Haßfurt
Verhandlung

Beinahe wäre er erschossen worden - nun steht er vor dem Landgericht Bamberg

Ein Rentner tickte im Haßfurter Krankenhaus aus. Seit Donnerstag muss er sich wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten.
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Die Haupteinfahrt zum Krankenhaus in Haßfurt Foto: Brigitte Krause
Die Haupteinfahrt zum Krankenhaus in Haßfurt Foto: Brigitte Krause

Als ihm der Arzt androhte, ihn in das Bezirkskrankenhaus in Werneck einzuweisen, ist ein 65-jähriger Rentner aus dem Landkreis am Sonntagvormittag, 4. März, im Haßfurter Krankenhaus völlig ausgerastet. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft am Landgericht Bamberg schlug er mehrfach mit der Faust in Richtung des Arztes, der den Schlägen jedoch auswich. Danach verließ der Rentner die Intensivstation des Krankenhauses durch die Türschleuse der Notaufnahme, wo ihn bereits eine herbeigerufene Polizeistreife erwartete.

Der Flüchtende weigerte sich, den Anweisungen der Polizisten Folge zu leisten. Er schlug mit seinen Fäusten auf die Beamten ein. Mit einem Taschenmesser mit einer Klingenlänge von acht Zentimetern stach er mehrmals auf den Oberkörper der beteiligten Polizistin ein, die eine leichte Schnittverletzung sowie mehrere Prellungen erlitt. Ihr Kollege verletzte sich bei dem Einsatz an drei Fingern, was ihm bis heute Probleme bereitet. Nach Einsatz von Pfefferspray gelang es den Beamten schließlich, den Wüterich zu fesseln, der fast unverletzt blieb. Er sitzt seitdem in Haft.

Auf der Anklagebank machte der Angeklagte keine Angaben zur Tat. Nach Auskunft des beteiligten Arztes war der 65-Jährige nach einem Kneipenbesuch in der Haßfurter Innenstadt zum Krankenhaus gelaufen, weil er sich unwohl fühlte. Vor der Pforte sei er dann gegen 5.47 Uhr morgens zusammengebrochen und in die Intensivstation verlegt worden, wo sich sein Zustand jedoch schnell stabilisierte.

Mehrfach in der Psychiatrie

Alkohol oder Drogen seien nicht im Spiel gewesen. Dennoch habe der Patient wirre Sachen erzählt. Er habe behauptet, selbst 20 Semester Medizin studiert zu haben. In Wahrheit ist er gelernter Starkstromelektriker, der seine Arbeitsstelle nach 14 Jahren durch eine Kündigung verlor und seitdem eine Erwerbsunfähigkeitsrente bezieht.

Da er bereits mehrfach Aufenthalte in der Psychiatrie hinter sich hat, war das Horrorszenario eines weiteren Aufenthalts wohl schuld an seiner Gewaltorgie, die für die beteiligte junge Polizistin gravierende Folgen hatte: Sie war drei Wochen krankgeschrieben und befindet sich seit dem Vorfall in psychiatrischer Behandlung. Im Zeugenstand sagte sie, dass der Angeklagte ihr massiv ins Gesicht geboxt habe. Ein Tritt in die Magengegend durch ihren Kollegen habe den Mann nicht beeindruckt. Auch der Einsatz von Pfefferspray ins Gesicht des Angreifers sei zunächst wirkungslos geblieben: "Immer wenn ich ihn pfefferte, ging er auf mich los."

Große psychische Belastung

Als der Angeklagte mit wutverzerrtem Gesicht mit einem zweiten Messer bewaffnet vor ihr stand, waren bei ihr die Nerven zum Äußersten gespannt. Sie habe den Angreifer mit ihrer Pistole bedroht, schilderte sie das Drama. Die psychische Belastung war ihr deutlich anzumerken.

Auch ihren älteren Kollegen ließ der Einsatz nicht unbeeindruckt. "Ich habe den Angreifer behandelt, wie ich noch nie einen Menschen behandelt habe." Den Angeklagten kenne er seit Jahren. Immer wieder habe ihn die Polizei wegen Streitereien mit Nachbarn aufsuchen müssen.

Bei der Auseinandersetzung im Krankenhaus habe er seiner Kollegin zugerufen: "Schieß nicht!" Sie sollte keine Schuld auf sich laden. Der Angeklagte habe dann das Messer auf sie geworfen, sie aber verfehlt. Danach sei er weg getrottet und habe gesagt: "Erschießt mich doch." Diese Situation nutzten die Beamten aus: Sie stießen ihn zu Boden und legten ihm Handfesseln an.

Manisch-depressive Erkrankung

Viele Jahre stand der Angeklagte bis 2017 unter Betreuung. Im Jahr 2010 brach er aus der Psychiatrie in Werneck aus, indem er über das Dach kletterte. Nach Angaben des Gerichts hat seine Ehefrau Angst vor ihm. Nachbarn hat er mehrfach bedroht. Sein Bundeszentralregisterauszug weist nur einen Eintrag auf: Wegen Urkundenfälschung erhielt er 2017 eine Geldstrafe.

Laut ärztlichem Befund leidet er unter einer manisch-depressiven Erkrankung. Da er seine Medikamente selbst abgesetzt hat, gefährdet er sich selbst und andere, weshalb ihm eine dauerhafte Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung droht.

Ein Urteil wird beim letzten Verhandlungstermin am 12. September erwartet.



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