Hunderte Fliegen können sich nicht irren. Hinter der Bierbank, auf der zwei Männer an einem Tisch sitzen, geht es zum Schweinestall. Gerade kommt ein dritter Mann dazu. Er fährt in einem leicht angerosteten Einkaufswagen ein Ferkel vor. An dem zwei Tage alten Schweinchen soll Alexander Beierle aus dem Wonfurter Ortsteil Dampfach den beiden Prüfern demonstrieren, wie gut er sich in der Schweinemast auskennt.

Insgesamt 48 Männer und Frauen legen in den Sommermonaten ihre praktische Abschlussprüfung zum Landwirt ab. Auf dem Hof von Bernhard Müller in Goßmannsdorf haben sich heute sieben Prüflinge versammelt.
Dort hat Ausbildungsberater Martin Mack zusammen mit 16 Prüfern acht Stationen aufgebaut, an denen das Wissen abgefragt wird. Das Los entscheidet, zu welchen zwei Themen der Auszubildende abgefragt wird. Eine praktische Prüfung zur Tierhaltung und eine zum Pflanzenbau sind Vorschrift.
Martin Mack ist am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt für die Abschlussprüfung zuständig.

Sauenfütterung und Ferkelaufzucht

Alexander Beierle hat das Thema "Sauenfütterung und Ferkelaufzucht" gezogen. Dabei baut der 43-Jährige in seinem Nebenerwerbsbetrieb in Dampfach bloß Getreide, Raps und Mais an. Mit Schweinen hatte er nur während der Prüfungsvorbereitungen zu tun. "Aber man muss sich in der Ausbildung für ein Gebiet der Tierhaltung entscheiden - entweder Schweine oder Kühe", erzählt der gelernte Elektroinstallateur.

Nun will Prüfer Otto Kremling wissen, wie viel Geld ein Landwirt an einem Mastschwein verdient. "Etwa zehn Euro", sagt Beierle mit einem Fragezeichen in der Stimme. Das stimmt! Während seines kurzen Lebens kostet ein Schwein dem Bauern etwa 150 Euro: 60 Euro für den Ferkelkauf, 70 Euro braucht es an Futter und etwa 20 Euro kommen an Fixkosten dazu.

Schrauben drehen

Während Alexander Beierle rechnet, schraubt Volker Schuler an einer Drillmaschine herum. Der 39-Jährige hat 2008 den Nebenerwerbsbetrieb seiner Eltern in Krum übernommen. "Für`s Geld braucht man das nicht machen, aber mir gefällt`s", erzählt er. Dann macht er sich wieder daran, die Sämaschine abzudrehen, das heißt, die Aussaatmenge zu bestimmen.

Und was ist aus dem Schweinchen im Einkaufswagen geworden? Alexander Beierle hat ihm ein schmerzstillendes Mittel gespritzt und es mit zwei kleinen Schnitten seiner Männlichkeit beraubt. "Ein Routine-Eingriff in der Schweinemast, weil das Fleisch eines Ebers später riecht", erklärt Prüfer Kremling. Danach bekommt das Ferkel noch eine Eisenspritze und eine Paste gegen Durchfall, dann darf es zu seiner Mutter zurück.


Die Landwirtschaftsbetriebe in den Haßbergen gehören zu den größten in Bayern


Größe
1973 gab es im Landkreis Haßberge 4838 Betriebe, die zusammen 47 297 Hektar Fläche bewirtschafteten. Die durchschnittliche Betriebsgröße lag bei 9,8 Hektar.

Ausnahme Früher waren Betriebe mit über 50 Hektar die große Ausnahme. Nur 26 Betriebe (0,5 %) bewirtschafteten mehr als 100 Hektar.

Wachstum Heute besitzen 1305 Betriebe 43 303 Hektar mit einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 33,18 Hektar.
Außerdem gibt es mittlerweile 112 Betriebe (8,5 %) mit einer Größe über 100 Hektar. Sie besitzen 19 600 Hektar der landwirtschaftlichen Fläche (45 %). Ihre Größe liegt bei durchschnittlich 175 Hektar.

Bayern Der Haßbergkreis liegt bayernweit auf Platz drei bei den Betriebsgrößen ab 100 Hektar und deren Flächenausstattung.

Haupterwerb 430 (33 Prozent) Landwirte führen ihren Hof im Haupterwerb.
Nebenerwerb Rund 900 Betriebe bewirtschaften 38 Prozent der Landwirtschaftsfläche nebenberuflich. Die Betriebsgröße liegt durchschnittlich bei 18,3 Hektar.

Verdienst Von den insgesamt 2900 Beschäftigten sind 2369 ständig in der Landwirtschaft beschäftigt. Die Bruttowertschöpfung liegt bei 40,5 Millionen Euro.

Hofnachfolge Nur 28 Prozent der Landwirte über 45 Jahre haben einen Hofnachfolger.