Haßfurt
Prozess

Aussagebereitschaft bewahrt Drogendealer vor dem Gefängnis

Das Amtsgericht Haßfurt verurteilte einen 24 Jahre alten Rauschgifthändler zu einer Bewährungsstrafe. Die Kronzeugenregelung half.
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Weil er bei seiner Festnahme am 26. November vergangenen Jahres ein umfangreiches Geständnis ablegte und Namen von Hintermännern der Polizei verriet, kam ein 24-jähriger Drogendealer am Mittwoch am Schöffengericht des Amtsgericht in Haßfurt mit einer 22-monatigen Bewährungsstrafe davon. Verurteilt wurde er für den Handel in elf Fällen und den Handel mit einer "nicht geringen Menge" Rauschgift in sechs Fällen.

Der Angeklagte profitierte vom Paragrafen 31 des Strafgesetzbuchs, der im Volksmund als "Kronzeugenregelung" bekannt ist. Durch die Aussage des Handwerkers konnten die Ermittler der Kriminalpolizei Schweinfurt wenig später drei Kilogramm der Droge Amphetamin, 400 Gramm Marihuana und 500 Ecstasy-Tabletten beschlagnahmen sowie zwei weitere Dealer festnehmen.

Der Angeklagte, der im vergangenen Jahr noch im Landkreis Haßberge lebte, handelte zwischen Februar 2018 bis zu seiner Festnahme im November 2018 im großen Stil mit Marihuana und Kokain, das er meist in einem Dorf im westlichen Landkreis kaufte, um es gewinnbringend im Landkreis weiterzuverkaufen. Marihuana kaufte er für 8,50 bis elf Euro pro Gramm ein, um es für bis zu 13 Euro weiterzuverkaufen. Der Einkaufspreis des Kokains lag bei 80 bis 90 Euro pro Gramm. Verkauft hat es der Angeklagte laut Gericht für bis zu 111 Euro. Die Menge des verkauften Marihuanas lag im Kilogrammbereich, die des verkauften Kokains weit darunter.

Ins Visier der Polizei kam der Angeklagte durch Ermittlungen gegen einen weiteren Drogendealer. Bei der Überwachung dessen Handys wurde auch der Angeklagte als Drogenabnehmer genannt. Daraufhin wurde das Handy des Angeklagten überwacht, wobei die Straftaten bekannt wurden. Die Festnahme erfolgte auf dem Gelände eines Haßfurter Einkaufsmarkts, nachdem der Angeklagte von einer Fahrt von Frankfurt nach Hause gekommen war. Die Ermittler hatten den Verdacht, dass sich der Angeklagte in Frankfurt Drogen besorgt haben könnte. Tatsächlich hatte er sich dort nur einen Hund gekauft.

Sofort bei der Festnahme habe der Angeklagte "die Hosen runtergelassen", was ihm eine Untersuchungshaft ersparte, sagte der ermittelnde Polizeibeamte der Kripo Schweinfurt im Zeugenstand. Durch die Angaben des Angeklagten habe man in Form eines Scheingeschäfts die bereits genannten großen Rauschgiftmengen sicherstellen und zwei weitere Täter festnehmen können. Der Angeklagte habe auch danach den Kontakt zur Polizei gehalten, was "äußerst selten" vorkomme. Er habe sich mustergültig verhalten, indem er aus dem Landkreis Haßberge in ein anderes Bundesland gezogen sei, um aus dem Milieu auszusteigen. Er habe sich auch in Gefahr begeben, indem er Freunde verraten habe. In sozialen Netzwerken sei er als "Bastard" und "Verräter" beschimpft worden, sagte der Polizist. Repressalien gegen ihn habe es jedoch keine gegeben. Diese gebe es erst "in höheren Bereichen", erklärte der Beamte vor Gericht.

Einschlägig vorbestraft ist der Angeklagte nicht. Bislang steht "nur" eine Eintragung wegen einer Körperverletzung in seinem Sündenregister. Der Angeklagte habe seit seiner Festnahme vieles richtig gemacht, zuvor jedoch vieles falsch, erklärte der Staatsanwalt, der eine zweijährige Bewährungsstrafe forderte plus 3500 Euro Geldauflage. Es sei die "allerletzte Chance" und "kurz vor zwölf" schrieb er dem Angeklagten hinter die Ohren. Verteidiger Alexander Wessel hielt eine Bewährungsstrafe von 18 bis 20 Monaten plus 2500 Euro Geldauflage für ausreichend.

Das Gericht blieb in seinem Urteil zwischen den beiden Anträgen. Als Auflage muss der Verurteilte 2500 Euro an die Caritas-Suchtberatung zahlen. Richterin Ilona Conver würdigte in der Urteilsbegründung das "ungewöhnlich positive Nachtatverhalten" des Mannes, der bei seinen "hammermäßigen Rauschgiftgeschäften mit einem blauen Auge davongekommen" sei.

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