Untermerzbach
Kontroverse

Bauluft und schöne Aussichten in Gereuth

Der Gemeinderat Untermerzbach bleibt seiner Linie treu und verteidigt seine Baupläne gegen Kritiker und Bedenkenträger. Das gilt sowohl für die Ausweisung neuer Bauplätze in Gereuth wie auch die geplante Solaranlage bei Buch.
Artikel drucken Artikel einbetten
Idyllisch eingebettet fügt sich die Ortschaft Gereuth in die Landschaft ein, demnächst könnte es dort vermehrt zu Baulärm kommen: Im Rahmen einer Ortsabrundung will die Gemeinde am westlichen Ortsrand (Wiesenflächen im Vordergrund des Bildes) neue Bauflächen ausweisen. Nur rund 750 Meter Luftlinie entfernt soll das zweite große Bauvorhaben  im Gemeindegebiet entstehen, der "Solarpark Buch".Pia Bayer
Idyllisch eingebettet fügt sich die Ortschaft Gereuth in die Landschaft ein, demnächst könnte es dort vermehrt zu Baulärm kommen: Im Rahmen einer Ortsabrundung will die Gemeinde am westlichen Ortsrand (Wiesenflächen im Vordergrund des Bildes) neue Bauflächen ausweisen. Nur rund 750 Meter Luftlinie entfernt soll das zweite große Bauvorhaben im Gemeindegebiet entstehen, der "Solarpark Buch".Pia Bayer

Das Ziel ist klar: "Wir wollen nicht weniger werden, sondern den Stand halten oder Zuschuss bekommen." So bringt es Bürgermeister Helmut Dietz bei der Gemeinderatssitzung am Montag bezüglich der strategischen Ausrichtung der Gemeinde bei der Einwohnerentwicklung auf den Punkt, und der Gemeinderat ist sich einig.

Ob eine geplante Flächennutzungsänderung am Ortsrand von Gereuth dazu der richtige Weg wäre, dazu gibt es noch Kritik. Zwar herrscht Einmütigkeit im Untermerzbacher Gremium, doch drei öffentliche Träger und Familie Koser aus Gereuth sprachen ihre Bedenken im Rahmen einer vorhergehenden Beteiligung der Bürger, Behörden und sonstigen Träger zur geplanten Einbeziehungs-Satzung für den Gemeindeteil Gereuth aus.

Verschiedene Interessen

Die Argumentationslinien verliefen dabei zwischen Fragen zum tatsächlichen Bedarf für neue Baugrundstücke (Regionaler Planungsverband Main-Rhön), den die Gemeinde anhand der Erhebungen aus dem Flächenmanagement 2015 und 2019 und bestehender Bauanfragen ausdrücklich bejaht; baurechtlichen Fragen (Handelt es sich tatsächlich um eine Ortsabrundung oder vielmehr um ein neues Baugebiet am westlichen Ortsrand von Gereuth? Familie Koser) und Fragen zur Regionalentwicklung: Wer soll mit den neuen Baugrundstücken angesprochen werden?

35 Minuten wurden dem Thema in der Sitzung am Montag gewidmet, vier Zwischenbeschlüsse und ein Gesamtbeschluss im Rahmen einer Abwägung einstimmig von den Gemeinderäten verabschiedet. Am Ende untermauerte die Gemeinde die bisherigen Pläne, die laut Bürgermeister Dietz "eine langfristige strategische Ausrichtung" wären.

Der Gemeinderat Untermerzbach hält damit an seinen Plänen fest, Baurecht für bis zu fünf Einfamilienhäuser am westlichen Ortsrand von Gereuth zu erwirken. Betroffen sind die Flurnummern 211 und 181/182. Zwar soll auch die Parzelle mit der Flurnummer 396 in die Einbeziehungs-Satzung aufgenommen werden, hier bestehe laut Bürgermeister Dietz aber weder kurz- noch mittelfristig die Möglichkeit für eine Bebauung, solange auf dem Grundstück Landwirtschaft betrieben werde.

Bedarf Einheimischer

Wie der Bürgermeister mehrfach betonte, beziehe sich die beabsichtigte Bereitstellung ausschließlich auf Anfragen von Gereuthern, die nach Bauplätzen suchen und im Ort bleiben wollen. Angesichts der geäußerten Bedenken wurde die Grundflächenzahl für neue Bauvorhaben auf 0,35 begrenzt, die Geschossflächenzahl auf 0,7. Damit wären Häuser mit einem Vollgeschoss und einem Dachgeschoss sowie einer Maximalhöhe von acht Metern zulässig.

Dass Familie Koser sich durch die geplanten Flächennutzungsänderungen bedrängt fühlt, verwundert nicht, wären ihr derzeitiger Blick in die freie Natur und das direkte Umfeld damit doch von gleich zwei großen Bauprojekten in der Gemeinde betroffen. Der geplante Solarpark, der bei Buch entstehen soll, liegt ebenfalls nur 750 Meter Luftlinie von ihrem Grundstück entfernt.

Der Solarpark Buch war dann auch das zweite Bauvorhaben, mit sich der Gemeinderat befasste. Man erinnert sich: Die Pläne zum Solarpark Buch hatten bereits im Vorfeld heftige Diskussionen zwischen der Gemeinde und Bürgern ausgelöst und eine Bürgerinitiative "Rettet den Panoramaweg" auf den Plan gerufen.

In der Folge kam es zum ersten Bürgerentscheid in der Geschichte Untermerzbachs im vergangenen September. Dabei stimmten 506 Wähler mit "Nein" und sprachen sich damit für einen Solarpark bei Buch aus, lediglich 156 Wähler setzten ihr Kreuz bei "Ja" und stimmten damit gegen die geplante Photovoltaik-Anlage. Die Wahlbeteiligung lag bei 48 Prozent aller Wahlberechtigten in der Gemeinde Untermerzbach.

Durch dieses Ergebnis in seiner Arbeit und seinen Ansichten bestätigt, brachte der Gemeinderat das Projekt am Montag in die nächste Phase und billigte die dritte Änderung des Flächennutzungsplans sowie des Bebauungsplans für das Projekt, das auf 21 Hektar Fläche entstehen soll. Nochmals waren Anregungen von Bürgern und Behörden in die Pläne eingearbeitet worden. Erneut entschied der Gemeinderat einstimmig.

Neu in den Zeichnungen sind ein begrünter Korridor zwischen den Grünstreifen und eine verbreiterte intensivere Eingrünung rund um den Park. Im Westen der Anlage soll eine Streuobstwiese mit Sitzgelegenheiten für Wanderer angelegt werden.

Noch mehr Grün

Mit Hecken und Blühstreifen entlang der Randbereiche im Osten und Westen will der Betreiber, die Energiebauern GmbH, zudem möglichen Blendwirkungen vorbeugen und die Photovoltaik-Anlage besser ins Landschaftsbild eingliedern.

Die maximale Höhe der Module wird in der neuen Fassung auf 3,20 Meter festgesetzt. Durch eine Einzäunung ohne Sockel bleibt das Gebiet für Kleintiere wie Hase oder Igel zugänglich. Größeren Wildtieren wie Rehen oder Wildschweinen soll durch einen neu eingefügten Korridor zwischen den beiden Teilflächen ein barrierefreier Durchgang vom Wald auf die freien Grün- und Ackerflächen im Osten der Anlage ermöglicht werden.

Erneute Auslegung

Für beide Bauvorhaben wurde darüber hinaus beschlossen, die Öffentlichkeit und Behörden angesichts der neuen Änderungen in den Planungen erneut zu beteiligen. Die Planzeichnung und Begründungen für den Solarpark Buch sollen Anfang des nächsten Jahres nochmals zur Einsicht ausliegen, Gleiches gilt für die geplante Ergänzungssatzung Gereuth.

Heizung für die Feuerwehr Wegen Kälte und Feuchtigkeit im Feuerwehrgerätehaus Gleusdorf macht das neue Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) Probleme. Deshalb soll das Feuerwehrgerätehaus nun mit einer Elektroplatten-Heizung ausgestattet werden. Dafür sprach sich der Gemeinderat am Montag einstimmig aus.

Eine Gasheizung oder Wärmepumpe hatte Bürgermeister Dietz im Vorfeld ausgeschlossen, da das Feuerwehrgerätehaus nicht über einen dafür notwendigen Heizraum verfüge. Mit einer Elektroplatten-Heizung habe man dagegen bereits in Wüstenwelsberg gute Erfahrungen gemacht, was Gerald Karl, der aktives Mitglied der Feuerwehr Wüstenwelsberg ist, bestätigte. Der Auftrag für den Einbau geht an die Firma Speer aus Memmelsdorf. Diese hatte ein Angebot über rund 3200 Euro zum Einbau von vier Platten eingereicht.

Mit der Temperierung des Feuerwehrgerätehauses auf zehn bis zwölf Grad Celsius sollen Störungen bei der Funk- und Elektrowirkanlage des neuen TSF vermieden werden.

Auf die Nachfrage von Robert Bohla, ob ähnliche Einbauten auch in anderen Feuerwehrhäusern anstünden, entgegnete Bürgermeister Dietz: "Bisher wurde nichts gemeldet." Dennoch arbeite man stets am Unterhalt der Gebäude. So stünde im nächsten Jahr ein kleinerer Umbau im Feuerwehrhaus Obermerzbach an, um mehr Platz im Fahrzeugraum zu schaffen, sowie eine Investition ins Dach. Kurz aus dem Rat Heizung Eineinhalb Wochen ohne warmes Wasser musste ein Mieter der Gemeinde Untermerzbach Anfang Oktober verbringen wegen Störungen der Heizung in der Alten Schule Gleusdorf. Bürgermeister Dietz reagierte mit einer dringlichen Anordnung und veranlasste den Einbau eines Niedrigbrennwert-Ölkessels, verschiedener Armaturen sowie eines Rauchrohres in den Kamin für 13 000 Euro.

Feuerwehrfahrzeug Elf Interessenten, aber nur ein Angebot brachte eine Ausschreibung der Gemeinde Untermerzbach für ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser in Memmelsdorf. Der Bürgermeister kontaktierte acht der Interessenten. Die Auftragsbücher seien voll und die Lieferzeit von acht Monaten wäre nicht machbar. Die Ausschreibung soll überarbeitet werden. Im Januar 2020 will man erneut ausschreiben.

Datenschutz Die Gemeinde Untermerzbach erwägt die Auslagerung des Bereichs Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) an eine externe Firma, da diese Herausforderung personell nicht intern gemeistert werden könne. Seit Längerem habe sich die Gemeinde dafür um eine interkommunale Lösung auf Landkreisebene bemüht. Jetzt empfiehlt der Kreisausschuss Ende September einen gemeinsamen Datenschutzbeauftragten für den Landkreis, die kreisangehörigen Städte, Märkte und Gemeinden. Dazu wäre eine Vollzeitkraft im Landratsamt Haßberge vorgesehen, für die Untermerzbach 2000 Euro jährlich beisteuern müsste. Diese Kraft wäre aber nicht weisungsbefugt. Es würden zwar Informationen, Muster und Checklisten für die beteiligten Gemeinden bereitgestellt, "die eigentliche Arbeit müssen wir aber selber machen", monierte Dietz im Gemeinderat. Und auch die Verantwortung für die Einhaltung und Beachtung datenschutzrechtlicher Regeln läge weiter bei der Gemeinde.

Schnelles Internet Mit einem Angebot in Höhe von rund 50 000 Euro hatte die SÜC Dacor das wirtschaftlichste Angebot für eine Erschließung der Grundschule Untermerzbach mit Glasfaser-Kabeln abgegeben und erhielt den Zuschlag. Künftig soll damit eine Datenübertragungsrate von bis zu 500 Megabit pro Sekunde an der Grundschule erreicht werden. Bei der Regierung wird eine Förderung über 90 Prozent der Kosten beantragt

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren