Augsfeld
Gesellschaft

Arbeit bedeutet Lebensqualität für behinderte Menschen in Augsfeld

Die Augsfelder Werkstatt der Lebenshilfe besteht seit 40 Jahren und öffnete ihre Türen für interessierte Besucher.
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Sandra Kuhn ist bereits seit acht Jahren in der Werkstatt tätig und bearbeitet  Kupplungsgeber für die Autoindustrie.  Christian Licha
Sandra Kuhn ist bereits seit acht Jahren in der Werkstatt tätig und bearbeitet Kupplungsgeber für die Autoindustrie. Christian Licha
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Mit einer Extraschicht feierte die Werkstatt für behinderte Menschen in Augsfeld ihr 40. Jubiläum. Die Einrichtung, die zur Lebenshilfe Schweinfurt gehört, wuchs aus kleinen Anfängen mit 40 Beschäftigten zu einem ansehnlichen Betrieb mit inzwischen rund 300 Mitarbeitern.

1977 wollte die Lebenshilfe das Arbeitsangebot für behinderte Menschen dezentraler gestalten und so wurde die alte Schule in Augsfeld gekauft und zur Werkstatt umfunktioniert. Im Laufe der Zeit wurde immer weiter angebaut, so dass die Werkstatt heute über Hallen und Gebäude mit insgesamt rund 6000 Quadratmetern verfügen kann.

Werkstattleiter Harald Waldhäuser hatte am Samstag beim Tag der offenen Tür zusammen mit seinem Team alle Hände voll zu tun, galt es doch, den Besuchern den Ablauf in der Werkstatt näher zu bringen. Waldhäuser erläuterte ausführlich die Arbeitsbedingungen und führte durch die Abteilungen.

Für die umliegende Industrie wird in Lohnarbeit produziert, das heißt, es werden Teile montiert, verpackt, kontrolliert, sortiert und komplettiert. Es werden für verschiedene Firmen Verpackungskisten in unterschiedlichen Größen und aus unterschiedlichen Materialien wie Massivholz, Spanplatten oder Industriesperrholz hergestellt. Im Metallbereich werden Arbeiten wie bohren, sägen, fräsen und drehen ausgeführt. Es werden bei der Fertigung moderne Techniken eingesetzt und man kann zum Beispiel auch auf CNC-Maschinen zugreifen. In der Schreinerei werden Gartenmöbel gefertigt und eine Reihe anderer Produkte, auch individuell nach Kundenwunsch. Die auftraggebenden Firmen seien sehr treue Kunden, erläuterte Waldhäuser, und es würden auch marktübliche Preise bezahlt. "Es ist für uns wichtig, immer miteinander fair umzugehen", sagt der Werkstattleiter weiter. Viele Produkte werden auch im hauseigenen Werkstattladen angeboten.

Weil der Platz in Augsfeld nicht ausreichte, wurde vor ungefähr zehn Jahren ein Zweigbetrieb in Zell am Ebersberg gegründet. Es wurde die Werkstatt eines ehemaligen Metallverarbeitungsbetriebes erworben, in dem nun zusätzliche Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Der Ablauf ist in Zell ähnlich wie in Augsfeld. Auch dort steht der Mensch im Vordergrund. Davon konnten sich die Besucher am Samstag überzeugen.

Für die behinderten Menschen ist die Arbeit ein Stück Lebensinhalt. Sie werden mit Bussen daheim abgeholt und spätnachmittags wieder nach Hause gebracht. Es gibt einen Werkstattrat, ähnlich einem Betriebsrat, der mitbestimmt. Sollte einem Mitarbeiter die Arbeit doch einmal zu viel werden, gibt es einen Ruhebereich, in dem er betreut und notfalls auch medizinisch versorgt wird. Insgesamt kümmern sich 72 Angestellte der Lebenshilfe um das Wohlergehen und die Förderung der Behinderten. Neben der Werkstatt gibt es auch eine Förderstätte, in der rund 15 Schwerbehinderte gepflegt werden, die mit der handwerklichen Arbeit überfordert wären. Dort erfahren die Pflegebedürftigen eine Tagesstruktur und ein menschliches Miteinander.

Einer, der mit am längsten in Augsfeld arbeitet, ist Ludwig Krämer aus Hainert. Er kann auf eine Betriebszugehörigkeit von stattlichen 36 Jahren zurückschauen und zeigte stolz auf seine Arbeit. Mit viel Fingerspitzengefühl und Geduld macht er Brandmalerei, das heißt, er graviert in Holzstücke und Holzteller allerlei Schriften und Grafiken. So macht Krämer beispielsweise auch Teller mit Stadt- und Gemeindewappen, die später noch mit Farbe veredelt werden.

Die Erwachsenen konnten an dem Jubiläumstag an einem Quiz teilnehmen, bei dem Fragen rund um die Werkstatt zu beantworten waren. Dass das gar nicht so leicht war, zeigt, dass die Lebenshilfe-Mitarbeiter manchmal einen Tipp geben mussten. Aber immerhin winkte als Hauptpreis eine attraktive Holzbank aus eigener Fertigung. Es war gerne gesehen, mit den Behinderten ins Gespräch zu kommen.

Für die Kinder gab es auch keine Langeweile. Denn sie konnten am Bastel- und Begegnungsangebot "Sausewind" teilnehmen, bei dem sie an mehreren Arbeitsstationen jeweils Teile dafür von Mitarbeitern mit Handicap bekamen. Das Holzspielzeug, das durch Zwirbeln und Ziehen von Schnüren Windgeräusche erzeugt, konnte schließlich noch bunt angemalt und nach Hause mitgenommen werden.

Bei einem Adventsbasar konnten die Besucher in der Werkstatt gefertigte Artikel erwerben. Die hauseigene Kapelle "Augsfelder Blech" sorgte für die musikalische Unterhaltung und am Abend war eine spektakuläre Feuerjonglage-Show der Gruppe "Firlefanz" der Höhepunkt des Unterhaltungsangebotes.
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