Haßfurt
Rauschgift

Auf dem Bauernhof wuchs "Gras"

Das Amtsgericht in Haßfurt verurteilte einen 37-Jährigen "Drogen-Hobbygärtner" zu einer Bewährungsstrafe.
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So sehen Hanfpflanzen aus. Symbolfoto: Oliver Berg/dpa
So sehen Hanfpflanzen aus. Symbolfoto: Oliver Berg/dpa

Als die Polizei auf dem Bauernhof anrückte und das Anwesen durchsuchte, fanden die Beamten eine ganz spezielle Sorte "Gras". Die eher kleine Marihuana-Plantage war zwar schon abgebaut, aber ein großer Teil der "Ernte" konnte sichergestellt werden: 513 Gramm. Der Besitz dieser im Juristendeutsch "nicht geringen Menge" und das Handeltreiben mit dem Stoff brachten einem 37-Jährigen in einem Strafprozess am Amtsgericht in Haßfurt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und einem Monat ein.

Wie der zuständige Kommissar im Zeugenstand aussagte, erfolgte die Hausdurchsuchung in einem kleinen Dorf in den Haßbergen bereits am 22. November 2017. In dem Bauernhaus lebt der ledige Angeklagte mit seinen Eltern. Eine Vertrauensperson der Polizei, ihr Deckname ist "Marianne", lieferte im Vorfeld die entscheidenden Hinweise. Aufgrund dieses Anfangsverdachtes überprüfte der zuständige Ermittler erst einmal den Stromverbrauch. Mit fast 10 000 Kilowattstunden war der unverhältnismäßig hoch - und damit ein weiteres Indiz für eine verbotene Aufzuchtanlage, für deren Betrieb man strahlungsintensive Lampen braucht.

Als damals die Uniformierten ankamen, war früh um neun Uhr nur die Mutter des Angeklagten auf dem Hof. Die gute Frau fiel aus allen Wolken, als man ihr den Durchsuchungsbeschluss zeigte. In einem älteren Nebengebäude fand sich dann die bereits demontierte Anlage. Das notwendige Equipment wie Strahler, Ventilatoren und Reflektoren war ebenfalls dabei. In einer blauen Tupperdose befanden sich neben 50 Gramm Marihuana auch 550 Euro. Der Staatsanwalt wertete das als eindeutigen Beleg für den Handel, der mit dem Rauschgift betrieben worden sei.

Vor Gericht hinterließ der unauffällig wirkende Hobbygärtner nicht den Eindruck eines ausgebufften Drogendealers. Über seinen Verteidiger Hubertus Krause räumte er in seiner Einlassung im Wesentlichen die Vorwürfe ein. Wobei er betonte, dass ein großer Teil des aufgefundenen Materials nur aus groben Stängeln bestanden habe. Dieser Teil der Pflanze enthält kaum Wirkstoffe und war demzufolge nach Darstellung der Verteidigung nur Abfall. Die Menge an "echtem Marihuana", führte der Anwalt weiter aus, liege bei etwa 140 Gramm. Davon sei der überwiegende Teil zum Eigenverbrauch gedacht gewesen. Lediglich rund 30 Gramm habe sein Mandant "verticken" wollen.

Der Angeschuldigte lebt durchaus in geordneten Verhältnissen. Gelernt hat er nach seiner Schulzeit einen Handwerksberuf. Er schulte später um und aufgrund der besseren Verdienstmöglichkeiten ist der Mann jetzt in einem Industriebetrieb in der Region tätig.

Die Polizeiaktion, so der Rechtsanwalt, sei für den Betroffenen ein einschneidendes und heilsames Erlebnis gewesen. "Es war ihm ein großer Schrecken, aus dem er die Lehre gezogen hat", so der Anwalt. Seit damals sei der nicht vorbestrafte Mann clean und habe mit Drogen "komplett abgeschlossen".

Das behaupten vor Gericht ja viele, aber in diesem Fall könnte es tatsächlich stimmen. Weil er nämlich in den eineinhalb Jahren, seit er erwischt wurde, seine Drogenabstinenz mit regelmäßigen Screenings nachweisen konnte, durfte er sogar seinen Führerschein behalten.

In seinem Schlussplädoyer forderte der Staatsanwalt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Der Verteidiger sah einen minderschweren Fall und hielt ein Jahr für angemessen.

Das Urteil des Schöffengerichts lag zwischen diesen Anträgen. Die Vorsitzende Richterin Ilona Conver führte in ihrer Urteilsbegründung aus, dass beim Besitz von einer "nicht geringen Menge" ausgegangen wurde. Der Handel dagegen konnte nur in einem wesentlich niedrigeren Maße nachgewiesen werden. Zusätzlich muss der Verurteilte eine Geldbuße von 2000 Euro bezahlen. Das Geld kommt der Selbsthilfegruppe Borreliose und FSME zugute.



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