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Sand am Main
Strafprozess

Bei der Faschingsparty in Sand rastete ein 18-Jähriger aus

Das Jugendgericht am Amtsgericht in Haßfurt verhängte gegen einen 18-Jährigen eine Geldauflage, weil er in Sand einen Sicherheitsmann attackiert hat.
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Mit knapp zwei Promille Alkohol in der Blutbahn ist ein 18-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis Haßberge während des Sander Faschingszugs am 3. März vergangenen Jahres ausgetickt. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft trat er gegen 16.30 Uhr dem 56-jährigen Einsatzleiter der Sicherheitswacht in den Unterleib und wehrte sich gegen seine Festnahme. Der Einsatzleiter musste ärztlich behandelt werden und war danach für mehrere Tage krankgeschrieben.

Der 18-Jährige erhielt einen Strafbefehl, gegen den er Einspruch einlegte, weshalb er sich am Montag vor dem Jugendgericht am Amtsgericht in Haßfurt verantworten musste. Auf der Anklagebank gab er das Opferlamm. Ein Mädchen habe ihn geschubst, danach sei ihr Freund auf ihn losgegangen. Schließlich sei der Einsatzleiter hinzugekommen und habe ihn am Hals gepackt und gewürgt, so dass sein Kopf feuerrot angelaufen sei, gab der Angeklagte zu Protokoll. Er habe sich gewehrt und um sich geschlagen und getreten. Ob er den Security-Mann getroffen habe, könne er nicht sagen, da er selbst betrunken gewesen sei. Ab 10 Uhr morgens habe er zusammen mit seinen Kumpels mit Hochprozentigem wie Wodka, Jägermeister oder Bacardi vorgeglüht und sei dann gegen 14 Uhr zum Faschingszug gegangen, wo die feuchtfröhliche Party weiterging.

Ganz anders lautete die Aussage des Opfers vor Gericht. Der Sicherheitsmann gab an, dass es einen Tumult zwischen mehreren Personen gegeben habe. Als er hinzugekommen sei, habe ein anderer Mitarbeiter der Sicherheitswacht den Angeklagten am Boden fixiert. Der 18-Jährige habe ihn angeschrien, beschimpft, um sich geschlagen und getreten. Durch einen Tritt sei er nach hinten umgefallen. Er habe den Angeklagten mehrere Minuten lang am Boden mit einem Haltegriff fixiert, bis Polizisten kamen und ihm Handschellen anlegten. Am Hals gepackt oder gewürgt habe er den Angeklagten keinesfalls, sagte der Zeuge. Er sei auf dem Rücken gelegen und habe dabei den Angeklagten gehalten. Dabei habe das Funkgerät in seinen Rücken gedrückt, wodurch sein bereits angeschlagener Rücken im Mitleidenschaft gezogen wurde und er deswegen später behandelt werden musste. Der Tritt in den vorderen Lendenbereich sei ohne Folgen gewesen.

Ganz unbekannt ist der Angeklagte vor Gericht nicht. Wegen einer Sachbeschädigung und dem Besitz jugendpornografischer Schriften kam er bereits mit dem Gesetz in Konflikt. Laut Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich hatte er keine leichte Jugend. Seine Eltern trennten sich, als der Angeklagte zwei Jahre alt war. Er wohnte seitdem überwiegend bei seiner Großmutter, die auch seine Hauptbezugsperson ist. Heinrich bezeichnete den 18-Jährigen als "Luftikus", für den sein Auto sein Ein und Alles ist. Ein geplanter Täter-Opfer-Ausgleich sei geplatzt, weil der Angeklagte zusammen mit seiner Großmutter zu spät zu dem vereinbarten Gerichtstermin erschien.

Der Staatsanwalt machte mehrere Fragezeichen hinter die angebliche Notwehrsituation, die der Angeklagte vor Gericht schilderte. Der Geschädigte habe vielmehr glaubwürdig ausgesagt. Der Anklagevertreter forderte eine Geldauflage nach Jugendstrafrecht in Höhe von 900 Euro, die der Vorsitzende, Richter Martin Kober, so übernahm. Im Urteil inbegriffen ist ein weiterer Anklagepunkt: Am Pfingstsonntag vergangenen Jahres, ließ der Angeklagte, angeblich ohne seine Einwilligung, seine Freundin eine Runde auf einem Parkplatz in Haßfurt in seinem Auto drehen. Da seine Freundin keinen Führerschein hat, wurde dies dem Angeklagten als "Zulassen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis" angelastet.