Reckendorf
Dekanatsrat

Abschied vom Kirchturmdenken

Der strukturelle Wandel in der Diözese Würzburg schreitet voran. Im neuen katholischen Dekanat Ebern und Haßfurt sind die Ansätze vielversprechend. Bei einer Tagung in Reckendorf ging es um den aktuellen Dialogprozess des Bistums.
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Die Silhouette von Ebern. Links der Turm der Stadtpfarrkirche, rechts der Pfarrgartenturm. Foto: Eckehard Kiesewetter
Die Silhouette von Ebern. Links der Turm der Stadtpfarrkirche, rechts der Pfarrgartenturm. Foto: Eckehard Kiesewetter
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An der Schnittstelle des Landkreises Haßberge und des Landkreises Bamberg tagten die Dekanatsräte Haßberge. Monika Albert, Referentin für den Dialogprozess des Bistums, berichtete über den Dialogprozess in der Diözese. Von den insgesamt 9000 Angaben, die insgesamt eingingen, seien allein 1000 aus dem Dekanat Haßberge gekommen, das nach dem Zusammenschluss der Dekanate Ebern und Haßfurt eines der 20 Dekanate des Bistums Würzburg ist.

Ihr Vortrag mit Zahlen, Daten, Fakten machte erkennbar, dass die Menschen zunehmend eine Distanz der Kirche zur ihrer Lebenswirklichkeit sehen. Die Nähe zum Menschen gehe durch die Veränderung der Gesellschaft zunehmend verloren.

Durchaus eine Chance

Sehr unterschiedlich werden die Pfarreiengemeinschaften gesehen.
Während einige die Veränderungen, etwa auch die geringere Zahl von Gottesdiensten, bedauern, sehen andere die Zusammenarbeit auf größerer Ebene als Chance, neue Dinge auszuprobieren. Gerade zu Glaubensweitergabe und Spiritualität sieht Monika Albert aus den Rückmeldungen ein großes Engagement vor Ort. Da steche der ländliche Raum deutlich hervor.

Der Bereich "Personal" und dessen Entlastung war vielen Befragten auf Diözesan- wie auf Dekanatsebene ein wichtiges Thema. Die Zahl der Eucharistiefeiern ist aufgrund des Priestermangels im Dekanat rückläufig.

Attraktive Formen

Sehr deutlich wird in den Rückmeldungen, dass sich die Christen ind en Haßbergen keine Illusion bezüglich der Ausstattung mit hauptamtlichem Personal machen. Wort-Gottes-Feiern würden erfreulicherweise als Bereicherung gesehen, berichtete Albert. Zudem gebe es liturgische Formen wie Sinnzeit, Nacht der Lichter, Friedenslicht, Bibelturm, Kreuzwege oder Weggottesdienste.
Bedeutender wird der Personalmangel als solches bewertet: So fiel das Wort, "Gemeinde ist dort, wo die Christen sind, nicht wo der Pfarrer wohnt". Die Ehrenamtlichen in den Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften fühlen sich überlastet, das stimme mit dem Ergebnis auf Bistumsebene überein. Hier brauche es mehr Wertschätzung, sowohl von hauptamtlicher Seite, als auch aus der Gemeinde. Die Forderung wurde laut, dass der Mensch stärker im Mittelpunkt stehen müsse.

Halbzeitbilanz

Die Dekanatsratsvorsitzende Klaudia Schwarz zog eine positive Halbzeitbilanz über die Arbeit im Dekanatsrat nach der Fusion der Altdekanate Haßfurt und Ebern: Vor Bildung der Pfarreiengemeinschaften seien die Dekanate die verbindende Spange der Gemeinden vor Ort, gewesen. Der Dekanatsrat fungiere als Gremium zur Koordinierung der ehrenamtlichen Arbeit. Durch die neuen Pfarreiengemeinschaften sei eine neue Ebene eingezogen worden, die ihrerseits bündelnd wirke. Als Erstes habe sich der Dekanatsrat die die Ministrantenarbeit auf die Agenda geschrieben. Ein Schulungsangebot für Ministranten-Betreuer wurde erarbeitet und umgesetzt.

Die Fragestellung im Dialogprozess lautete zunächst: "Was brauchen wir in unserem Dekanat für die inhaltliche Weiterentwicklung der Seelsorge in unseren Pfarreiengemeinschaften und wie kann uns die Diözese dabei helfen?" Später ging es um das Thema "Über unseren Glauben sprechen", das im Februar in einem Arbeitstreffen noch konkreter angepackt werden soll. Interessierte treffen sich dazu am 18. Februar in Reckendorf oder am 21.Februar in Wonfurt. Ein weiteres wichtiges Thema "Jugend" soll am 5. Februar in einer Vollversammlung des Dekanatsrates und der Seelsorger diskutiert werden.
Schwarz zeigte sich mit den ersten Ergebnissen sehr zufrieden. Der Dekanatsrat biete nicht nur allgemeine Bildungsthemen für die Delegierten an, sondern gebe konkret Handlungsimpulse für die Pfarreiengemeinschaften.

Gute Vorsätze

Die Kommunikation unter den Mitgliedern über die Pfarreienforen bis in die Pfarrgemeinden soll effektiver werden. Gemeinsam mit Dekan Stefan Gessner will die Vorstandschaft außerdem die Wahrnehmung der Kirche in den Haßbergen als "Kirche für die Menschen" noch verbessern. Gerade werde darüber diskutiert, wie ein Dekanatskirchentag dazu ein Signal sein könnte, berichtete Schwarz.
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