Westheim bei Haßfurt
Flohmarkt

Bares für Rares in den Höfen

In Westheim hatten 50 Hausalte die Besucher dazu eingeladen, in historischen Gebrauchsartikeln oder Spielzeug zu stöbern.
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Mit der Ausstellung von historischen Wagen stieß Gerhard Hagenbucher auf großes Interesse bei den Besuchern. Christiane Reuther
Mit der Ausstellung von historischen Wagen stieß Gerhard Hagenbucher auf großes Interesse bei den Besuchern. Christiane Reuther
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Lag es am "Kaiserwetter" oder an der zündenden Idee? Die Premiere ist jedenfalls geglückt: Der Tag des offenen Hofflohmarktes in Westheim wurde zum Besuchermagneten. Zum ersten Mal öffneten in dem Knetzgauer Gemeindeteil 50 private Haushalte ihre Pforten, um ein Sammelsurium an Haushaltswaren, Kleidung, Spielsachen und sonstigen Krempel mit Funden aus Dachboden, Keller oder Garage an Nostalgieliebhaber zu bringen.

Die Idee hatte Hannes Betz vom Künstlertreff Westheim gemeinsam mit Fred Meyer und Toni Voit geboren, um der Wegwerfgesellschaft entgegen zu treten. Betz sprach von einem vollen Erfolg: "Ab acht Uhr waren die ersten Besucher da" - also schon eine Stunde vor der offiziellen Öffnung der Höfe. Mit einem Lageplan, auf dem sämtliche beteiligen Hausbesitzer vom Altdorf bis hin zum Siedlungsgebiet markiert waren, machten sich die Besucher - teils mit Boller- oder Einkaufswagen gewappnet - auf die Suche nach Raritäten.

"Wir haben die ganze Ortschaft erkundet", erzählte ein Ehepaar, das aus Poppenhausen bei Schweinfurt angereist war. Westheim kannten sie nur vom Durchfahren. Umso mehr zeigten sie sich beeindruckt von den offenen Höfen, hinter denen sich oftmals schmucke grüne Oasen verbargen und die sonst nicht einsehbar sind. Beim Bummel durch die Steigerwaldgemeinde war das Ehepaar mit so manchem Hofbesitzer in Kontakt gekommen und ergatterte ein passendes Geschenk für die Ehefrau, die sowohl ein Geburts- als auch ein Ehejubiläum feierte.

"Ich habe herkömmliche Sache gefunden, die man sonst sehr selten findet", sagte Michael Grosskopf aus Knetzgau. Er gestaltete den Besuch in Westheim als Familienausflug mit dem Fahrrad. Der Familienvater lobte die Hofbesitzer und fand unter anderem einen ganz normalen Salz- und Pfefferstreuer. "Fast geschenkt", freute er sich über den günstigen Preis.

"Ich habe ein Stück versteinertes Holz gefunden", zeigte ein Besucher aus Hofheim stolz seinen "Schatz", den er in einen der Höfe im Altdorf fand. Als regelmäßiger Flohmarktbesucher ist sein Blick geschult. Begeistert zeigte sich der Hofheimer von den historischen Wagen, die im Hof von Gerhard Hagenbucher großen Zuspruch fanden.

Gegen die Wegwerfgesellschaft

Die Ausstellung - natürlich ohne Verkauf - war in den Tag des offenen Hofflohmarktes eingebettet. Für jeden Wagen hatte der heimatverbundene Rentner auch eine eigene Geschichte. So war auf der Aufschrift vom "Räswagerla" zu lesen: "Ich bin aus der Rhön und wurde von einem flotten Pferd gezogen. Habe viel erlebt und gehört, kann leider nicht reden". 15 Wagen aus ganz Unterfranken hat der 87-Jährige gesammelt und in seinem Hof präsentiert. Die Ausstellung zeigte auch Wäsche und Utensilien aus der ländlichen Vergangenheit, die den älteren Besuchern einen Blick in die eigene Kindheit gewährte.

Der älteste historische Wagen aus dem Jahr 1900 war der eines fahrenden Händlers. Gerne erklärte Hagenbucher den Gästen die Gebrauchsgegenstände auf dem Wagen, mit denen die fahrenden Händler Tauschgeschäfte machten, um Zaumzeug für Tiere, Haushaltsgeräte oder Werkzeuge für den Bauern bereitzuhalten. Der leidenschaftliche Sammler wehrt sich gegen die Wegwerfgesellschaft auf seine eigene Art und bewahrt sonstiges Sammelsurium, wie alte Kinderschuhe aus dem ersten Weltkrieg, Haushaltsgegenstände wie einen großen Bräter, einen Brotkasten oder ein Waffeleisen mit aufgedrucktem Rezept für die Nachwelt.

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