Haßfurt
Natur

Beispielgebender Tierschutz für ganz Bayern

Groß gefeiert wurden die Schützer der kleinen Tiere. In Haßfurt beging der Arbeitskreis Fledermaus des Bundes Naturschutz Haßberge 30-jähriges Bestehen.
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Bei einer Ausstellung in der Haßfurter Stadthalle konnten sich die Besucher über die nachtaktiven Tiere umfassend informieren.  Christian Licha
Bei einer Ausstellung in der Haßfurter Stadthalle konnten sich die Besucher über die nachtaktiven Tiere umfassend informieren. Christian Licha
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Neben zahlreichen Ehrengästen freute sich Moderator und Arbeitskreismitglied Jürgen Thein, dass auch zahlreiche Kellerbesitzer gekommen waren. Ausdrücklich gedankt wurden diesen umweltbewussten Mitbürgern, dass sie den Fledermäusen auf ihrem Grundstück eine Heimat bieten und die Besuche des Arbeitskreises unterstützen.

"Über unsere Kenntnisse bei der Fledermauszählung beneiden uns andere Bundesländer", stellte Bernd-Ulrich Rudolph, Referatsleiter für Arten- und Lebensraumschutz beim Bayerischen Landesamt für Umwelt in Augsburg, fest. Das regelmäßige Monitoring im Landkreis Haßberge, das eines der umfangreichsten in ganz Bayern ist, verdiene hohe Anerkennung. Um diese Leistung zum Ausdruck zu bringen, erhielt Harald Amon als Sprecher des Arbeitskreises eine Plakette aus den Händen von Rudolph verliehen.

Persönlich bisher nur flüchtigen Kontakt mit den geschützten Tieren hatte Günther Werner. In seinem Grußwort hob der Haßfurter Bürgermeister aber die Faszination hervor, die hinter der ehrenamtlichen Arbeit stecken müsse, denn 30 Jahre Fledermausschutz bedeuteten auch ein langes Durchhaltevermögen.

Bernd Janik von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt hob hervor, dass die gesammelten Daten des Arbeitskreises eine wichtige Grundlage zum Schutz der kleinen Säugetiere seien. Mit diesen Zahlen könne man entsprechend handeln, wenn zum Beispiel ein baulicher Eingriff in den Lebensraum der Fledermäuse geplant sei.

"Man kann eure Arbeit gar nicht genug loben", sagte auch Claudia Beyer als Vertreterin der Höheren Naturschutzbehörde bei der Regierung von Unterfranken in Würzburg. Stets in enger und vertrauensvoller Kooperation sei der Arbeitskreis der wichtigste Ansprechpartner der Behörde vor Ort und Vermittler zu den Bürgern.

Als wichtigen Bestandteil der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe bezeichnet der stellvertretende Kreisvorsitzende Andreas Kiraly den Arbeitskreis. Leider fast gar nicht wahrgenommen von der Bevölkerung, agierten die Mitglieder still im Hintergrund, aber trügen so maßgeblich zum Erhalt der Kulturlandschaft bei.

Mit Matthias Hammer, dem Leiter der Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Nordbayern an der Universität Erlangen, hielt ein ausgesprochener Fachmann die Festrede. Der Diplom-Biologe stellte fest, dass es in keinem anderen Landkreis in Bayern so viele Winterquartiere bekannt sind, die zudem auch noch regelmäßig kontrolliert werden, wie im Landkreis Haßberge. Bereits im Jahre 1985 war Hammer selbst bei den ersten Exkursionen dabei. "Fledermäuse reagieren sensibel auf Veränderungen in ihrem Umfeld", erklärte der Experte und führte weiter aus, dass es Fachkenntnis bedarf, etwas umzugestalten, etwa bei der Sanierung von Kellern. Der Arbeitskreis sei hier sehr gut aufgestellt, denn er kenne keinen anderen Landkreis, in dem so viele Kellereingänge stabilisiert wurden, so Hammer. Das "Mausohr" ist nach seinen Angaben die am weitesten verbreitete Art und ist unter anderem in Nassach, Burgpreppach, Ebelsbach und Ottendorf sehr stark vertreten. Bechstein-Fledermäuse oder auch das braune Langohr gibt es eher selten und nach den Zählungen der letzten 30 Jahre ging hier der Bestand zurück.

In einer Chronik ließ Arbeitskreis-Sprecher Harald Amon die letzten drei Jahrzehnte Revue passieren. Hierbei hervorgehoben wurde Markus Butterweck, der in den 1990er Jahren sehr aktiv war, aber leider frühzeitig verstarb. Unter anderem die Kellerprojekte hatte er angestoßen. Alte Gewölbekeller in Knetzgau und Zell, die durch den Arbeitskreis gesichert wurden und so eine Heimstatt für Fledermäuse bieten, waren damals der Anfang. Heute gibt es über 200 Fundorte im ganzen Landkreis, in denen regelmäßig mit fünf Exkursionen die Bestände der nachtaktiven Tiere ermittelt werden. Über 25 Keller, teilweise vom Arbeitskreis gepachtet, haben die fleißigen Ehrenamtlichen in ihrer Freizeit sicher gemacht, nachdem sie teilweise schon einsturzgefährdet waren. Auch die "BufDi"-Seminare in Ebern haben sich zu einem großen Erfolg entwickelt. Regelmäßig finden sich hier Bundesfreiwilligendienst-Leistende aus ganz Deutschland zusammen und lernen dabei in der Theorie viel über Fledermäuse und in der Praxis zum Beispiel den Kastenbau als Ersatzquartier. Eine "Institution" im Steigerwald sind Anton Bäuerlein und Hermann Jäger. Die beiden Arbeitskreis-Mitglieder betreuen bereits seit 20 Jahren über 500 Fledermauskästen. Arthur Scholl aus Unfinden kümmert sich um die Pflege verletzter Tiere. Als Fledermausberater für das Landesamt für Umwelt erteilt er auch informationssuchenden Bürgern die richtige Auskunft. Stolz ist die Gruppe auch auf die Entdeckung der seltenen Nymphenfledermaus im Jahre 2012 im Landkreis. "Wären wir ein paar Wochen früher dran gewesen, hätten wir sogar die Erste dieser Art in ganz Bayern entdeckt", sagte Amon und ergänzte, dass Fledermausschützer aus einer anderen Gegend in Bayern dem zuvorgekommen sind.

Für die musikalische Unterhaltung an diesem Festabend sorgte Klaus Neubert mit seiner Gitarre. Beim Buffet, das von Ruth Wacker und Ingrid Schenk zubereitet wurde, konnten die Fledermausfreunde noch bis tief in die Nacht fachsimpeln.



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