Haßfurt
Strafprozess

Augsfeld wurde zum Drogen-Tatort: Trio linkte einen Dealer

Das Landgericht Bamberg verurteilte zwei Männer wegen eines Rauschgiftdelikts. Eine weitere Verhandlung gegen eine Komplizin folgt.
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Das ist "Speed". Symbolfoto: Michael Gründel/Archiv
Das ist "Speed". Symbolfoto: Michael Gründel/Archiv

Der beschauliche Haßfurter Stadtteil Augsfeld wurde am späten Abend des 18. Januar vergangenen Jahres zum Schauplatz eines größeren Rauschgiftgeschäfts. Ein Trio, bestehend aus einer Frau (22) und zwei jungen Männern (24 und 28 Jahre), traf sich dort auf einem Parkplatz mit einem Händler aus Würzburg, der per Taxi angereist war, um der Frau des Trios 1,5 Kilogramm der Droge Amphetamin, auch als "Speed" oder "Pep" bekannt, im Einkaufswert von 11 000 Euro auszuhändigen. Die Frau nahm das Rauschgift, setzte sich in das Fahrzeug eines ihrer Komplizen, der mit dem Rauschgift und der Frau davonbrauste, ohne den Kaufpreis zu bezahlen. Der Dritte im Bunde, der eigentliche Drahtzieher des Geschäfts, folgte in seinem eigenen Wagen.

Das Trio fuhr nach Würzburg in die Wohnung der Frau, wo der 24-jährige Drahtzieher das Rauschgift übernahm und seine beiden Komplizen auszahlte. Er selbst wollte das Rauschgift gewinnbringend weiterverkaufen, um seinen Eigenkonsum zu finanzieren.

Was die drei nicht ahnten, war, dass die Kriminalpolizei schon seit geraumer Zeit das Handy des Lieferanten überwachte und so auch dem Trio schnell auf die Spur kam. Bei einer Wohnungsdurchsuchung gestand die Frau die Tat und nannte die Namen ihrer beiden Komplizen, die daraufhin ebenfalls festgenommen werden konnten und in Untersuchungshaft kamen.

Am Montag verurteilte die Große Strafkammer am Landgericht Bamberg die beiden beteiligten Männer zu Haftstrafen. Der 24-jährige Haupttäter aus Würzburg wurde unter Einbeziehung eines vorherigen Urteils wegen Drogenhandels und -besitzes zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt. Gleichzeitig ordnete das Gericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Den zweiten Angeklagten - ebenfalls ein Würzburger, der hauptsächlich als Fahrer fungierte -, verurteilte das Gericht wegen Beihilfe zum Drogenhandel zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Als Auflage muss der bislang unbescholtene 28-jährige Familienvater 200 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten.

Die Dritte im Bunde sollte vor Gericht als Zeugin aussagen. Sie verweigerte jedoch die Aussage. Auch die 22-Jährige muss sich demnächst vor Gericht verantworten.

Nach Aussage des ermittelnden Kripobeamten wurde das Handy des inzwischen verurteilten Drogenlieferanten bereits seit längerer Zeit überwacht. Er hatte 2,5 Kilogramm Amphetamin auf Lager. Das Trio schmiedete einen Plan, um ihm einen Teil des Rauschgifts "abzuziehen", wie es im Drogen-Jargon heißt. Hierzu gaukelte die 22-Jährige dem Dealer vor, dass sie Kunden habe, die ihr 1,5 Kilogramm Amphetamin abkaufen würden. Man verabredete den Übergabetermin in Augsfeld. Von ihren beiden Komplizen hatte die 22-Jährige laut Zeugenangaben dem Dealer nichts gesagt. Um wieder an sein Geld zu kommen, habe der geprellte Dealer einen gewaltbereiten Geldeintreiber engagiert, der die Frau und später auch ihren Fahrer bedrohte und einschüchterte.

Bei den Wohnungsdurchsuchungen des Trios habe man kein Amphetamin gefunden. Die Drogengeschäfte des Haupttäters seien über einen Messenger-Dienst mit verschlüsselter Kommunikation abgewickelt worden, so dass ihm die Polizei nicht auf die Schliche kommen konnte, sagte der Polizeibeamte im Zeugenstand weiter. Seinen strafrechtlich bislang unbelasteten Komplizen habe er als Fahrer benutzt, weil er selbst - vorbestraft und polizeibekannt - sich nicht dem Risiko aussetzen wollte, eine so große Menge Rauschgift von Augsfeld nach Würzburg zu transportieren.

Vor Gericht legten beide Angeklagte ein Geständnis ab, was ihnen die Staatsanwältin strafmildernd zugute hielt. Sie forderte für den Haupttäter eine Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren. Darin einbezogen ist eine Verurteilung aus dem vergangenen Jahr, als der 24-Jährige zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt wurde, weil er 189 Gramm Haschisch und 134 Exstasy-Tabletten verkauft hatte. Für den Fahrer forderte die Anklagevertreterin eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren.

Der Verteidiger des Haupttäters hielt eine Freiheitsstrafe von vier Jahren für seinen Mandanten für ausreichend. Der Anwalt des Fahrers plädierte auf eine Bewährungsstrafe im Ermessen des Gerichts.

Richter Markus Reznik begründete die Höhe der Strafe für den Drahtzieher mit der hohen Menge des Rauschgifts und den vier Vorstrafen des Angeklagten. Zudem habe es sich um eine Droge mit hohem Suchtpotenzial gehandelt. Seinen Komplizen bezeichnete er als "gutmütiges Schaf", das das Risiko als Fahrer einging und später von einem "schlagfertigen" Geldeintreiber bedroht wurde. Das Urteil gegen den Haupttäter ist bereits rechtskräftig, das gegen seinen Komplizen noch nicht.

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