Lußberg
Unser Thema der Woche // AUF- UND ABSTIEG

Auf dem Berg in die Tiefe

Jeder, der die Aussichten genießen will, steigt auf einen Berg. Dass man dort aber auch tief in den Felsen blicken kann, damit rechnet fast keiner.
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Auf einer Leiter geht es elf Meter in die Tiefe des Veitenstein. Wer Platzangst hat, sollte sich hier nicht aufhalten.Foto: Stefanie Gleixner
Auf einer Leiter geht es elf Meter in die Tiefe des Veitenstein. Wer Platzangst hat, sollte sich hier nicht aufhalten.Foto: Stefanie Gleixner
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Eine herrliche Aussicht hat man vom Veitenstein aus über das komplette Umland. Bei gutem Wetter lassen sich die umliegenden Ortschaften genau lokalisieren. Wer Aussicht und Ruhe mag, ist hier genau richtig. Eine halbe Stunde dauert der direkte Aufstieg auf den Lußberg. Anstrengend und steil ist der Weg. Dass der Veitenstein aber nicht nur die klassischen Vorzüge eines Berges bietet, wissen nicht alle. "Wenn man es nicht weiß, dann kommt man nicht darauf", sagt Roland Wolf , Vorsitzender des Haßbergevereins Veiteinstein-Breitbrunn.

Mit blauem Overall ins Dunkel

Eine Infotafel macht auf die Höhle im Berg aufmerksam. Geht man um den Felsen herum, ist der Eingang zu sehen: eine alte Holztüre mit einem vergilbten Schild. Vier Bretter bilden den Eingang. Nicht sehr breit, aber muss es auch nicht. Denn das, was dahinter ist, ist auch nicht breiter. Wenn das Tageslicht auf die Felsen trifft, ist die Enge bereits zu sehen, die einen später erwartet. In der Mitte der Felsen findet sich ein dunkler Spalt. Ausgestattet mit einer Stirntaschenlampe und einem Overall geht es hinein in die Höhle. Zwei, drei Schritte und ich verstehe, warum es in der Veitensteinhöhle praktisch ist, einen Overall zu tragen.

"Es hat das ganze Jahr sechs Grad in der Höhle", sagt Roland Wolf, der für die Höhle zuständig ist. Im Sommer bei 30 Grad ist das eine willkommene Abkühlung, aber ohne Overall zittert der Körper schnell.

Noch ein paar Schritte weiter und jeder Besucher steht vor einem engen Loch im Boden. Eine Eisenleiter führt hinunter. Am besten geht man auf die Knie, um an die Leiter zu gelangen - gut, dass es den Overall gibt. Und auch die Stirnlampe ist sinnvoll. Ohne sie würde man gar nichts sehen und in ein schwarzes Nichts klettern. Elf Meter geht es mit der Leiter in die Tiefe. Vorsichtig und langsam. Sprosse für Sprosse. Bewegungsspielraum gibt es nicht sehr viel. Selbst als sportliche Frau ecke ich beim Klettern an den Felsenwänden an. Unten angekommen gibt es eine Kammer, von der zwei Räume abzweigen. "Wir haben sie Raum eins und Raum zwei genannt", sagt Roland Wolf. Er war dabei, als die Brüder Köder aus Schweinfurt 1973 mit Arbeiten an der Höhle begannen. "Über drei Jahre haben wir jeden Freitag und Samstag Schutt, Erde und Steine aus der Höhle gehoben", erzählt Roland Wolf. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Höhle bis oben zugeschüttet und niemand wusste genau, wie es im Inneren aussieht: "Wir wussten, dass es den Gang nach unten gibt. Aber die Räume haben wir erst bei den Grabungen entdeckt."

Raum eins ist feuchter und es befindet sich dort ein zwei Meter tiefes Wasserbecken. Im Raum zwei befindet sich eine so genannte "Kapelle". Dieser Raum ist sehr trocken. In den Wänden der gesamten Höhle befinden sich immer wieder kleine Nischen, die offenbar als Lichtnischen oder Sitzbänke genutzt wurden.

Wenige Erkenntnisse

"Es ist leider wenig darüber bekannt, wie die Höhle früher genutzt wurde", sagt Roland Wolf. Trotz vieler Recherchen gibt nicht viel, was sicher gesagt werden kann. Es wird vermutet, dass die Höhle zur Lagerung von Lebensmitteln bei den Kelten genutzt wurde. Zudem geht die Tendenz dahin, dass es eine direkte Verbindung von der Kapelle nach oben gibt. Ein Hinweis darauf ist die Inschrift "nazareth", welche sich vor dem Eingang der Höhle, in der Wand eingeritzt, befindet. Eine weitere Grabung wurde aber nicht gestattet, so dass dafür keine gesicherten Angaben existieren.

Feuersalamander und Siebenschläfer leben das ganze Jahr in der Höhle. "Diese Sandsteinhöhle ist etwas ganz Besonderes und Einmaliges", sagt Wolf. Es gibt immer wieder Führung in die Höhle und auch auf eigene Faust kann jeder die Höhle erkunden. Der Schlüssel dafür kann bei Roland Wolf abgeholt werden. "Das Betreten der Höhle ist natürlich auf eigene Gefahr." Mehr als vier Leute können die Höhle aus Platzgründen nicht gleichzeitig Betreten

Wer aus der Höhle raus will, kann dies auf dem selben Weg tun, wie man reingekommen ist. Oder die Höhlenbesucher kriechen durch das "Querkelesloch", welches sich am oberen Ende der Leiter befindet. Das Querkelesloch ist ein acht Meter langes Felsenrohr durch das man hindurchkriechen kann. Kinder sollten damit kein Problem haben. Bei Erwachsenen kann es eng werden.

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