Fatschenbrunn
Biologie

Alte Obstbäume in Fatschenbrunn sollen überleben

Die Fatschenbrunner Flur hat einige Kostbarkeiten. Die seltenen Pflanzen sollen für die Zukunft gesichert werden. Bürger des Ortes, die Uni Bamberg und eine Baumschule wirken dabei mit, die besonderen Sorten für die Nachwelt zu erhalten.
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Beate Buglar, Franz Hümmer und Karl Stapf zeigen den beiden Arbeitern Markus Bünnagel und Michael Weiglein einer Baumschule aus Geesdorf (von links) an einem Pastorenbirnbaum, wie er richtig geschnitten werden muss. Der Baum gehört zu den seltenen alten Sorten. Foto: Lisa Kieslinger
Beate Buglar, Franz Hümmer und Karl Stapf zeigen den beiden Arbeitern Markus Bünnagel und Michael Weiglein einer Baumschule aus Geesdorf (von links) an einem Pastorenbirnbaum, wie er richtig geschnitten werden muss. Der Baum gehört zu den seltenen alten Sorten. Foto: Lisa Kieslinger
Das Dorf im Steigerwald ist bekannt für die Herstellung von Hutzeln. Schon auf den Viktualienmarkt in München hat es das gedörrte Obst aus Fatschenbrunn geschafft. Früher hat jeder der 25 Bauernhöfe in Fatschenbrunn Birnen oder Zwetschgen gedörrt. "Es wurden teilweise 1000 Kilogramm Birnen im Dorf verarbeitet", erzählt Franz Hümmer aus Fatschenbrunn. In den Kriegszeiten war das Hutzeln ein wichtiges wirtschaftliches Standbein des Dorfes. Die vielen Obstbäume im Dorf waren der Grund, warum gedörrtes Obst eine große Einnahmequelle werden konnte.

Heute gibt es in Fatschenbrunn nur noch zwei aktive Hutzel-Hersteller. Ein Grund dafür ist auch, dass es weniger Obstbäume gibt.

Interdisziplinäres Uniprojekt

Ein Forschungsprojekt der Universität Bamberg will diesem Trend jetzt entgegenwirken und damit seltene Lokalsorten der Obstbäume bewahren.

Beate Buglar, Biologin und Botanikern, weilt dafür momentan beruflich in Fatschenbrunn. "Wir haben hier einen wahren Schatz: Kleine Flurstücke mit unterschiedlichen Nutzungstypen wie im Mittelalter", erklärt die Biologin. Außergewöhnlich seien die Obstbäume, die mitten in Feldern zu finden sind. Daran erkenne man, dass in Fatschenbrunn früher eine Baumfelderwirtschaft betrieben wurde. "Dabei setzte man gezielt Obstbäume in Felder, um den Wind abzulenken und das Land doppelt zu nutzen", erklärt Beate Buglar.

Meisten Obstbäume der Region

Als eingefleischte Fatschenbrunner kennen Franz Hümmer und Karl Stapf den Ort wie ihre eigene Westentasche. Sie vermitteln zwischen Dorfbewohnern und Forschern und stehen Beate Buglar mit Rat und Tat zur Seite.

Insgesamt gibt es in Fatschenbrunn 600 Obstbäume. "Da muss man als Außenstehender erst einmal wissen, wo die alle stehen. Ohne die beiden wäre ich oft aufgeschmissen gewesen", erzählt Buglar. Die ältesten Bäume - 304 an der Zahl - werden von der Biologin und ihrem Team derzeit bearbeitet. Mit dem Ziel, dass sie für die Zukunft erhalten werden. Grund dafür ist unter anderem die geplante Flurbereinigung. Durch die Zusammenlegung und Neuverteilung der Flächen kann es passieren, dass die Obstbäume verschwinden. "Bei der Bewirtschaftung stehen die Bäume meist den großen Maschinen im Weg", sagt die Botanikerin.

Die meisten Fatschenbrunner wollen die alten Obstbäume zwar erhalten, aber sie wollen lieber auf Nummer sicher gehen. Denn das Fällen des Baumes bedeutet gleichzeitig, dass eine alte Lokalsorte komplett verschwindet.

Veredelung der Bäume

Damit das nicht passieren kann, soll die Sorte über sogenannte Reiser erhalten bleiben. Dafür werden Äste an den betroffenen Bäumen abgeschnitten. Wenn der Baum im Frühjahr neu austreibt, verschließt er die Wunde automatisch mit einem neuen Zweig, einem sogenannten Reiser. Dieser wird dann im August entnommen.
Um daraus einen neuen Baum züchten zu können, wird in den Reiser und in den Baumstamm ein Keil geschnitten, der Reiser in den Baumstamm hineingesteckt und festgebunden. Bis daraus ein richtiger Baum entsteht, können zwei Jahre vergehen. Mit dieser Methode werden die alten Sorten gesichert.

Projekt noch lange nicht am Ende

Das Forschungsprojekt der Universität Bamberg umfasst einiges mehr als die Rettung alter Lokalsorten. Begonnen hat alles mit einer Erkundungstour von Patrick Cassitti vom Lehrstuhl Archäologie der Universität Bamberg und seinen Studenten. Sie gingen über die frisch gepflügten Felder in Fatschenbrunn und analysierten die zum Vorschein gekommenen Bodenschätze. Sie fanden heraus, dass es das Dorf schon seit dem Mittelalter geben muss.

Dieses Ergebnis spornte Cassitti an, mehr über die geographische und biologische Geschichte des Dorfes zu erfahren. Deswegen plante er weitere Untersuchungen.

In Fatschenbrunn gibt es noch einiges zu tun. Einen Wunsch haben die Dorfbewohner auch: "Sie haben sich eine Art Lehrgarten gewünscht. Die alten Obstbäume, die wir hier nach der Veredelung wieder pflanzen, sollen Nummern bekommen. So kann jeder nachvollziehen, dass es sich hierbei um eine alte Sorte handelt", erklärt Beate Buglar.

"Man merkt, dass sich im Laufe des Projektes das Bewusstsein für die Erhaltung alter Obstsorten bei den Dorfbewohnern verstärkt hat", erzählt Franz Hümmer. Fatschenbrunn ist das Pilotprojekt in diese Richtung. "Ziel ist es, dieses Projekt auch auf andere Dörfer auszustrahlen", so Beate Buglar.
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