Zeil am Main
Drogenprozess

Amtsgericht muss über Gramm-Bruchteile entscheiden

Das Haßfurter Amtsgericht vertagte eine Rauschgift-Verhandlung, weil Fragen zu Menge der Substanz und Vorgehensweise der Polizei geklärt werden müssen.
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Mit den Rückständen von Cannabis, Amphetamin und Methamphetamin in der Blutbahn hat die Polizei am 7. Juni vergangenen Jahres gegen 23.30 Uhr abends eine 34-jährige Frau aus dem Maintal am Steuer ihres Autos in Zeil erwischt. Außerdem fanden die Beamten 0,1 Gramm Crystal in einem Druckverschlusstütchen, das die Frau in ihrem Geldbeutel aufbewahrte.

In der Folge erhielt sie neben einem Fahrverbot einen Strafbefehl, gegen den sie Einspruch einlegte und sich daher am Mittwoch am Amtsgericht Haßfurt in einem Strafprozess verantworten musste. Ihr Verteidiger Joachim Voigt sagte vor Gericht, dass sich der Einspruch nur auf den Besitz der Droge Crystal (Metamphetamin) begrenze. Es seien nur Anhaftungen an einem Tütchen gefunden worden, die nicht konsumierbar und kein strafbarer Besitz seien. Denn laut Strafgesetzbuch sei der Besitz für den Eigenbedarf erlaubt. Außerdem äußerte der Anwalt Zweifel an der Wiege-Methode der Beamten und fragte den ermittelnden Polizisten im Zeugenstand, ob die Waage überhaupt geeicht gewesen sei, was der Beamte bejahte.

Eine vom Verteidiger vorgeschlagene Einstellung des Verfahrens wollte der Staatsanwalt nicht mitmachen. "Crystal ist eine der härtesten Drogen überhaupt mit verheerenden Folgen für die Konsumenten", begründete der Jurist seine Ablehnung der Einstellung. Eine Konsumeinheit der Droge bestehe aus fünf bis 25 Milligramm. Die beschlagnahmte Menge von 0,1 Gramm sei umgerechnet 100 Milligramm und somit mindestens fünf Konsumeinheiten, sagte der Anklagevertreter.

Dies spiele bei einem Eigenkonsum, für die das Crystal bestimmt war, keine Rolle, sondern nur bei einem Handeltreiben, warf der Anwalt ein. Es müsse festgestellt werden, ob die Beamten nicht etwa das Tütchen mitgewogen hätten und ob die geringe Menge überhaupt konsumierbar sei. Die Hauptverhandlung wurde daher unterbrochen und auf den 28. Februar um 9 Uhr verschoben.



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