Ebern
Verteiler-Zentrum

Bald geht Post in Eyrichshof ab

Die Postverteilung in Ebern wird in Zukunft vom Gewerbegebiet im Stadtteil aus geschehen. Das alte Amtsgebäude in der Bahnhofstraße hat dann nach mehr als 90 Jahren endgültig als Poststandort ausgedient.
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Das neue Postverteilerzentrum in Ebern könnte laut Bürgermeister Jürgen Hennemann ähnlich aussehen, wie die bestehende Zentrale im Gewerbegebiet Breitengüßbach (Bild). Diese wird aktuell mit Ladesäulen für den Betrieb mit Elektrofahrzeugen ausgerüstet.  Foto: Eckehard Kiesewetter
Das neue Postverteilerzentrum in Ebern könnte laut Bürgermeister Jürgen Hennemann ähnlich aussehen, wie die bestehende Zentrale im Gewerbegebiet Breitengüßbach (Bild). Diese wird aktuell mit Ladesäulen für den Betrieb mit Elektrofahrzeugen ausgerüstet. Foto: Eckehard Kiesewetter
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Wieder mal geht sie ab, die Post in Ebern. Gemeint ist nicht die Postagentur, die nach wie vor in den Räumen der Firma Mandrops in der Bahnhofstraße zu finden ist. Für die Kundschaft wird sich also nichts ändern, wohl aber für die Zusteller, für die bis heute der Hof des einstigen Postamtes in einem Anwesen schräg gegenüber Anlaufstation ist. 2003 war das Postamt Ebern aufgelöst, die Brief-, Paket- und sonstigen Dienstleistungen zunächst in eine Agentur im Tegut-Markt, nach dessen Schließung bei Mandrops angesiedelt worden.

Nun soll offenbar auch das Postverteilzentrum dort aufgelöst und gegen einen Neubau im "eingeschränkten Gewerbegebiet" Eyrichshof ersetzt werden, einem Areal, in dem laut Bebauungsplan riegelartige Bauwerke in Form von Garagen oder Lagerhallen erlaubt sind.

Bei der Post setzt man auf Stillhalten, bis alle Verhandlungen unter Dach und Fach sind. Allerdings bestätigt Alexander Böhm, als Pressesprecher zuständig für Ober- und Unterfranken, "dass der Standort zu klein und zu eng " geworden ist. Wie andernorts auch, gehe in Ebern die Zahl der Briefe zurück, während die Paketpost stark zunimmt, "und dann wird es noch enger". Unterschrieben sei noch nichts, so der Postsprecher aus Frankfurt, und demnach auch ein Termin für den Umzug nicht absehbar.

Ein entsprechender Bauantrag der BTB Generalbau GmbH, die Bauvorhaben im Auftrag der Deutschen Post umsetzt, hat indes bereits die Zustimmung des Bauausschusses erhalten. Demnach soll auf einem Grundstück, das der Familie Rotenhan gehört, am Hang oberhalb der Elektrofirma Fertsch und in unmittelbarer Nachbarschaft des Unternehmens Uniwell eine Lagerhalle mit 42,70 Metern Länge, 17,20 Metern Breite und flachgeneigtem Dach mit maximaler Höhe von 5,38 Metern haben.

Der Neubau wird ähnlich aussehen wie das Postverteilzentrum im Gewerbepark Breitengüßbach, erklärte Bürgermeister Jürgen Hennemann dem Bauausschuss. Das Gremium hat bei seiner jüngsten Sitzung - bei einer Gegenstimme - grünes Licht für die Pläne der gelben Post gegeben. Dabei nahm der Ausschuss billigend in Kauf, dass die Festsetzungen des Bebauungsplans nicht komplett eingehalten werden. So ragt die Planung um 28 Quadratmeter über die geplanten Bebauungsgrenzen heraus. Dies soll den Angaben zufolge eine spätere mögliche Erweiterung und das Anlegen einer Stellplatzreihe mit Fahrspur in Richtung Siegelfelder Straße ermöglichen. Der Bebauungsplan hatte dort eine Randbepflanzung vorgesehen. Die vorgeschriebene Hecke und ein Hochstamm sollen nun an anderer Stelle nordöstlich des Baufeldes platziert werden.

Laut Mitteilung aus der Bauverwaltung sollen in dem Zustellstützpunkt voraussichtlich 39 Mitarbeiter beschäftigt werden, davon 22 Zusteller. Gemäß Betriebsbeschreibung wird die Anlieferung der Brief- und Paketpost "gegen 5 Uhr morgens mittels ein bis zwei Lkws" erfolgen. Die Sendungen werden dann ab 7.15 Uhr von den Zustellern in Postsprinter geladen und verteilt. Alexander Böhm bestätigt, dass man auf Elektrofahrzeuge, die von der Post selbst produzierten Streetscooter, umsteigen werde.

"Als Stadt sind wir froh, wenn sich in ausgewiesenen Gewerbegebieten etwas tut und Arbeitsplätze bei uns in Ebern gesichert werden und neue entstehen", erklärt Bürgermeister Hennemann. "Die Stadt habe die Investoren auf Nachfrage auf die vorhandenen Gewerbegebiete verwiesen, auch auf die in Privatbesitz", sagt Hennemann. "Durch Abweichungen vom festgesetzten Bebauungsplan haben wir die Vermarktung ermöglicht. Das versuchen wir bei allen angefragten Vorhaben, um den Firmen zu helfen, soweit es in unserer Macht steht."

Im Bauausschuss hat Eyrichshofs Ortssprecherin Sandra Welsch als Gast Rederecht erhalten. Sie äußerte die Sorge, die Siegelfelder Straße könnte für die gewerblichen Neuansiedlungen im Gewerbegebiet (neben der Post plant vor allem die Firma Uniwell den Bau eines großen Logistikzentrums) zu schmal ausgelegt und überlastet sein. Demgegenüber stellte der Bürgermeister klar, dass der Bebauungsplan für Firmenansiedlungen ausgelegt und die Straße so dimensioniert worden sei, dass alle Flächen im Gewerbegebiet bedient werden können.

Etliche Umzüge

Der Abzug des Postverteiler-Zentrums aus der Innenstadt ist übrigens nur eine weitere Station unter etlichen Post-Umzügen in der Stadt.

Erste Depeschen kamen dort bereits im 17. Jahrhundert an, als die Post noch per Thurn- und-Taxis-Kutsche verteilt wurde. Zu Zeiten des Dichters Friedrich Rückert verlief die Postroute durch den Itz- und nicht durch den Baunachgrund, weshalb der junge Dichter seine Briefe unter die Amtspost seines Vaters schob, der als Rentamtsmann in Ebern tätig war.

Ab 1854 hatte die Stadt dann endlich ihre eigene königlich bayerische Postexpedition in einem Gasthaus samt Poststall am Marktplatz. 1898 wurde daraus ein Postamt dritter Klasse. Damals wurden zwei Mal täglich Pakete innerhalb Eberns zugestellt, Briefe sogar dreimal!

1901 zog die Poststelle einige Häuser weiter nördlich den Marktplatz hinauf; 1907, als eine erste öffentliche Telefonstelle eingerichtet wurde, wurde ein Anwesen im Kreuzungsbereich von Kapellen- und Bahnhofstraße zur Eberner Post.

Repräsentatives Gebäude

1826 bis 1828 entstand - samt Nebengebäude für Dienstwohnungen der Mitarbeiter - das repräsentative Postamt in der Bahnhofstraße. Während des Zweiten Weltkriegs und dann endgültig ab 1957 war Ebern nur noch Dienststelle des Postamts Bamberg.

2003 schloss in der Stadt, wie in vielen anderen Orten, die amtliche Dienststelle. Das Gebäude wurde an die Flessabank verkauft. Übrig blieb die Mini-Filiale im Tegut-Markt, seit 2012 bei Mandrops.

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