Haßfurt
Jugendgericht

Beleidigungen über den Notruf

Das Amtsgericht in Haßfurt verurteilte einen 19-Jährigen zu einem Kurzarrest, weil er die 110 missbraucht die Polizisten beleidigt hatte.
Artikel drucken Artikel einbetten

Als "lethargisch und zurückhaltend" hat Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich einen 19-jährigen Arbeitslosen aus dem Maintal charakterisiert, der am Montag auf der Anklagebank des Jugendgerichts am Haßfurter Amtsgericht saß. "Kommunikation ist nicht seine Stärke", sagte Heinrich. Dass er sehr wohl kommunizieren kann - wenn auch auf unerlaubte Weise -, bewies der 19-Jährige am 17. November vergangenen Jahres. Nachdem er in einer Hofheimer Diskothek reichlich Alkohol getrunken hatte, wählte er weit nach Mitternacht den Polizeinotruf, um unter einem Pseudonym die Beamten als "Nichtsnutze", "Hurensöhne" und "Looser" zu titulieren. Insgesamt wählte der 19-Jährige neunmal in der Nacht die 110 und beleidigte drei Polizeibeamte.

Daher musste er sich am Montag am Amtsgericht verantworten. Staatsanwalt Markus Herold legte dem Angeklagten den Missbrauch von Notrufen und Beleidigung zur Last. Vor Gericht sagte der Angeklagte, dass er nach Hofheim gekommen sei, um bei einer Veranstaltung zu feiern. Wegen seiner hohen Alkoholisierung von rund zwei Promille könne er sich nicht mehr an den Abend erinnern.

Der ermittelnde Polizeibeamte sagte im Zeugenstand, der Angeklagte habe am Telefon zunächst angegeben, dass er geschlagen worden sei und Sachen bei einem Streit in der Diskothek beschädigt worden seien. Daraufhin sei eine Polizeistreife nach Hofheim zum vermeintlichen Tatort gefahren, die jedoch nichts Auffälliges feststellte. Die Anrufe seien weitergegangen, wobei weitere Beleidigungen fielen. Der Angeklagte sei vorgeladen worden, damit er in nüchternem Zustand eine Aussage machen könne. Er sei jedoch zum vereinbarten Termin nicht auf der Wache erschienen.

Ein Unbekannter ist der Angeklagte vor Gericht nicht. Sachbeschädigung und Drogenbesitz stehen in seinem Sündenregister, weshalb er im vergangenen Jahr bereits widerwillig Arbeitsstunden ableistete, um einem Aufenthalt hinter Gittern zu entgehen. Doch der bleibt ihm nun nicht erspart.

Richter Martin Kober verhängte nach Jugendstrafrecht einen viertägigen Kurzarrest und ging damit über die Forderung des Staatsanwalts hinaus, der auf die Ableistung von 60 Arbeitsstunden plädiert hatte. Außerdem solle sich der Angeklagte persönlich bei den beiden Polizeibeamten der Dienststelle in Haßfurt entschuldigen sowie telefonisch bei deren Kollegen der Notrufzentrale in Würzburg und zudem die Kosten des Verfahrens zahlen.

"Arbeitsstunden abzuleisten liegt Ihnen nicht" so, stellte Kober in der Urteilsbegründung fest, nachdem der Angeklagte bei der letzten Verurteilung nur nach nochmaliger Aufforderung die gemeinnützige Arbeit verrichtete. Von einer zwangsweisen Entschuldigung hielt der Vorsitzende nichts. "Die muss von selber kommen, sonst hat sie keinen Wert", begründete er seine Entscheidung. Die Gerichtskosten bürdete er dem Verurteilten nicht auf, da er derzeit kein Einkommen hat und erst im September eine Ausbildung beginnt.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren