Limbach
Landwirtschaft

Auf einem Bauernhof in Limbach leben glückliche Kühe

In Limbach betreiben Manfred Schmitt und seine Frau Luitgard Oppelt-Schmitt seit über 30 Jahren eine Milchviehhaltung nach den Richtlinien von Bioland.
Artikel drucken Artikel einbetten
Glücklich und zufrieden fressen die Kühe ihr Heu. Foto: Christian Licha
Glücklich und zufrieden fressen die Kühe ihr Heu. Foto: Christian Licha
+7 Bilder

Glückliche Kühe leben auf dem Bauernhof von Manfred Schmitt und seiner Frau Luitgard Oppelt-Schmitt im Eltmanner Stadtteil Limbach. Vor dem westlichen Ortseingang, nahe der Wallfahrtskirche, steht der Außenklimastall der Schmitts. 30 Milchkühe leben hier sowie Jungvieh aus der eigenen Nachzucht. Der Stall ist dreihäusig, was bedeutet, dass sich auf der einen Seite die Milchkühe frei bewegen können, in der Mitte ein Futtertisch ist und der anderen Seite die jungen Kälber ihr Zuhause haben. Im Sommer dürfen die Kühe jeden Tag auf die angrenzende Weide, im Winter sind sie trotz des offenen Stalls gut gegen das kalte Wetter geschützt.

Mit Leib und Seele ist Manfred Schmitt Landwirt. Im elterlichen Betrieb lernte er ab 1970 den Beruf. Zwei Jahre Landwirtschaftsschule schlossen sich an und schließlich noch die Meisterprüfung. 1984 übernahm Schmitt den Hof der Eltern, deren Stall sich damals noch im Ortskern befand.

1986 auf Bio-Betrieb umgestellt

Lange hatte er Meinungen ausgetauscht und mit befreundeten Bauern gesprochen, die damals schon nach strengen Bio-Richtlinien arbeiteten. Im Jahr 1986 hatte dann der heute 63-Jährige aus Überzeugung den ganzen Betrieb umgestellt und ist Mitglied bei Bioland geworden, dem führenden Verband für ökologischen Landbau in Deutschland. Seitdem ist es für ihn selbstverständlich, immer die Richtlinien zu beachten, die nicht nur gut für den Verbraucher, sondern auch für die Tiere sind.

So gibt es Vorschriften für einen großzügigen Mindestplatzbedarf je Kuh sowie Regeln für den Auslauf und die Fütterung, die er normalerweise nur mit eigenen Bio-Erzeugnissen bestreitet. Im Sommer gibt es neben dem Grünfutter auf der Weide auch Kleegras und Wiese, im Winter Kleegras und Mais, die als Silage haltbar gemacht wurden. Zusätzlich wird noch ganzjährig ein Kraftfutter beigemischt, das aus betriebseigenem Getreideschrot und Erbsen besteht.

Nur natürliche Dünger

Insgesamt 75 Hektar bewirtschaftet der Familienbetrieb, wovon gut die Hälfte Wiesen sind. Fast der ganze Rest sind Ackerflächen, auf denen Silo-Mais, Futtergetreide und hochwertiges Kleegras mit einem Anteil von 60 Prozent Luzerne für den Eigenbedarf angebaut werden. Speichergetreide, das verkauft wird, also Weizen, Dinkel und Braugerste, wächst auf rund 13 Hektar.

Natürlich wird auf chemische Pflanzenschutzmittel und künstlichen Dünger verzichtet. Die Fruchtfolge und der Anbau einer Zwischenfrucht spielen eine große Rolle. Gedüngt wird ausschließlich mit dem eigenen Stallmist, Kleegras und Steinmehl, das wichtige Spurenelemente wie zum Beispiel Magnesium beinhaltet und eine Langzeitwirkung hat.

Bis zu 50 Prozent Einbußen

Nach dem trockenen Sommer in diesem Jahr war allerdings der Kleegras- und Wiesen-Ertrag sehr schlecht. "Hier hatten wir bis zu 50 Prozent Einbußen, weshalb ich auch entsprechende Bio-Produkte zukaufen musste", resümierte Schmitt. Er hofft, dass es nicht auch noch einen trockenen Winter gibt, denn "sonst sieht es im nächsten Jahr total mau aus".

Viel Arbeit steckt in so einem Betrieb. An Urlaub ist nicht zu denken, denn die Kühe wollen 365 Tage im Jahr zweimal täglich gemolken werden. Die Schmitts hoffen, dass ihr einziger Sohn Franz später einmal den Betrieb übernehmen wird, und sei es nur im Nebenerwerb. Der 18-Jährige geht momentan noch zur Schule und wird in knapp zwei Jahren das Abitur machen. Festgelegt hat sich der Junior noch nicht, in wieweit er die doch harte Arbeit weiter ausüben will. "Im Sommer haben wir auch oft einen 16-Stunden-Tag", sagte Schmitt, der sich auch über zu viel Bürokratie ärgert.

Direktvermarktung eingestellt

Bis 2006 gab es auch einen Hofladen und eine eigene Käserei. An Kunden habe es nie gemangelt, alleine die zunehmenden Vorschriften raubten jede Menge Zeit. Da sei es Zeit gewesen, die Reißleine zu ziehen und die Direktvermarktung einzustellen, zumal auch noch familiäre Gründe dafür sprachen.

Aber auf die Limbacher Bio-Milch als Käse muss niemand verzichten. Zum Beispiel im "Coburger Bio-Frankendammer" der Milchwerke Oberfranken West ist garantiert "seine" Milch mit enthalten, erklärte der Landwirt.

Zweimal am Tag werden die Kühe zum sogenannten Doppel-Zweier-Durchtreibe-Melkstand geführt. Alleine diese Prozedur dauert schon täglich mindestens drei Stunden insgesamt. Die Kühe werden in Zweierreihen, also zwei links und zwei rechts, in den Melkstand getrieben, wo das Melkzeug von Hand angelegt wird. Die frische Milch wird dann durch ein Rohrsystem in einen großen Tank gepumpt, in dem sie gekühlt gelagert wird. Alle zwei Tage wird dann das "weiße Gold" von der Molkerei mit einem Tanklastzug abgeholt.

Über 90 000 Liter Milch gegeben

Dass eine Milchkuh viel in ihrem Leben leistet, hat "Augusta" bewiesen: Als letztes junges Kalb ist sie damals vom alten Stall in das neue Domizil überführt worden und lebt heute noch hier. In 18 Jahren hat die Kuh insgesamt mehr als 90 000 Liter Milch gegeben. "Solange es Augusta noch gut geht und sie sich selbstständig und ohne Schmerzen bewegen kann, wird sie ihr Gnadenbrot bekommen", bekannte Schmitt, für den das Wohl der Tiere schon immer an erster Stelle stand. Auch heute noch tut er alles für eine artgerechte Tierhaltung.

Oft war der Bio-Bauernhof auch das Ziel von Kindergärten und Schulklassen. "Es gibt nämlich auch Kinder, die denken, die Milch im Tetrapack wird rein in der Fabrik hergestellt." Dem will Schmitt entgegenwirken, indem er Stallführungen anbietet, und das nicht nur für Kinder. Auch über das Umweltbildungszentrum in Oberschleichach gibt es jährlich eine Führung, um den Betrieb zu erkunden und alles über Bio-Produkte zu erfahren.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren