Zeil am Main

Angeklagt der Hexerei - Forschungen in Zeil am Main

Die Historikerin Birke Grießhammer forschte zur Hexenverfolgung lange auch in Zeil. Ihre Ergebnisse über die brutalen Morde in Franken gibt es nun in einem Buch.
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Chronist Ludwig Leisentritt und Bürgermeister Thomas Stadelmann nahmen 2012 gerne die Gabe von Birke Grießhammer an (von links). Die Stellwände aus der Wanderausstellung verwahrt nun die Stadt Zeil. Foto: Archiv
Chronist Ludwig Leisentritt und Bürgermeister Thomas Stadelmann nahmen 2012 gerne die Gabe von Birke Grießhammer an (von links). Die Stellwände aus der Wanderausstellung verwahrt nun die Stadt Zeil. Foto: Archiv
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Ein Muss für alle, die sich für die fränkische Geschichte interessieren, ist sicherlich das Buch der Historikerin Birke Grießhammer. Sie hat sich intensiv mit der Hexenverfolgung - auch am Beispiel Zeil - beschäftigt. In Zeil erhellt das im November 2011 in Zeil eröffnete Hexendokumentationszentrum dieses dunkle Kapitel der Heimatgeschichte im Speziellen.

Brutale Prozesse

Vom 15. bis in Mitte des 17. Jahrhunderts fanden in Franken die brutalsten und häufigsten Prozesse wegen Hexerei und Ketzerei in Europa statt. Besonders in den Diözesen Würzburg, Bamberg, Eichstätt und in den Deutschordenskommenden Ellingen und Eschenbach sowie in einigen Städten wurden Tausende unschuldig als Hexen oder Hexer verfolgt.

In Zeil brachten die Inquisitoren zwischen 1616 und 1631 über 400 Menschen um. Birke Grießhammers Buch ist mit Bildern und Karten reich illustriert und stellt die Ereignisse an den Hinrichtungsorten genauer dar.
Grießhammer lenkt den Blick auf das Schicksal der Verfemten und ihre oft heldenhafte Standhaftigkeit in der Folter. Ihr Buch entreißt ein lange vernachlässigtes Geschichtskapitel dem Vergessen.

Politische Hintergründe

Der Leser erfährt vom Verlauf der Hexenverfolgung im Zeitraum von 1520 bis etwa 1635, von den politischen Hintergründen der Prozesse und den Opferzahlen. Die Autorin geht den Herrschaftsverhältnissen und den Motiven der Verfolger nach und beleuchtet Rechtsverfahren sowie Verhörmethoden. Fassungslos steht der Leser vor den Grausamkeiten, die in der Region stattfanden.

Augenmerk legt Grießhammer auf die Darstellung der Schicksale einiger Opfer, die aus Ellingen, Weißenburg, Nürnberg, Kronach, Bamberg, Zeil oder Coburg stammten. In zahlreichen Zitaten aus den Verhörprotokollen lässt sie die Angeklagten zu Wort kommen.

Einzelschicksale beleuchtet

Sie berichtet vom Schicksal der schwarzen Els, die im ersten großen Hexenprozess in Nürnberg im Jahr 1520 wegen angeblichem Liebeszauber in der Pegnitz ertränkt wurde oder von der mutigen Margareta Ramhold, die 1627 in Coburg auf dem Scheiterhaufen verbrannte, weil sie einen Centgrafen beleidigte. Birke Grießhammers bewegendes Werk leistet einen Beitrag zu einem dunklen, verdrängtem Kapitel der fränkischen Geschichte.

Birke Grießhammer erarbeitete als Leiterin des Stadtmuseums Erlangen 1985 eine Ausstellung zum Thema und mit der Gruppe "Raute" die Wanderausstellung "Hexenverfolgung in Franken", die bis 2002 unterwegs war - so im Jahr 2000 in Zeil. Die Stellwände dieser Schau verwahrt die Stadt Zeil. Grießhammer pflegt außerdem die Website www.hexen-franken.de
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