Haßfurt
Musik

Barock, Romantik und Moderne in der Ritterkapelle in Haßfurt

Beim Orgelkonzert in der Ritterkapelle überraschte Regionalkantor Rainer Aberle auch mit zeitgenössischen Kompositionen.
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Regionalkantor Rainer Aberle genießt das Spielen auf der Schlimbachorgel nach der Renovierung.  Foto: U. Langer
Regionalkantor Rainer Aberle genießt das Spielen auf der Schlimbachorgel nach der Renovierung. Foto: U. Langer
Traditionell findet am Abend des Hochfestes Mariä Aufnahme in den Himmel ein Orgelkonzert in der Ritterkapelle in Haßfurt statt. In diesem überraschte Regionalkantor Rainer Aberle aus Schweinfurt die vielen Zuhörer mit einem Konzert, das sowohl von festlichen Kompositionen aus dem Barock und der Romantik als auch von heiteren, ja geradezu witzigen zeitgenössischen Werken geprägt war. Für sein virtuoses und anmutendes Spiel erhielt der Organist einen großen Applaus.

Pfarrer Stephan Eschenbacher hatte eingangs darauf hingewiesen, dass die Ritterkapelle einer der ältesten Marienwallfahrtsorte der Diözese Würzburg sei. "Heute wird Rainer Aberle die wunderbare Schlimbachorgel zum Erklingen bringen, und ich wünsche Ihnen, dass Sie dabei zur Ruhe kommen und ganz entspannt den herrlichen Klängen lauschen können", wandte er sich an die etwa 100 Gäste.

Diese erlebten anschließend ein ganz besonderes Konzert an der typisch deutschen, romantischen Kegelladenorgel aus dem Jahr 1890. Denn trotz der romantischen Prägung des königlichen Instruments hatte Aberle die berühmte barocke Toccata und Fuge in D-moll von Johann Sebastian Bach an den Anfang gesetzt. "Ich bin bei der Vorbereitung zu diesem Konzert mit diesem Stück und mit einem Fragezeichen nach Haßfurt gefahren, habe die Toccata und die Fuge auf der Orgel ausprobiert und festgestellt: Sie lässt sich wunderbar spielen", berichtete Aberle im Vorfeld. So kam das Publikum in den Genuss dieser überaus beliebten Komposition, die Aberle virtuos vortrug.
Auch mit dem Orgelkonzert Nr. 13 in F-Dur, "Der Kuckuck und die Nachtigall" von Georg Friedrich Händel in der Bearbeitung von Klemens Schnorr zeigte der Musiker, wie schön barocke Orgelmusik klingen kann. Überhaupt verstand er es, durch die jeweilige Registrierung nicht nur den Charakter der unterschiedlichen Kompositionen zu erfassen, sondern auch die ganze Schönheit der Orgel vor Ohren zu führen.

Der Wechsel von leisen und lauten, warmen und scharfen Klangfarben sowie deren Zusammenstellung brachte zudem eine Lebendigkeit ins Spiel, die das Zuhören so faszinierend machte. War die moderne Serenade Op. 22 von Derek Bourgeois mit ihren vertrackten Taktarten (11/8, 13/8, 7/8) in ihrer Rhythmik und Melodik geradezu mitreißend, so zauberten die humoristischen Variationen für Orgel über das Lied "Ein Männlein steht im Walde" von Franz Lehrndorfer ein Lächeln auf die Gesichter der Zuhörer.

Mit der viersätzigen Orgelsonate B-Dur op.65 4 des Leipziger Romantikers Felix Mendelssohn-Bartholdy erfüllte zum Schluss prächtiger Glanz das Gotteshaus. Für den Applaus bedankte sich Aberle mit zwei außergewöhnlichen Zugaben: Er intonierte zunächst den Triumphmarsch aus der Oper "Aida" von Giuseppe Verdi, um sich dann mit der zarten schottischen Ballade "Auld Lang Syne" zu verabschieden. "Hier zu spielen ist keine Arbeit, sondern purer Spaß", so Aberle zum Abschluss.


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