Haßfurt
Mobilität

Bekommt Haßfurt einen Wasserstoff-Bus?

Eine Buslinie in der Kreisstadt- und dann noch mit Wasserstoffantrieb? Zwar ist das noch "Zukunftsmusik", wie Haßfurts Bürgermeister Günther Werner sagt, doch erste Schritte in Richtung Zukunft sind bereits gemacht.
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Wasserstoff-Busse könnten in Zukunft häufiger als Verkehrsmittel zum Einsatz kommen. Illustration: dreampicture, adobe/stock
Wasserstoff-Busse könnten in Zukunft häufiger als Verkehrsmittel zum Einsatz kommen. Illustration: dreampicture, adobe/stock

Andere Städte in ganz Deutschland machen es vor: In Darmstadt wird ein wasserstoffbetriebener Bus im öffentlichen Personennahverkehr eingesetzt, in Frankfurt sollen im Sommer auch Brennstoffzellenbusse fahren und "der Landkreis München schafft sich gerade einen auf Wasserstoff betriebenen Omnibus für den öffentlichen Nahverkehr an", weiß Thomas Hümmer aus dem Landkreis Haßberge. Er hat im vergangenen Jahr das erste wasserstoffbetriebene Auto im Landkreis angemeldet und ist begeistert von der Technik. Umso mehr freuen ihn die Worte des Haßfurter Bürgermeisters Günther Werner, als er in einer Bürgerversammlung im September verkündete: "Wir machen uns bereits Gedanken über Buslinien mit wasserstoffangetriebenen Fahrzeugen."

Konzept bereits eingereicht

Auf Nachfrage unserer Zeitung räumte der Bürgermeister ein, dass dies allerdings noch "reine Zukunftsmusik" sei. Dennoch werden bereits erste Schritte gemacht. Wie Werner mitteilt, habe sich die Stadt mit einem Konzept für eine wasserstoffbetriebene Buslinie beim so genannten Hy-Expert-Programm der Bundesregierung beworben. Das Konzept sehe einen kleineren 20-Personen-Bus zur Umsetzung vor.

In einem Wettbewerb werden die Gewinnerregionen mit ihren eingereichten (Grob-)Konzepten ermittelt. Als Preisgeld erhalten diese Mittel zur Erstellung und Berechnung konkreter Projektideen für Wasserstoffkonzepte. Erst im Sommer hat das Stadtwerk Haßfurt die bestehende Power-to-Gas-Anlage erweitert. Durch das neue Blockheizkraftwerk ist ein Betrieb mit reinem Wasserstoff ohne fossile Brennstoffanteile möglich. Ob diese Erweiterung ausschlaggebend für die Überlegungen der Stadt waren, darüber kann spekuliert werden.

Keine Kooperation

Genaue Details zum Konzept sind nicht bekannt. Einzig die Tatsache, dass die Stadt das Konzept eigenständig, ohne Kooperation mit dem Stadtwerk Haßfurt, erstellt und eingereicht habe, wie Geschäftsführer Norbert Zösch über einen Sprecher verlauten lässt.

"Den Wasserstoff erzeugen wir in Haßfurt bereits selbst, die Technik ist soweit verfügbar", hatte Norbert Zösch vergangenes Jahr in Bezug auf ein Tankstellennetz für Wasserstoff im Landkreis schon einmal eingeräumt. "Irgendwann wird an jeder Tankstelle der Wasserstoff den jetzigen Sprit ersetzten." Allerdings wäre es finanziell für kleine Konzerne nicht möglich, so Zösch damals, den Wasserstoff in 500-Bar-Druck für die Betankung zu bekommen. Das rentiere sich wirtschaftlich für so wenige Fahrzeuge nicht.

Wasserstoff-Zentrum in Nürnberg

Mittlerweile gilt Wasserstoff als Energieträger der Zukunft. Deshalb hat die Bayerische Staatsregierung, wie bereits berichtet, entschlossen, das Zentrum "Wasserstoff.Bayern" am Energie Campus Nürnberg zu errichten. Ziel sei es, die "Wasserstoffwirtschaft" in Bayern schnellstmöglich voranzubringen. Außerdem unterzeichneten Ministerpräsident Markus Söder und Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger mit Vertretern von Unternehmen, unter denen sich etwa Bosch, Audi oder BMW befinden, das "Wasserstoff-Bündnis"-Bayern. Söder erklärte: "Das Zentrum Wasserstoff.Bayern wird Triebfeder für Wasserstoffanwendungen - von der Forschung bis zur Markteinführung. Wir gestalten Zukunft durch Innovation und Fortschritt."

Das neue Wasserstoffzentrum in Nürnberg zeige, so Hümmer, dass man dem Thema offenbar bewusster aufgeschlossen sei als in der Vergangenheit. Er ist nach wie vor davon überzeugt, dass Wasserstoff der Antrieb der Zukunft ist und von seinem Auto begeistert. Probleme habe er keine - nur das Tankstellennetz könne weiter ausgebaut werden. Eine Etablierung von Wasserstofftankstellen und Fahrzeugen in der Kreisstadt könne er daher nur begrüßen.

Hoher Energieaufwand

Auch Energieberater Günter Liebert vom Umweltbildungszentrum Oberschleichach fände es "toll, wenn Haßfurt so etwas machen könnte". Ein solcher Bus wäre seiner Meinung nach vier bis fünfmal effizienter als einer mit Verbrennungsmotor. "Das ist erstmal eine super Sache, alles ist sauber und umweltfreundlich", sagt er. Allerdings sei ein Wasserstoffantrieb nur bei Schwerlastfahrzeugen sinnvoll, da eine Batterie für Elektromobilität für diese Fahrzeuge zu schwer wäre. Was ihn persönlich störe, sei die Tatsache, dass Wasserstoff in der Natur nicht vorkommt. "Der muss mit hohem Energieaufwand hergestellt werden, was ich als Energieberater nicht gut finde", erklärt Liebert. "Aber das muss kein Argument sein, dass man sagt: macht man nicht."

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Bei der Stadt Haßfurt sehe er in Bezug auf das Blockheizkraftwerk ohnehin einen Vorteil: "Das ist eine super Geschichte, wenn man sagt, erneubarer Strom, den haben wir hier sowieso übrig, um Wasserstoff herzustellen." Grundsätzlich sei das eine gute Möglichkeit, umweltfreundliche Antriebe zu etablieren. "Stellt sich nur die Frage, wo die Stadt so einen Bus herbekommt? Aber auch da kann so ein Modellprojekt helfen."

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