Haßfurt

Auseinandersetzung um die MPU

Das Amtsgericht Haßfurt stellte ein Strafverfahren gegen einen 61-Jährigen wegen Betrugs gegen eine Geldauflage ein.
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Was stand im Vertrag, den der Coach und sein Kunde geschlossen hatten? Die Frage ließ sich vor Gericht nicht beantworten, weil das Schriftstück offenbar verschwunden ist. Symbolfoto: Archiv
Was stand im Vertrag, den der Coach und sein Kunde geschlossen hatten? Die Frage ließ sich vor Gericht nicht beantworten, weil das Schriftstück offenbar verschwunden ist. Symbolfoto: Archiv

Die meisten Betroffenen, die infolge einer Trunkenheitsfahrt ihren Führerschein verloren haben, müssen eine psychologisch-medizinische Untersuchung (MPU) erfolgreich bestehen, um ihren "Lappen" wiederzukriegen. Damit dies gelingt, suchen viele professionelle Hilfe und Unterstützung. Genau dies bot ein 61-jähriger Mann in Form von Einzelcoaching an. Dass er dabei einen seiner inzwischen verstorbenen Kunden in betrügerischer Absicht übers Ohr gehauen haben soll, ließ sich auch nach einer mehrstündigen Verhandlung am Amtsgericht in Haßfurt nicht zweifelsfrei nachweisen. Aber weil ein zumindest geringfügiges Fehlverhalten im Raum stand, wurde das Verfahren mit einer 1350-Euro-Geldauflage eingestellt.

In seiner Einlassung erklärte der im Landkreis Schweinfurt lebende Mann, dass er seit über 20 Jahren diese Dienstleistung anbiete und zahlreiche seiner Klienten mit Erfolg durch diesen im Volksmund "Idiotentest" genannte Prüfung gebracht habe. Die Tätigkeit war als Firma angemeldet und der Coach hatte sich die Nebentätigkeit von seinem Arbeitgeber genehmigen lassen. Für seine Beratung, Betreuung und Einzelschulung hatte er im vorliegenden Fall 900 Euro verlangt und erhalten.

Darüber, so der Angeklagte, sei am 20. März 2017 ein schriftlicher Vertrag abgeschlossen worden. Dieser sei allerdings nicht mehr auffindbar. Er betonte, dass in diesem Vertrag keine von ihm zu leistende Stundenangabe festgelegt worden sei. Weiterhin sei schriftlich festgehalten worden, dass er keine Garantie dahingehend abgebe, dass der Kunde die anstehende MPU erfolgreich bestehen werde.

Der Beschuldigte wies den Betrugsvorwurf der Staatsanwaltschaft weit von sich. Schließlich habe er für das Geld durchaus eine Leistung erbracht. Sechs- bis achtmal will er sich mit dem Klienten getroffen haben. Dabei habe er diesen nicht nur beraten, sondern auch mit Lehrmaterial versorgt. Dass der Beratene letztendlich durch die MPU-Prüfung in Frankfurt geflogen sei, sei nicht sein Verschulden, verteidigte sich der Coach.

Zu der Verhandlung wegen Betruges kam es, weil dieser Kunde nach seinem Misserfolg dermaßen unzufrieden war, dass er seinen "Lehrer" bei der Polizei anzeigte. Rechtsanwalt Christian Merkel unterstrich, dass sein Mandant sehr wohl tätig geworden war. Die entscheidende Frage war aber, ob die durchgeführten Einzelgespräche dem entsprachen, was zwischen Kunde und Dienstleister vereinbart worden war, ob der Mann also die versprochene Leistung vollständig erbracht hatte oder nicht. Diese Frage blieb letztlich ungeklärt, weil der Anzeigenerstatter im Mai 2018 gestorben ist.

Um die Sache endgültig aus der Welt zu schaffen, erklärte sich der 61-jährige Angeklagte bereit, die erhaltene Vergütung an die Witwe des Verstorbenen zurückzuzahlen. Er akzeptierte ebenfalls eine vom Staatsanwalt zusätzlich geforderte Geldauflage zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung. Daher kam es zu der Einstellung des Strafverfahrens mit der Geldauflage, wobei der Betrag gesplittet wird. 900 Euro erhält die Witwe, und 450 Euro gehen an den Kreisverband des "Weißen Rings".

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