Haßfurt

Amtsgericht Haßfurt: Brutaler Schläger muss in Haft

Bei einem äußerst gewalttätigen Angriff gegen einen älteren Mann war ein 25-Jähriger zu weit gegangen und handelte sich vor dem Amtsgericht Haßfurt eine Gefängnisstrafe ein. Sein gleichaltriger Mittäter kam mit Bewährung davon.
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Das Amtsgericht in Haßfurt Foto: Flegel/Archiv
Das Amtsgericht in Haßfurt Foto: Flegel/Archiv
Diese Tat war so brutal ausgeführt, dass Richter Roland Wiltschka sich fragte, wie es überhaupt so weit kommen konnte: "Welche Hemmschwelle müssen Sie da überwinden, wenn Sie überhaupt eine haben?", fragte er den 25-jährigen Mann, den er soeben zu einem Jahr und zwei Monaten Gefängnis verurteilt hatte - ohne Bewährung.
Und auch für das Verhalten eines gleichaltrigen Mittäters hatte der Richter kein Verständnis: "Sie haben zwar nur einen untergeordneten Tatbeitrag geleistet. Aber Sie haben nicht abgelassen vom Opfer." Neun Monate Freiheitsstrafe bekam der andere junge Mann dafür aufgebrummt, ausgesetzt zur Bewährung. Außerdem muss er 3000 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zahlen. Die beiden Verurteilten sollen zudem die Kosten des Verfahrens sowie die Kosten der Nebenklage übernehmen.

Die zwei 25-Jährigen standen am gestrigen Freitag vor dem Amtsgericht in Haßfurt und wurden wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Sie hatten im August des vergangenen Jahres einen heute 61-jährigen Mann brutalst zusammengeschlagen.

Dem Opfer wurde eine volle Bierflasche auf dem Kopf zertrümmert, und als es am Boden lag, trat einer der Angreifer nach Ansicht des Gerichts "mit voller Wucht" immer wieder gegen den Kopf und den Brustkorb des wehrlosen Mannes. Außerdem erlitt dieser eine schwere Schnittverletzung im Gesicht. Noch dazu hat er bis heute Probleme mit dem Laufen und muss sich einer weiteren Operation unterziehen, weil sowohl sein Waden- als auch Schienbein gebrochen waren.

Gezielter Tritt oder Sturz?

Ob diese Verletzung gezielt durch einen Sprung eines Täters auf das Bein des Mannes verursacht wurde oder durch den Sturz während des Gerangels, konnte auch ein rechtsmedizinisches Gutachten nicht sicher klären. Somit war nicht klar, wer dem Mann diese schwere Verletzung zugefügt hatte. Für Richter Wiltschka jedoch stand fest, dass sie verursacht war "durch die Handlungsweisen der beiden Angeklagten". Glück nannte es der Vorsitzende, dass das 61-jährige Opfer keine lebensgefährlichen oder gar tödlichen Verletzungen erlitten hatte.
Zu dem Fall: Am 17. August des vergangenen Jahres hatten sich die beiden jungen Männer an einem Badesee im Landkreis getroffen, um gemeinsam zu feiern.

Beide hatten eigenen Angaben zufolge bereits reichlich Bier getrunken , als sie sich um kurz nach 22 Uhr dazu entschieden, nach Hause zu gehen. Etwa zur gleichen Zeit hatte sich das spätere Opfer auf den Weg gemacht, um an dem See zu kommen, den er mit weiteren Anglerfreunden gepachtet hat. Der 61-Jährige wollte dort nach dem Rechten sehen, weil ihn ein Bekannter darauf aufmerksam gemacht hatte, dass dort junge Leute ein Saufgelage veranstalten und ihren Müll überall ablagerten.

Als der Mann mit dem Auto auf der Zufahrtsstraße zum See entlang fuhr, sprang ihm seinen Angaben zufolge ein junger Mann vor den Wagen und "hat den Hampelmann gemacht". Den anderen Angeklagten hatte er wenige Meter zuvor schon auf der Straße gesehen. Der 61-Jährige hielt an stieg aus und rief: "Ihr seid wohl nicht ganz sauber. Wollt ihr überfahren werden?". Daraufhin habe er die beiden Männer nur schemenhaft in der Dunkelheit auf sich zukommen sehen. Kurz darauf habe ihn der Mann angegriffen, der zuvor vor sein Auto gesprungen war.

Attacke zunächst abgewehrt

"Es war aber kein Problem, ihm auszuweichen", sagte der 61-Jährige vor Gericht. Denn der junge Mann sei betrunken gewesen und habe keinen sicheren Stand gehabt. So drückte der 61-Jährige den Angreifer zu Boden und fixierte ihn. Als er ihn wieder loslassen wollte, habe der sich wieder heftig gewehrt. So über den 25-Jährigen gebeugt, hatte der 61-Jährige gegen den Angriff des zweiten jungen Mannes keine Chance: Von hinten zog der ihm eine Bierflasche über den Kopf. "Mir wurde kurz schwarz vor Augen", sagte er.

Intensiver Schmerz

Er erinnerte sich aber gut daran, dass er die Situation sehr schnell als sehr gefährlich erkannt hatte und sich deswegen zwang, aufmerksam zu bleiben. Er stand auf. In dieser Phase sprang ihn der erste Angreifer erneut an, diesmal allerdings konnte der 61-Jährige nicht mehr ausweichen und ging mit dem Angreifer zu Boden, der fortan auf ihm saß. Dann habe der 61-Jährige einen "intensiven Schmerz" im Bein gespürt. Von da an sei er nicht mehr in der Lage gewesen, Gegenwehr zu leisten.

Zudem sei er dann von der anderen Person, die nicht auf ihm saß, getreten worden: Zwei Serien heftigster Fußtritte ins Gesicht und in die Rippen seien auf ihn niedergeprasselt. Dem Richter konnte er genau sagen, welcher der beiden jungen Männer getreten hatte: Der mit den blonden Haaren sei es gewesen, da sei er sich ganz sicher, da der Mann mit den dunklen Haaren auf ihm gesessen habe. Vor dem Richter stellte es der Blondschopf aber anders dar: Er behauptete, sein Freund sei derjenige gewesen, der zugetreten hatte.

Er selbst habe sogar gesagt: "Es reicht jetzt". Damit kam der Blonde allerdings nicht durch: Ein weiterer Zeuge, der die beiden jungen Männer wenige Minuten vor der Attacke auf dem Zufahrtsweg zum See gesehen hatte, berichtete, dass der dunkelhaarige junge Mann "wie auf Eiern gelaufen" sei da er keine Schuhe getragen habe. Der andere dagegen hatte festes Schuhwerk an. Die Tritte waren aus rechtsmedizinischer Sicht aber nicht barfuß ausgeführt worden. Dass er mit der Flasche zugeschlagen hatte, die dabei zerbarst, gab der blondhaarige Täter zu, die Tritte jedoch nicht. Der Dunkelhaarige sagte, er könne sich an nichts erinnern.

Alkohol im Spiel

Für das Gericht stand fest, dass der bereits vorbestrafte Blondschopf auf brutalste Weise gehandelt hatte. Richter Roland Wiltschka wollte auch die starke Alkoholisierung des jungen Mannes nicht gelten lassen, obwohl der beteuerte, nüchtern hätte er so etwas niemals gemacht. Einer Gefängnisstrafe entkam er damit trotzdem nicht. Der Anwalt des 25-Jährigen, Tilman Fischer, war jedoch der Ansicht, die zum Tatzeitpunkt erhebliche Alkoholisierung seines Mandanten von etwa zwei Promille (die Polizei hatte bei einem Test knapp zwei Stunden nach der Tat 1,8 Promille festgestellt) hätte bei dem Urteil stärker berücksichtigt werden müssen. Vermutlich wird der junge Mann also vor dem Landgericht in Bamberg in Berufung gehen. Beide Urteile wegen gefährlicher Körperverletzung sind noch nicht rechtskräftig.

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