Laden...
Zeil am Main
Wirtschaft

Zeiler Küchenhersteller "Allmilmö" meldet Insolvenz an

Der Zeiler Küchenhersteller steht offenbar vor dem Aus. Das Amtsgericht in Bamberg hat eine vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Eingang zum Werksgelände der Firma Allmilmö (Zeiler Möbelwerk) in Zeil. Seit vergangenen Freitag läuft ein Insolvenzverfahren, Löhne und Gehälter der Beschäftigen sind laut Insolvenzverwaltung bis Ende April gesichert.  Foto: Andreas Lösch
Der Eingang zum Werksgelände der Firma Allmilmö (Zeiler Möbelwerk) in Zeil. Seit vergangenen Freitag läuft ein Insolvenzverfahren, Löhne und Gehälter der Beschäftigen sind laut Insolvenzverwaltung bis Ende April gesichert. Foto: Andreas Lösch
+1 Bild
Knapp über 20 Jahre nach der ersten Rettung des international bekannten Zeiler Küchenherstellers "Allmilmö" steht die Firma erneut vor dem Ende. Die "La-Cour"-Holding mit Sitz in Schweinfurt, die 1996 das zahlungsunfähige "Milewski Möbelwerk" übernahm und das neu gegründete "Zeiler Möbelwerk" wieder in die Gewinnzone führte, hat beim Amtsgericht in Bamberg Insolvenz angemeldet.

Wie die Direktorin des Amtsgerichts, Gudrun Göller, auf Anfrage erklärte, ist am vergangenen Freitag eine "vorläufige Insolvenzverwaltung" angeordnet worden. "Es wird nun geprüft, ob die Firma wirklich zahlungsunfähig ist", sagte sie. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde der Nürnberger Rechtsanwalt Hubert Ampferl eingesetzt, der das vor dem Aus stehende Unternehmen nun genauer unter die Lupe nehmen und ein Gutachten erstellen soll. Dies werde sechs bis acht Wochen dauern, erklärte Göller.

Wie die Kanzlei von Hubert Ampferl, "Dr. Beck & Partner", mitteilt, haben die Hersteller der Premiumküchen "Allmilmö", "Zeyko" und "Nolff" Insolvenzantrag gestellt. "Die Geschäftsbetriebe laufen nahtlos weiter. Alle Gesellschaften wollen die Möglichkeiten des Insolvenzrechts zur Sanierung aktiv nutzen", heißt es in einer Pressemitteilung vom Montag.


Geschäftsbetrieb geht weiter

"Die Insolvenzantragstellung hat keine Auswirkungen auf den laufenden Geschäftsbetrieb", betonte Ampferl, der noch am Freitag die Arbeit vor Ort aufgenommen hat. "Grund für die jetzige Situation war ein immer schwierigeres Wettbewerbsumfeld mit stetig steigendem Kostendruck", erklärte der Geschäftsführer Johannes la Cour. Die weiteren Unternehmen der La-Cour-Gruppe seien nicht von der Insolvenz betroffen.

Weiter teilt die Kanzlei mit, dass die Belegschaft "im Rahmen von Betriebsversammlungen an den verschiedenen Produktionsstandorten in Zeil am Main, Mönchweiler und Murrhardt" über die Lage informiert werde. "Die Löhne und Gehälter der rund 300 Beschäftigten sind über das Insolvenzgeld bis Ende April gesichert." Im Zeiler Möbelwerk waren zuletzt knapp 200 Mitarbeiter beschäftigt.

Kunden und Lieferanten würden kurzfristig informiert. "Alle Aufträge und neuen Bestellungen werden weiterhin in der gewohnten Qualität und Zuverlässigkeit ausgeführt. Bereits in wenigen Tagen werden wie geplant Kundenbesuche aus China und Japan stattfinden", heißt es in der Pressemitteilung. In den nächsten Wochen wird der vorläufige Insolvenzverwalter gemeinsam mit der Geschäftsleitung eine Sanierungslösung erarbeiten, "um die Geschäftsbetriebe als Ganzes und damit die Arbeitsplätze zu erhalten". Diese soll bis 1. Mai umgesetzt sein.
Zu den Sanierungschancen führt Ampferl aus, dass "auf Grund des hohen technischen Know-Hows der Mitarbeiter und der Innovativität" die Unternehmen sowohl für "strategische als auch für Finanzinvestoren" äußerst attraktiv sind.


Stadelmann: "Schwerer Schlag"

Die Nachricht von der Insolvenz der Zeiler Möbelwerke empfindet Bürgermeister Thomas Stadelmann (SPD) als "einen Schock. Das trifft mich ins Herz", gestand er am Montag auf Anfrage unserer Zeitung. Zumal er 17 Jahre selbst in dem Unternehmen gearbeitet hatte.

Am Faschingsfreitag hatte er erstmals von der Insolvenz-Meldung gehört. Dieses Datum erinnerte Thomas Stadelmann, wie er schilderte, daran, dass auch an einem Faschingsfreitag vor 21 Jahren die Mitarbeiter damals über den Konkurs des Unternehmens informiert worden waren.

Stadelmann kennt sehr viele Leute im Betrieb, teilweise aus der Zeit, als er selbst noch dort tätig war. Er weiß nicht, was nun kommt oder geplant ist, was mit den knapp 200 Mitarbeitern dort geschieht und mit den großen Hallen. Gibt es einen weiteren Neuanfang?, fragt er sich.

"Fakt ist", sagte Stadelmann, dass es "ein schwerer Schlag" für die Stadt sei. Die Zeiler Möbelwerke seien nach wie vor einer der größten Arbeitgeber in der Stadt. Der Bürgermeister wusste, dass es in dem Unternehmen in den vergangenen Jahren immer mal wieder auf und ab ging. Zuletzt, im Herbst, hatte er die Information, dass es aufwärts geht. Diese Hoffnung habe sich nun nicht bewahrheitet, bedauert Thomas Stadelmann.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren