Ebern
Feuerwehrführung

Auch in der "Chaosphase" die Nerven behalten

Wie läuft ein Großeinsatz der Feuerwehr ab? Welche Aufgaben hat der Einsatzleiter? Ein Gespräch mit der Leitung des Inspektionsbezirkes 1 im Kreis Haßberge.
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Auch vor der Fernsehkamera informierte Kreisbrandmeister Jonas Ludewig über das Ausmaß des Waldbrandes.Christian Licha
Auch vor der Fernsehkamera informierte Kreisbrandmeister Jonas Ludewig über das Ausmaß des Waldbrandes.Christian Licha
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Kreisbrandinspektor Thomas Habermann sowie die beiden Kreisbrandmeister Jonas Ludewig und Ralph Morgenroth erklären das Vorgehen der Feuerwehr bei einem Großeinsatz anhand eines realen Einsatzes vor knapp drei Wochen, als bei Ebern ein Waldbrand ausbrach.

Eigentlich ist es ein ganz normaler Sonntag gewesen. Jonas Ludewig ist der jüngste Kreisbrandmeister im Landkreis und für Ebern sowie alle Stadtteile zuständig. Gerade will der 26-Jährige mit seiner Partnerin Sarah zu einer Radtour aufbrechen und den freien Tag genießen. Plötzlich ist es aus mit der Ruhe: Der Funkmelde-Empfänger gibt seine schrillen Töne von sich und ruft zu einem Einsatz.

"Waldbrand - größer als 1000 Quadratmeter" lautet die erste Einsatzmeldung um 16.05 Uhr, anhand der es sich nicht abschätzen lässt, wie groß das Ausmaß wirklich ist. Ludewig rennt zu seinem Auto, und los geht es in Richtung Ebern.

Jungwald brennt lichterloh

Am Brandort zwischen Eyrichshof und Fischbach ist als erste die freiwillige Feuerwehr Eyrichshof. Auf einer Fläche von 150 mal 150 Metern brennt der Jungwald zwischen Fahrradweg und alter Bundesstraße lichterloh. Nach Absprache mit dem örtlich zuständigen Kommandanten, Manuel Prediger, übernimmt Ludewig die Einsatzleitung, denn es zeichnet sich ab, dass es ein größerer Einsatz werden wird. Und so ist es dann auch.

Um nicht noch mehr Wald zu gefährden, werden zahlreiche Einheiten rund um Ebern nachalarmiert. "Die Ordnung des Raumes ist extrem wichtig. Wenn das falsch gemacht wird, kann es fatale Folgen für den ganzen Einsatz haben", hebt Ludewig hervor. Als Nachwuchs-Führungskraft muss er bei einem Großalarm in der sogenannten Chaosphase einen Bereitstellungsraum einrichten. In diesem Fall war der Ortseingang von Eyrichshof dafür vorgesehen. Dort sammeln sich alle ankommenden Feuerwehrfahrzeuge und werden dann, je nachdem, welche Ausrüstung benötigt wird, zur eigentlichen Einsatzstelle beordert.

Besonnenes Vorgehen

"Wichtig ist es auch, dass man Ruhe ausstrahlt", betont Ludewig. Denn Hektik würde sich schnell auf die anderen Einsatzkräfte übertragen. Der junge Kreisbrandmeister handelt jedoch besonnen: Er schickt als erstes die wasserführenden Fahrzeuge aus Ebern und Pfarrweisach in den Wald, um eine Ausbreitung des Feuers zu verhindern.

Ebenfalls vor Ort ist Kreisbrandmeister Ralph Morgenroth. Er hält Ludewig den Rücken frei, indem er anfangs den Funkverkehr übernimmt und seine Entscheidungen und Befehle weitergibt. Anfangs wird ein Pendelverkehr eingerichtet, damit immer genug Löschwasser zur Verfügung steht. Gleichzeitig werden insgesamt drei B-Schlauchleitungen mit einer Länge von jeweils circa 600 Metern von dem Ort Fischbach und dem Flüsschen Baunach aus verlegt. Zwischenzeitlich ist die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG ÖEL) eingetroffen, die von Kreisbrandmeister Dieter Murken geleitet wird und bei großen Schadenslagen den Einsatzleiter unterstützt. Als Einheit des Katastrophenschutzes im Landkreis verfügt die UG ÖEL über ein hochmodernes Einsatz-Leitfahrzeug mit viel Technik. Von hier aus wird der Funkverkehr mit den Einsatzkräften und der Integrierten Leitstelle (ILS) übernommen, Lagekarten werden dargestellt, das Einsatztagebuch geführt und viele andere Dinge. Im konkreten Fall wird damit Morgenroth wieder frei für andere Aufgaben.

Die Aufgabenverteilung

Vier Abschnitte werden gebildet: Für die Wasserförderung ist der Pfarrweisacher Kommandant Sebastian Bock zuständig, sein Eberner Kollege, Kommandant Michael Wüstenberg, kümmert sich um den Pendelverkehr, während Kreisbrandmeister Andreas Franz, der auch Kommandant der Feuerwehr Ermershausen ist, das Kommando über den Bereitstellungsraum hat. Später kommt dann noch Kreisbrandmeister Alfred Hauck aus dem benachbarten Inspektionsbezirk hinzu und hilft als Führungsassistent mit.

Morgenroth bekommt eine besondere Aufgabe zugewiesen: Die Polizei-Inspektion Ebern hat sich nämlich zwischenzeitlich gemeldet und einen Hubschrauber angeboten, der in der Nähe stationiert und gerade frei ist. Da muss Ludewig nicht lange überlegen: Dankend nimmt er das Angebot an. Morgenroth übernimmt diesen neu gebildeten Abschnitt und weist die Hubschrauberbesatzung ein, die bereits nach 20 Minuten im Einsatzgebiet ist. Mithelfen muss Morgenroth auch, als der Faltbehälter, mit dem der Hubschrauber das Wasser transportiert, startklar gemacht wird. "Wie einen Regenschirm kann man den Faltbehälter auseinanderklappen", sinniert der 46-Jährige.

Vier bis fünf Mal überfliegt der Polizeihubschrauber die Brandstelle und entleert seine Hunderte von Litern Wasser, die er zuvor aus nahe gelegenen Teichen geholt hat.

"Der Erfolg dieser Aktion war sehr gut, denn mit dem Wassernebel, der sich bildet, lässt es sich aus der Höhe optimal löschen", freut sich Morgenroth.

Lagebesprechungen wichtig

"Wichtig ist es immer, als Einsatzleiter mit allen Einheiten in Kontakt zu bleiben und das weitere Vorgehen zu besprechen", hebt Jonas Ludewig hervor und meint damit die Lagebesprechungen mit Feuerwehr, BRK, Polizei, THW und dem Einsatzleiter Rettungsdienst. Denn gerade das THW hat viele Möglichkeiten, einen Feuerwehreinsatz zu unterstützen, sei es in diesem Fall mit Bodenumgraben oder mit dem Radlader eine Schneise in den Wald zu ziehen. Und auch der Rettungsdienst ist sehr wichtig. Mit einer Einsatzstärke von 30 Personen werden die Einsatzkräfte sanitätsdienstlich abgesichert und auch mit Getränken versorgt. An zwei Ausgabestellen werden insgesamt mehrere Hundert Liter Wasser und Kaltgetränke an die Helfer verteilt. Aber auch mit seiner Drohne, die aus der Luft ein hervorragendes Lagebild erstellt, ist das Bayerische Rote Kreuz sehr hilfreich.

Nach rund viereinhalb Stunden können schließlich alle abrücken, nachdem das Waldgebiet nochmals intensiv mit Wärmebildkameras nach Glutnester abgesucht worden ist. "Nur gemeinsam können wir einen solchen Einsatz stemmen", hebt der Einsatzleiter hervor und dankt nochmals ausdrücklich den 130 ehrenamtlichen Feuerwehrleuten aus Ebern, Fischbach, Eyrichshof, Unterpreppach, Gereuth, Leuzendorf, Burgpreppach, Pfarrweisach, Rentweinsdorf und Untermerzbach sowie der Werksfeuerwehr von der Firma Valeo (ehemals FTE).

Premiere vor der Fernsehkamera

Aber nicht nur die Brandbekämpfung leiten musste Ludewig, sondern auch der Presse Rede und Antwort stehen, denn die Bevölkerung hatte natürlich auch das Geschehen bemerkt. Zum ersten Mal stand Ludewig somit auch vor einer Fernsehkamera und beantwortete die Fragen des Journalisten. "Ich war zwar ein bisschen aufgeregt, aber ich denke, ich habe das Wesentliche gut rübergebracht", sagt der Kreisbrandmeister im Nachhinein. Das sahen offensichtlich auch die Fernsehsender so, denn neben TV Mainfranken und dem Bayerischen Rundfunk hat auch SAT 1 Bayern über den Waldbrand berichtet.

Großes Lob vom Kreisbrandinspektor

Kreisbrandinspektor Thomas Habermann befand sich an besagtem Sonntag weit außerhalb seines Einsatzgebietes. Unterwegs wurde er aber von der ILS telefonisch sehr gut auf dem Laufenden gehalten, wie sich die Lage entwickelte. Als er wieder in der Heimat war, erkundigte er sich zuerst über das Wohlbefinden der zwei Verletzten. Zwei Feuerwehrler wurden nämlich leicht verletzt: Einer erlitt eine Brandverletzung, der andere wurde am Bein verletzt. Nach medizinischer Versorgung an Ort und Stelle und danach im Krankenhaus Ebern waren die beiden aber schon wieder auf dem Wege der Besserung.

Nachdem er sich einen Überblick über den organisatorischen Ablauf des Einsatzes gemacht hatte, sprach Habermann seinem jüngsten Kreisbrandmeister ein großes Lob aus: "Die Vorgehensweise war perfekt, und es war richtig, dass ein Großaufgebot alarmiert wurde", beurteilt Habermann den ersten Großeinsatz von Jonas Ludewig, dem er als Einsatzleiter vorstand. Der Kreisbrandinspektor sah das als Zeichen des sehr guten Ausbildungsstandards, den die schlagkräftige Feuerwehr im gesamten Landkreis habe.



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