Haßfurt
Körperverletzung

Attacke geht in die Tausende

Das Amtsgericht Haßfurt verurteilte einen 28-Jährigen zu einer Geldstrafe, weil er mit einem Glas zugeschlagen hatte.
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Der Besuch einer Haßfurter Diskothek am 8. Dezember vergangenen Jahres kommt einen 28-Jährigen aus dem Maintal teuer zu stehen. Gegen 3.30 Uhr nachts fühlte er sich von einem anderen Gast im Raucherbereich provoziert und schlug ihm daraufhin ein Cocktail-Glas ins Gesicht, das dabei zerbrach. Das Opfer blutete stark und erlitt Schnittwunden, die im Krankenhaus versorgt werden mussten. Schlimmere Folgen, wie der mögliche Verlust des Augenlichts, blieben dem Opfer glücklicherweise erspart.

Am Freitag bekam der Schläger seine Quittung am Haßfurter Amtsgericht, das ihn wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 60 Euro (5400 Euro) verurteilte. Vor Gericht räumte er die Tat über seinen Anwalt ein. An einen Faustschlag, der ihm ebenfalls vorgeworfen wurde, könne sich sein Mandant jedoch nicht mehr erinnern, sagte der Verteidiger. Der Angeklagte bedauere sein Fehlverhalten. Er habe sich bereits schriftlich bei dem Opfer entschuldigt und 1000 Euro an Schmerzensgeld angezahlt. Zudem müsse er die Behandlungskosten des Opfers in Höhe von 800 Euro an dessen Krankenkasse berappen. Der Geschädigte habe seinen Mandanten vor der Tat gekränkt, indem er sich über ihn vor einer Gruppe von Bekannten lustig machte, weil der Angeklagte sich beim Sport während des Aufwärmens so schwer verletzte, dass er die Sportart aufgeben musste. Der Angeklagte sei nicht einschlägig vorbestraft und sei kein Schlägertyp. Er habe für sich die Konsequenzen gezogen, meide derartige Lokale und trinke dort keinen Alkohol mehr, erklärte der Anwalt.

Eine Polizeibeamtin, die zur Tatzeit bereits am Tatort wegen einer angeblichen Streiterei war, sagte im Zeugenstand, dass der Angeklagte zur Tatzeit rund 1,4 Promille Alkohol (Atemalkohol) im Blut hatte. Das Opfer, das ebenfalls alkoholisiert war, habe stark geblutet. Da nach der Tat eine Meute von rund 20 Personen sich auf den Schläger stürzen wollte, habe sie den Angeklagten zu dessen eigenem Schutz zur Polizeidienststelle gefahren und dort seine Schnittwunden von dem zerbrochenen Cocktail-Glas versorgt.

Der Bundeszentralregisterauszug des 28-Jährigen ist fast unbefleckt. Vor vier Jahren bekam er einmal einen geringfügigen Strafbefehl wegen einer Beleidigung.

Der Anklagevertreter Ilker Özalp sah in der Tat eine Kurzschlussreaktion und gleichzeitig einen minderschweren Fall vorliegen, da der Angeklagte zuvor provoziert wurde, unter Alkoholeinfluss stand und bereits einen Täter-Opfer-Ausgleich angestrebt hat. "Gott sei Dank hat das Opfer nicht sein Augenlicht verloren", sagte Özalp und plädierte auf eine Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen zu 60 Euro (7200 Euro). Damit würde der Angeklagte als vorbestraft gelten und die Tat würde im Führungszeugnis auftauchen, was für den 28-Jährigen in seiner weiteren beruflichen Entwicklung eine Erschwernis wäre.

Sein Verteidiger plädierte daher auf die Mindeststrafe von 90 Tagessätzen, die seinem Mandanten eine Eintragung im Führungszeugnis ersparen und ihm seine Zukunft nicht verbauen würde. Richterin Ilona Conver tat ihm den Gefallen und beließ es bei der Mindeststrafe. Die Tat bezeichnete sie als "krasse Überreaktion von hoher Gefährlichkeit". Der Verurteilte akzeptierte das Urteil. Der Anklagevertreter gab keine Erklärung ab.

Für den 28-Jährigen war es ein teurer Abend. Neben der Geldstrafe muss er die Kosten seines Anwalts und dem Anwalt des Opfers zahlen, dazu die Gerichtskosten und wohl weiteres Schmerzensgeld.

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