donner über Vorndran und Ruine

Helmut Vorndran stellte an seinem Lieblingsort seinen neuen Krimiroman vor. Die Götter grollten auf der Ruine Altenstein.
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Helmut Vorndran stellte auf der Burgruine Altenstein seinen neuesten Frankenkrimi "Der Jade-Sauropsid" vor. Spitzbübisch erging er sich in den Gräueltaten seiner Hauptakteure. Foto: Klemens Albert
Helmut Vorndran stellte auf der Burgruine Altenstein seinen neuesten Frankenkrimi "Der Jade-Sauropsid" vor. Spitzbübisch erging er sich in den Gräueltaten seiner Hauptakteure. Foto: Klemens Albert
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Wild zucken die Blitze und tauchen das graue Gerippe der Burgruine immer wieder für Sekunden in gleißendes Licht. Unverhohlen öffnet der Himmel seine Schleusen und brüllend peitscht der Sturm die Regenschwaden an das graue Gemäuer. Ein ohrenbetäubender Donnerschlag lässt die alte Burg erzittern, das folgende drohende Donnergrollen lässt die Menschen erschaudern und unter Schutz kriechen an einem Mauervorsprung oder dem nächststehenden Artgenossen.

Eine Szene aus dem Kriminalroman, den Helmut Vorndran aus Rattelsdorf eben auf der Burg Altenstein - übrigens wie er sagte seinem Lieblingsvorleseplatz - vorgetragen hat? Mitnichten! Dieses Naturschauspiel begründete das jähe Ende seiner Autorenlesung, durchnässte sein Manuskript und einen Großteil seiner herbeigeströmten Fan-Gemeinde.

"Der Jade-Sauropsid" heißt Helmut Vorndrans neuester Frankenkrimi. Zu diesem seinem mittlerweile siebten Krimi erzählte und aus ihm las der Autor. Ein etwas "anderes Buch" sei sein neuestes Werk meinte er, denn im Vergleich zu seinen Vorgängerwerken gingen einige Protagonisten, neue kämen hinzu. Und er warnte gleich zu Beginn, dass dies kein "weicher" Krimi sei. "Es werd fei desmol scho hard, gell", kündigt er an, "zwischen lustig und ganz schlimm", während seine Zuhörer im Grinse-Modus verharrten.

"Zwischen Witz und Wahn" habe ein Kommentator über ihn geschrieben, da stimme er zu. "Das Buch hau' ich
Euch mal so richtig um die Ohren" bereitete Vorndran seine Zuhörer in seiner unvergleichlichen Art vor.

Wer gehofft hatte, etwas über Sinn und Bedeutung des komisch erscheinenden Titels "Der Jade-Sauropsid" zu erfahren, dem nahm der Autor jede Hoffnung. Wir haben dennoch einige Details herausgefunden: Das J von Jade steht in der alphabetischen Abfolge für Vorndrans zehntes Werk. Und es geht um ein besonderes Reptil aus der Familie der Landwirbeltiere.

Dann fing die Erzählung an. Markus Wild, ein Hobbyzauberer der unbegabten Art wird nach einer schlimmen, frustrierenden Vorstellung überfallen, wird in Ohnmacht versetzt, wacht gefesselt und hilflos sich zu rühren wieder auf.


Im Ganzkörper-Kondom

Eine Gestalt "in weißem Ganzkörper-Kondom" beginnt mit dem Mordritual. Als "das Skalpell in die Haut eintaucht" unterbricht der Vorlesende: "Soll ich weiterlesen?" - Natürlich!

In der Eingangsszene also, in der dem talentlosen Hobbyzauberer Markus Wild von einer weiß vermummten Gestalt die Augen herausgeschnitten werden, und wie sich später herausstellt, nicht nur die.
Und klingelt beim Rechtsmediziner Siebenstätter in Erlangen aus dem "unvollständig angelieferten Ersatzteillager" ein Handy aus dem Torso.

Helmut Vorndran scheint seine pikierte Formulierungsweise, mit der er Situationen zerlegt und minutiös beschreibt, immer weiter zu treiben. Dafür muss man beim Lesen durchaus Geduld aufbringen. Doch je mehr Vorndran, desto schräger guckt man dann selbst auf seine Umwelt und seine Umgebung.

Im Wechsel zu den Mordszenarien des Serienkillers, der sein Unwesen treibt zwischen Bamberg und Bayreuth, tauchen auch immer wieder Szenen aus dem Privatleben der Kommissare der Kripo Bamberg samt ihrem Schnüffelschweinchen Riemenschneider auf. Dieses sollte im Buch noch eine tragende Rolle bekommen.

Was zunächst so aussieht wie eine einzelne Mordtat, zeigt sich bald als Anfangstat eines Serienkillers. In wessen Auftrag handelt der Mörder, der seine Opfer nicht einfach umbringt, sondern eher totoperiert und Organe seziert? Versteht er sich als Operateur am befallenen Körper der Menschheit? Der Schreiber und Erfinder der Figuren macht neugierig, baut Spannung auf, aber lässt es in der Lesung das Ergebnis offen.
Helmut Vorndran schreibt nicht in einfacher, sachlicher Sprache, sondern stets mit Humor, Ironie und Zynismus gewürzt.

Dazu ein Beispiel aus einem Traum des Protagonisten Lagerfeld, einem durch väterliche Arbeitsschichten geplagten und frustrierten Ehemann: Er darf Ehrengast sein bei Apples Sensationspräsentation. Nach iMac, iPad und iPhon "das revolutionärste Produkt aller Zeiten, die erste komplett digitale Frau der Welt - iWoman!" Für Lagerfeld also die Lösung all seiner Probleme: "Kein Gezicke, keine Einkaufslisten, keine Widerrede, die pure Harmonie." Dazu kommen typisch fränkische Namen aus der Region wie etwa Bernd Schmitt, Haderlein oder Suckfüll und Bezug zu regionalen Orten wie Loffelder Mühle und weitere Ortsnamen.

Helmut Vorndran hatte es verstanden, vom ersten Satz seiner Vorlesung an Spannung zu erzeugen und seine Zuhörer stets in unmittelbarem Kontakt mit ihnen zu fesseln. Passend zum Szenario des Buches aus der Perspektive der Zuschauer hinter dem Vortragenden der Blick von dem Gewölbe der Burg Altenstein in Richtung Rhön, einen sich verdunkelnden Himmel, wildes Wetterleuchten und aufziehendes Gewitter.
Höhepunkt und Ausgang des Abends für viele vielleicht anders als erwartet, doch irgendwie passend, Spannungsentladung mit einem Unwetter.
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