Haßfurt
Prozess

Angeklagter brachte sich selbst in Teufels Küche

Das Amtsgericht in Haßfurt verhandelte einen Fall von Trunkenheit im Verkehr mit Unfallflucht.
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Fast wäre sein Einspruch gegen einen Strafbefehl für einen 33-Jährigen Arbeitslosen aus dem Maintal bei der Verhandlung am Mittwoch am Amtsgericht in Haßfurt nach hinten losgegangen. Am Ende nahm der Angeklagte seinen Einspruch zurück und erklärte sich bereit, die darin festgesetzte Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen zu 15 Euro (1350 Euro) zu zahlen.

Zuvor musste er sich jedoch noch eine Standpauke des Anklagevertreters Ilker Özalp anhören, der sich erst nach reiflicher Überlegung dazu entschieden hatte, für den achtfach Vorbestraften keine Haftstrafe zu beantragen. Der Hauptgrund, der die Stimmung bei Özalp ins Negative kippen ließ, war der, dass der Angeklagte das Gericht eine Stunde lang davon überzeugen wollte, dass er nicht mit 1,37 Promille intus im September vergangenen Jahres einen Unfall baute und danach das Weite suchte, obwohl alle Indizien gegen ihn sprachen.

Denn nach Aussage eines Polizeibeamten passten die Schäden am Fahrzeug des Angeklagten mit den Schäden am Auto des Geschädigten zusammen. Zudem wurden Splitter vom Scheinwerferglas des Autos des Angeklagten am Unfallort gefunden. Doch der gab vor Gericht an, er sei zum angeblichen Unfallzeitpunkt überhaupt nicht am Unfallort in Haßfurt gewesen, sondern in Wonfurt, wo er drei Holzpfosten umgefahren habe, wodurch die Schäden an seinem Fahrzeug stammen würden. Doch die Polizeibeamten fanden in Wonfurt keine beschädigten Holzpfosten, die der Angeklagte umgefahren haben wollte.

Darüber hinaus hörte ein Zeuge den Aufprall, als der Angeklagte in einer Rechtskurve nach links abkam und ein geparktes Auto rammte, und merkte sich das Kennzeichen des Unfallfahrzeugs, das dem Angeklagten gehört und nach eigener Aussage nur von ihm selbst gefahren wird. Ein weiteres Indiz für die Schuld des Angeklagten ist die Tatsache, dass der Unfallschaden in Höhe von rund 2500 Euro bereits von der Kfz-Haftpflichtversicherung des Angeklagten beglichen wurde.

Doch die erdrückenden Beweise ließen den 33-Jährigen kalt. Stattdessen gab er an, er habe erst nach dem Unfall in Wonfurt vier Bier plus Jägermeister getrunken und bot an, sich an einen Lügendetektor anschließen zu lassen. Ein medizinisches Gutachten widerlegte jedoch auch diese Behauptung, so dass Richterin Ilona Conver ihm nahelegte, keine Märchen zu erzählen und den Einspruch zurückzunehmen, denn sonst könne es noch schlimmer kommen.

Doch mittlerweile war sich Özalp nicht mehr sicher, ob er dem zustimmen solle oder ob eine höhere Strafe angemessen sei. "Sie haben in Ihrem Leben noch nichts auf die Reihe gebracht, haben acht Vorstrafen und bagatellisieren hier Ihre Tat. Ich möchte Sie hier nie mehr wiedersehen. Beim nächsten Mal werden Sie ein halbes Jahr weggesperrt", drohte er dem Angeklagten, der kleinlaut den Einspruch zurücknahm (der Strafbefehl wurde damit rechtskräftig) und gelobte, ein besserer Mensch zu werden. Übrigens: Das Bezahlen der Strafe dürfte für ihn schwierig werden. Denn seit dem Unfall ist er nach eigener Aussage nicht nur seinen Führerschein, sondern auch seinen Arbeitsplatz los.

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