Gädheim
Bauprojekt

Alles neu macht der Main

600 000 Tonnen Material bewegt das Wasserstraßen-Neubauamt bei Gädheim. Mit dem Ergebnis, dass der Fluss hinterher fast wieder genauso aussieht wie vorher. Für die Kapitäne wird trotzdem vieles anders und leichter.
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Kein Schlag ins Wasser: Für den Ausbau der Fahrrinne in der Vertikalen wird schweres schwimmendes Gerät eingesetzt. Fotos: Günter Flegel
Kein Schlag ins Wasser: Für den Ausbau der Fahrrinne in der Vertikalen wird schweres schwimmendes Gerät eingesetzt. Fotos: Günter Flegel
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Die Frage ist gemein, deswegen wird sie erst gar nicht gestellt: Was macht ein Neubauamt, wenn alles neu gebaut ist? Sich selbst auflösen? Im Falle des Mains und des Wasserstraßen-Neubauamtes in Aschaffenburg ist die Antwort auf die gemeine Frage einfach. Wenn alles neu gebaut ist, fängt man einfach wieder von vorne an, den die Instandhaltung eines Flusses ist eine wahre Sisyphos-Aufgabe. Fertig wird man da nie.

Ortstermin in Schweinfurt, Hafengelände. Hier baut das Neubauamt: eine Straße. Nahe am Wasser zwar, aber eben doch keine Wasserstraße. "Das ist der neue Umschlagplatz für den Mainausbau in der Stauhaltung Schweinfurt", sagt Elmar Wilde, der kommissarische Leiter der Bundesbehörde, die im unterfränkischen Aschaffenburg einen von sieben Amtssitzen hat.

Der Main und seine Kurven

Als Stauhaltung bezeichnet man auf einem Fluss, den Schleusen regulieren, den Bereich vor dem Stauwerk, flussauf oder bergwärts gesehen. Folglich bezeichnet Stauhaltung Schweinfurt den Bereich des Mains von Schweinfurt bis Ottendorf, die Stauhaltung Ottendorf erstreckt sich bis Knetzgau und so weiter.

Und Umschlagplatz? Das ist eine Schlüsselstelle für den Mainausbau, der im Bereich Gädheim (Landkreis Haßberge) und auf der anderen Seite Untereuerheim (Landkreis Schweinfurt) läuft. "Gut 600 000 Tonnen Material werden bewegt", sagt Wilde. Das ist so viel, weil der Main dort noch das macht, was er früher auf ganzer Länge tun durfte: Er schlängelt sich. Die Kurven sind zu einem Hindernis für die moderne XL-Schifffahrt geworden. Deshalb der Mainausbau: Der Fluss soll tiefer und, wo nötig, auch breiter werden.

Neue Brücke muss her

Nötig ist es bei Gädheim, und hier stehen dem Güterverkehr mit 185 Meter langen Koppelverbänden gleich zwei Hindernisse im Weg: eine enge Kurve und ein Fußgängersteg, der der Ortschaften im Landkreis Haßberge (Norden) und Schweinfurt (Süden) verbindet. Für beide Probleme hat das Neubauamt Lösungen: Der Steg wird in den nächsten fünf Jahren neu gebaut (als Seilbrücke). Die fehlende Breite und Tiefe des Flusses sind die Sache der Bagger, die mit Riesenschaufeln zu Lande und zu Wasser wegschaffen, was stört. An dieser Stelle beginnt die Baustellen-Logistik, und die ist hochkomplex, auch wenn das Meiste, was die Maschinen aus dem Wasser holen, via Umschlagplatz am Ende wieder im Wasser landet.

Kaum Scahdstoffe

Wie das? "Der Aushub aus diesem Bereich des Mains ist zum allergrößten Teil nicht oder nur minimal mit Schadstoffen belastet", erklärt Wilde. Das wird akribisch untersucht, selbst nach Altlasten aus dem Krieg suchen die Wasserstraßen-Neubauer - sogar mit Tauchern, wenn alle Technik versagt.

Der Main-Aushub wird verwendet, um ehemalige Kiesgruben rund um Schweinfurt zu verfüllen. Da die in der Regel nur per Lkw zu erreichen sind, hat das Wasserstraßen-Amt den Umschlagplatz samt Straße in Schweinfurt gebaut/bauen lassen. Siehste: Es gibt immer etwas, was man neu bauen kann!

Kommentar

Fluss im Fluss

s ist ein Spagat: Der Transport von Gütern auf Schiene und Wasser ist unbestritten ökologisch (und vielfach auch ökonomisch) günstiger als ein weiteres Anwachsen der Blechlawine auf den Straßen.

Doch gerade mehr Schiff ist nicht ohne Eingriffe zu haben. Romantische Vorstellungen vom gluckernden Wasser im lauschigen Auwald lassen sich nicht mit Tonnagen und Lieferfristen unter einen Hut bringen. Der Mainausbau ist ein Kompromiss, hier und da sicher schmerzhaft, aber vernünftig, weil nur das Notwendige getan wird, um moderne Schifffahrt zu ermöglichen, weil die Eingriffe kompensiert, neue grüne Inseln geschaffen werden. Und irgendwie machen die Schiffe den Main ja auch schön. Sie bringen die weite Welt nach Franken ...



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