Eltmann
Begegnung

Baum der Freundschaft mit Eltmann wächst

Delegation der Stadt Eltmann besuchte gemeinsam mit Landrat Wilhelm Schneider die Partnerstadt Saint Paul Trois Châteaux.
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Als Zeichen der Freundschaft erhielt Bürgermeister Michael Ziegler von Bürgermeister Jean-Michel Catelinois überreicht: eine junge Eiche, die in Eltmann künftig symbolisch für die starke wachsende Partnerschaft zwischen Deutschland und Frankreich steht.Moni Göhr/Landratsamt Haßberge
Als Zeichen der Freundschaft erhielt Bürgermeister Michael Ziegler von Bürgermeister Jean-Michel Catelinois überreicht: eine junge Eiche, die in Eltmann künftig symbolisch für die starke wachsende Partnerschaft zwischen Deutschland und Frankreich steht.Moni Göhr/Landratsamt Haßberge
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Eine Partnerschaft lebt von der Begegnung: Was vor über 40 Jahren begann, hat sich mittlerweile zu einer echten Freundschaft zwischen der Stadt Eltmann und der französischen Partnerstadt Saint Paul Trois Châteaux entwickelt. Um neue Kontakte zu knüpfen und bestehende Verbindungen zu vertiefen, waren Landrat Wilhelm Schneider, Bürgermeister Michael Ziegler, Partnerschaftsbeauftragter Joachim Friedsam und mehrere Stadträte mit dem Bus nach Südfrankreich gefahren. Mit an Bord auch eine Abordnung der "Fidelen Weisbrunner" und Bierprinz Sebastian Gocker, die die fränkische Kultur und Tradition im Rhônetal erlebbar machten. Als Dolmetscher fungierten Mitglieder des deutsch-französischen Freundeskreises Haßberge-Tricastin.


Gemeinsames Abendessen

Nach einer 13-stündigen Fahrt wurde die 50-köpfige Delegation herzlich von ihren französischen Freunden in der 9000-Einwohnergemeinde Saint Paul Trois Châteaux empfangen. Die Gastgeber hatten ein Abendessen vorbereitet; alle Mitglieder des Partnerschaftskomitees hatten zu dem kalten Büffet eine Spezialität beigetragen, so dass die Haßbergler schon am ersten Abend die Gastfreundschaft der Franzosen erfahren und genießen konnten.

Am nächsten Morgen besichtigte die Reisegruppe in Begleitung vieler Franzosen das Schloss von Grignan. Aufgebaut wurde Château de Grignan auf einer mittelalterlichen Burg aus dem elften Jahrhundert. Im 13. Jahrhundert wurde es von der Familie Adhémar zu einer Festung erweitert, bevor es dann zu einem Renaissance-Schloss erweitert wurde. Während der Französischen Revolution wurde es zerstört und im 19. Jahrhundert teilweise rekonstruiert. Erst im frühen 20. Jahrhundert wurde es durch die reiche Bankierswitwe Madame Fontaine vollständig wieder aufgebaut. Heute gehört es dem Département Drôme. Es finden regelmäßige kulturelle Veranstaltungen, wie zum Beispiel Konzerte oder Ausstellungen statt.

Anschließend wurden die deutschen Gäste durch das Conservatoire de Musique geführt - ein Gemeinschaftsprojekt der beiden Städte Pierrelatte und Saint Paul Trois Châteaux. Die öffentliche Bildungseinrichtung ist auf Musik spezialisiert und führt Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren an die Musik heran. Von der musikalischen Früherziehung über den Instrumentalunterricht bis hin zum Musizieren im Ensemble bietet die Einrichtung ein Angebot für viele Musikstile und alle Altersklassen.

Eine schöne Bereicherung war das Konzert der "Fidelen Weisbrunner" auf dem Place Castelane, mit dem eindrucksvoll unter Beweis gestellt wurde, dass Musik keine Grenzen kennt - sie verbindet die Menschen über Landesgrenzen hinweg. Bei herrlichem Sonnenschein sorgten die Musikanten unter der Leitung von Michael Bräutigam mit ihrer typisch rot-weiß-fränkischen Tracht auf der Bühne nicht nur für einen Augenschmaus, sondern sie begeisterten Einheimische und Gäste mit konzertanter Blasmusik. Die musikalischen Botschafter des Landkreises Haßberge sorgten für beste Stimmung und wurden für ihren Auftritt mit viel Applaus belohnt. Für alle Besucher gab es fränkisches Freibier vom Fass, das die deutsche Delegation mitgebracht hatte und von Gastwirt Baptist Bräutigam, Bierprinz Sebastian Gocker und weiteren deutschen und französischen Helfern ausgeschenkt wurde. Während der Gerstensaft von den Franzosen mit "Prosit"-Rufen genossen wurde, schenkten sie ihren Gästen ihrerseits natürlich noch lieber unter fröhlichen "Santé"-Wünschen einen regionalen Rhône-Wein ein.


Gesellige Runden

Ganz gleich ob Santé, Prost oder Zum Wohl! - Anlässe zum geselligen Anstoßen gab es genug: Landrat Wilhelm Schneider, Bürgermeister Michael Ziegler und Bürgermeister Jean-Michel Catelinois bekundeten beim offiziellem Empfang im Rathaus gleichermaßen, wie wichtig die Stärkung der deutsch-französischen Freundschaft und Völkerverständigung gerade wegen der aktuellen Entwicklungen in Europa sei.

"Unsere Partnerschaft ist lebenswichtig für Europa", waren sich die drei Kommunalpolitiker einig. Die Freundschaft, die sich zwischen Franken und Franzosen bei allen Unterschieden in der Mentalität entwickelt hat, sei gerade in Zeiten, in denen die Einigkeit Europas in Frage gestellt wird, ein sichtbares, ermutigendes und wegweisendes Beispiel dafür, dass der europäische Gedanke lebendig ist. "Unsere Freundschaft ist nicht nur ein Wort, sondern eine gelebte Partnerschaft", freute sich der französische Bürgermeister. Dies liege vor allem auch an den Menschen, die sich einbringen und die Kontakte pflegen. "Wir haben die richtigen Leute auf beiden Seiten", war Catelinois überzeugt. In den vergangenen Jahren habe man bereits viele gemeinsame Projekte auf den Weg gebracht und sich intensiv ausgetauscht.

Bürgermeister Michael Ziegler verglich die Städtepartnerschaft mit einem Schloss, das nicht von heute auf morgen entstanden ist. "Wir alle, die an der Jumelage mitwirken, sind noch bei den Grundmauern, an denen wir weiter bauen können." Dankbar war das Stadtoberhaupt vor allem für den Schüleraustausch zwischen dem Collège Jean Perrin und der Realschule Eltmann, für den auf deutscher Seite Günter Kerschensteiner verantwortlich ist. "Diese Begegnungen sind die Zukunft unserer Städtepartnerschaft". Deswegen appellierte er an die Jugendlichen, die Partnerschaft weiter mit Leben zu füllen, damit das "Schloss" in den nächsten Jahrzehnten fertig gestellt werden kann.

"Unsere Partnerschaft hat sich gut entwickelt", bestätigte Landrat Wilhelm Schneider. "Wir haben gemeinsam eine gute Basis geschaffen, auf der wir weiterhin aufbauen können." Besonderer Dank galt all den "Motoren" der Partnerschaft, wie etwa Jean-Claude Monnier, Joachim Friedsam, Kurt Sieber und Ingrid Fächer, die die Partnerschaft auf Landkreisebene intensiv pflegen.

Zum Abschied bekam Bürgermeister Michael Ziegler als Zeichen der Freundschaft ein ganz besonderes Gastgeschenk überreicht: eine junge Eiche, die in Eltmann gepflanzt wird und künftig als Symbol steht für eine starke Partnerschaft. "Ein Baum braucht Zeit, um zu wachsen, je älter, desto höher und fester verwurzelt werde er jedoch", sagte Ziegler. Dass Vertreter aller Generationen aus Eltmann bei der Fahrt nach Frankreich dabei waren, wertete der Bürgermeister als gutes Zeichen. "Wir sind zwei Völker und haben eine gemeinsame Zukunft", so das Eltmanner Stadtoberhaupt.


Abschied fällt auf beiden Seiten schwer


Nach vier Tagen erlebnisreichen Tagen, die ausgefüllt waren mit Ausflügen, Festabenden und Begegnungen, fiel der Abschied am Sonntag schwer. Entsprechend groß ist die Vorfreude auf den Besuch der Freunde aus Saint Paul Trois Châteaux in Eltmann 2019 schon jetzt.


Jugend gestaltet Zukunft

Die beiden elfjährigen Jugendstadträte Tom und Luca sind zwei engagierte Botschafter des europäischen Gedankens

Die beiden Städte Eltmann und Saint Paul Trois Châteaux wollen auch in Zukunft weiterhin eng und kooperativ zusammenarbeiten und damit einen Beitrag zur Verständigung zwischen den Völkern in Europa und der Welt leisten. Dies bekräftigten die beiden Bürgermeister Michael Ziegler und Jean-Michel Catelinois bei dem Besuch der deutschen Delegation in Frankreich. Dabei setzen die die Kommunalpolitker vor allem auf die Jugend: "Ihr seid unsere Zukunft".

Mit Lucas Brun und Tom Acker präsentierten die französischen Gastgeber den Freunden aus den Haßbergen zwei junge Botschafter, die im Jugendstadtrat von Saint Paul Trois Châteaux tätig sind und die Zukunft mitgestalten. Die beiden Elfjährigen nutzten die Gelegenheit und stellten der deutschen Delegation die Arbeit ihres Jugendstadtrates vor. Nach einem Gelöbnis und einer Wahlkampagne werden insgesamt 16 Kinder und Jugendliche aus dem Gebiet Tricastin demokratisch in den Schulen der Kommunen gewählt. Die Amtszeit beträgt zwei Jahre.

Wie Lucas und Tom berichteten, beteiligen sich die jungen Stadträte an Projekten der Stadt, wie die Namensgebung von Gebäuden, zum Beispiel das ehemalige Jugendhaus MJC, die Sanierung oder Errichtung neuer Spielplätze, Veranstaltungsvorschläge im Rahmen der von der Stadt organisierten Feste, Beteiligung an einer Umfrage nach Bedürfnissen der Jugendlichen und Kinder in Partnerschaft mit der Jugendkommission "MOSAIC" (Freizeit, Mobilität, Ausbildung und Beruf). Zudem organisieren die Mitglieder des Jugendstadtrates Solidaritätsaktionen oder beteiligen sich daran. So gab es in der Vergangenheit zum Beispiel einen Stand beim Jugendtrödelmarkt zugunsten eines Verbandes. Auch werden Veranstaltungen auf die Beine gestellt, um Spenden zugunsten einer humanitären Hilfsorganisation zu sammeln. Damit konnte der Jugendstadtrat für Aktionen Beiträge leisten, wie zum Beispiel für die Irma - Katastrophenopfer, den Traum von Stessy oder UNICEF.

Aber das ist noch längst nicht alles: Die Fürsprecher der Jugend für die Kommune beteiligen sich auch an historischen Gedenkfeiern, sie organisieren Umweltschutzaktionen, informieren sich über französische Institutionen (Besuch des Senats) und beteiligen sich aktiv an der Erinnerungsfeier für die internationalen Konventionen für Kinderrechte.

Die Haßberge-Delegation war beeindruckt von dem Engagement der beiden Jugendlichen, die den mitgereisten Stadträten nahe legten, in Eltmann ebenfalls einen Jugendstadtrat zu installieren. Tom und Lucas versprachen, sich hier mit einzubringen und die Partnerschaft mit auszubauen.

Bürgermeister Jean-Michel Catelinois bezeichnete den Jugendstadtrat als ein zukunftsweisendes Projekt, das seitens des französischen Stadtrates sehr unterstützt werde. Bürgermeister Michael Ziegler zollte den beiden Elfjährigen ein großes Kompliment für ihr Engagement, auf das sie stolz sein könnten. Es sei nicht selbstverständlich schon in jungen Jahren Verantwortung zu übernehmen. "Alles, was wir heute tun, ist für die jetzige Zeit zu kurz gedacht", betonte das Eltmanner Stadtoberhaupt. "Wir müssen in die Zukunft blicken, deswegen muss es unsere Aufgabe und Sorge sein, das wir der nachwachsenden Generation etwas übergeben können, auf das die Jugend sofort aufbauen kann."

Bürgermeister Ziegler war angetan von der Idee eines Jugendstadtrates, denn junge Menschen haben oft eine ganz andere Sichtweise als Erwachsene und könnten mit ihren Ideen die Arbeit bereichern. Auch er selbst setze in Eltmann gerne auf die Meinung der Kinder und Jugendlichen, zum Beispiel bei der Neugestaltung von Spielplätzen kann der Nachwuchs mitreden und seine Wünsche äußern. Er würde sich freuen, wenn der Jugendstadtrat im nächsten Jahr zusammen mit der französischen Delegation nach Eltmann kommt und seine Arbeit vorstellt.

Auch Landrat Wilhelm Schneider lobte die jungen Stadträte und freute sich über die von deutscher und französischer Seite aktiv gelebte Partnerschaft: "Wenn wir so eine starke Basis haben, muss es uns um die Zukunft unserer Freundschaft nicht bange sein. Lassen wir uns weiterhin gemeinsam an einem starken Europa arbeiten. Es lebe die Freundschaft zwischen Eltmann und Saint Paul Trois Châteaux!"
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