Ebern
Diskussionsrunde  

Aiwanger zu Gast am Eberner Gymnasium

Der Spitzenpolitiker der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, stellte sich in der Reihe "Politik trifft Bildung" den Fragen der Eberner Gymnasiasten. Die Schüler erleben einen Politiker mit Ausstrahlung und rhetorischem Talent - aber auch mit Stacheln.
Artikel drucken Artikel einbetten
Hubert Aiwanger hat am Gymnasium in Ebern auf einem roten Sessel Platz genommen und hat den Schülern die Ansichten seiner Partei erklärt: "Politiker sind keine Menschen vom Mars und jeder kann da was werden."
Hubert Aiwanger hat am Gymnasium in Ebern auf einem roten Sessel Platz genommen und hat den Schülern die Ansichten seiner Partei erklärt: "Politiker sind keine Menschen vom Mars und jeder kann da was werden."
+7 Bilder
"Ich bin begeistert von den rhetorischen Fähigkeiten", sagt Tim Sprenger, legt das Mikrofon auf dem Moderationstisch ab, schüttelt Hubert Aiwanger die Hand und übergibt ihm einen kleinen Kaktus: "Für ihre stachelige Art."

Das ist keine Szene aus einer Politiktalkshow in ARD oder ZDF. Sondern direkt bei den Menschen vor Ort, wie es der Protagonist am liebsten hat: Hubert Aiwanger, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Bayerischen Landtag, hat sich am Freitag Friedrich-Rückert-Gymnasium in Ebern ein kleines Stelldichein gegeben und mit den Schülern der Q12 Politik gemacht.

Die Veranstaltungsreihe "Politik trifft Bildung" dient nicht als Werbeplattform für die differenten politischen Fahrtrichtungen. Im Gegenteil. Den Schülern soll Politik näher gebracht werden, "in dem sie zum einen Politik und Politiker hautnah erleben, und zum andern auch ins Gespräch mit den handelnden Personen unserer Demokratie kommen können", stellt Lehrer Daniel Heß heraus.

Gast am Gymnasium in Ebern waren in dieser Reihe schon Dorothee Bär (CSU), Markus Rinderspacher (SPD), Wolfgang Heubisch (FDP) sowie Hans-Josef Fell (Bündnis90/Die Grünen). Denn: "Unterschiedliche Parteien und Konzepte" sind dabei genauso wichtig.

Junges Publikum

Selbst zur Wahlurne gegangen sind die wenigsten aus Hubert Aiwangers Publikum in Ebern, dafür sind die meisten der Gymnasiasten noch zu jung. Ab 2017 steht der deutschen Bevölkerung wieder ein Wahlmarathon bevor. "Spätestens dann werden die meisten von Ihnen wählen und vielleicht auch einige kandidieren", erhofft sich Aiwanger von den jungen Menschen.

Seine Meinung von der heutigen Jugend ist eindeutig positiv: "Sie liegen den Eltern nicht auf der Tasche und sind auch nicht faul", sagt der Landtagsabgeordnete Aiwanger, "sie sind sehr darauf bedacht, etwas zu werden. Manchmal sitzt ihnen die Sorge, beruflich nicht vorwärts zu kommen, ganz schön im Nacken."

Annafried Schmidt und Tim Sprenger haben den Politik-Talk mit Hubert Aiwanger moderiert. Sein Name war ihnen geläufig: durch das G9-Volksbegehren und den von den Freien Wählern angezettelten Vergleich von Seehofer mit Putin. Mehr Infos über seine Person und die Partei zogen sich die beiden aus dem Internet. Überhaupt: Wenn es um Politik geht, dann spielt für Annafried Schmidt und Tim Sprenger das weltweite digitale Netz die größte Rolle: "Seltener lese ich Zeitung. Ich informiere mich fast ausschließlich über das Internet, besonders durch die Spiegel-Website und die Handyapp", erläutert Tim Sprenger.

Ideologische Frage

Und gerade wenn es die beiden persönlich betrifft, dann kümmern sie sich verstärkt um die Demokratie und ihre Akteure. Somit war klar, dass Hubert Aiwanger zum dreigliedrigen Schulsystem Stellung nehmen musste. Das sei eine ideologische Frage für ihn. "Wir Freien Wähler wollen im bestehenden System das retten, was zu retten ist." Die Mittel: kleinere Klassen, mehr Lehrer, kurze Weg. Also eine gezieltere Zusammenarbeit zwischen den Schultypen. Und: "Es soll keine Kriegsentscheidung mehr sein, auf welche Schule das Kind nach der vierten Klasse geht."

Bildung sieht Aiwanger als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe an: "Dann muss dafür also auch Geld da sein." Woanders einsparen, wäre seine Devise. Was ihm bei seiner Arbeit weniger gefällt? "Das wir noch nicht an der Regierung sind."

Wie im Märchen

Schulleiter Klauspeter Schmidt bezeichnet Hubert Aiwanger als den "Prinz der Freien Wähler". Im Jahr 2006 habe er sie aus dem "Dornröschenschlaf" geweckt und bereits zwei Jahre später in den Landtag geführt. Und bei all der Arbeit spitze er auch gerne mal zu, um "Schlagzeilen zu machen." Beispielsweise als "fleischgewordener Alptraum der CSU". Den Zweck nennt Aiwanger selbst: "Dass die einige schlaflose Nächte vor der nächsten Wahl haben, ist durchaus mein Ziel."

"Bankrotterklärung"

Der Politiker spricht über die Lobbyisten und ihre Gefahr für die Demokratie und positioniert sich klar in Sachen Flüchtlingspolitik: "Jeder Flüchtling, der bei uns ankommt, ist ein Zeichen von nichtfunktionierender Politik unter unserer Mitwirkung. Wir müssen die Humanität dort retten, wo die Probleme sind." Die derzeitige Situation bezeichnet er als "politische Bankrotterklärung".
Der Landes- und Bundesvorsitzende der Freien Wähler spricht schnell und mit viel Inhalt. Eloquent dargeboten und mit zahlreichen bildhaften Vergleichen gespickt. Unterhaltend war sein Auftritt, und nebenher hat er, nicht nur einmal die Schüler zum Lachen gebracht.
"Alle politischen Inhalte hat er so rüber gebracht, dass man sie auch versteht. Das hat mir wirklich sehr gut gefallen", sagt die Schülerin Annafried Schmidt nach der Veranstaltung. Und lässt Aiwanger andere Meinungen zu? "Er fasst sie auf", überlegt Schmidt, "und widerlegt sie dann mit seinen Argumenten. Das bringt einen dann schon zum Nachdenken." Aiwanger hat die Politik und ihre Zugangshürden für die Jugendlichen "aufgedröselt" und deutlich gemacht, dass Politiker "keine Menschen vom Mars" sind.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren