Der in Eschenau lebende Künstler Hermann de Vries ist international hoch geschätzt. In Augsburg lebt der aus Würzburg stammende Künstler Horst Ziegler. 2007, erinnerte Galeristin Eleonore Schmidts-Stumpf bei der Vernissage, zeigten die Ausstellungsmacher "Pflanzenwelten" im Schloss Oberschwappach; darunter waren auch Werke dieser beiden Künstler. "Zieglers Arbeiten fanden das Interesse von Herman de Vries, und so stellte er eine potenzielle Zusammenarbeit in Aussicht", erklärte die Galeristin. "Diesen Gedanken haben wir nun in die Tat umgesetzt unter dem Titel "de vries und ziegler - neue arbeiten".


Seelenverwandtschaft



Während Herman de Vries die Natur in ihrer ursprünglichen Form in einer auf Papier "gebannten" Form dokumentiert, schafft Horst Ziegler in seinen Objekten eine "Natur neben der Natur". Beide verbinde, so der Galerist Egon Stumpf, eine Art Seelenverwandtschaft, die sich in der Liebe zur Natur widerspiegle.

Egon Stumpf führte aus: "Jede Zeit hat ihre künstlerische Ausdrucksformen. Da unsere Zeit von der Wissenschaft geprägt ist, nehmen wir die Welt durch wissenschaftliche Methoden wahr. Doch die wissenschaftlichen Aussagen sind durch ihre Methodik begrenzt. Sie brauchen eine künstlerische Aufarbeitung. Weil Herman de Vries die wissenschaftlichen Methoden in sein künstlerisches Schaffen integriert hat - und da war er der erste überhaupt - ist er von so großer Bedeutung."

Er zeigt in seinen Werken Naturelemente wie Steine, Pflanzen, ein präpariertes Pilzgeflecht, Aschenausreibungen von einem Sonnwendfeuer in Michelau oder Erde, die er in der Heimat oder auf Reisen gesammelt hat. Die Natur ist seines Erachtens "unsere Wirklichkeit und der Ursprung aller Dinge, ein Prozess der Verwandlung, wobei aus dem Vergangenen etwas Neues hervorgeht." Ein Teil der 60 Bilder mit Wintervegetation beweist, wie reich die Welt auch im Winter ist.


Lebendig, tänzerisch, gestisch



Horst Ziegler, der die Welt aus der Sicht des Fotografen betrachtet, geht ganz anders mit der Natur um. In Eschenau werden nicht seine Fotografien, sondern einige seiner Objekte gezeigt. "Mich interessiert vor allem die vertrocknete Natur", erzählte er. "Wie verändert sich zum Beispiel ein Schilfrohr, wenn es trocknet, wenn sich die Blätter im Absterbeprozess einrollen und geradezu ‚lebendig, tänzerisch, gestisch‘ wirken und in eine andere Richtung wachsen." Er möchte die Wahrnehmung des Betrachters schärfen und gibt Pflanzen eine neue Struktur und spielerische Ordnung. So stellt er Grannen des Flughafers in "Wahrnehmungskästchen" aus Glas in Reih und Glied, schneidet Blätter einer Schwarzpappel in kleine Quadrate, klebt sie Stoß auf Stoß wieder aneinander und hängt sie in einem gläsernen Kasten auf oder installiert Flugsamen in einer geometrischen Form. "Dabei entsteht ein lebendiger Eindruck des Getrockneten von eigener ästhetischer Bedeutung", so Horst Ziegler. Seine Fotos werden in einer Ausstellung im kommenden Jahr in Eschenau gezeigt, teilte Eleonore Schmidts-Stumpf mit.

Bürgermeister Stefan Paulus (CWG/SPD) freute sich, "mit welcher Fantasie und Kreativität Kunstwerke geschaffen werden können". Er sei der Familie Stumpf sehr dankbar, dass sie so hervorragende Ausstellungen konzipiere und sich für die Menschen in der Region mit solch großem künstlerischem Engagement einsetze.