Es fällt kein böses Wort, keine Vorwürfe, es gibt weder Pfiffe noch Buh-Rufe. Der letzte Arbeitstag bei der Firma Vetter ist ein stiller Tag. "Wenn ich dran denke, dass sich die Tür für mich jetzt für immer schließt, dann habe ich schon einen Kloß im Hals", sagt Andreas Griebel, einer der 56 Vetterianer, die am Donnerstag ihre Sachen packen mussten.


"Eine Reihe von Gründen"



Feierabend, Schichtende. Im englischen Dartford, in der Zentrale des Mutterkonzerns Laing O'Rourke, ist man keinen Millimeter von der Absicht abgewichen, die Niederlassung in Eltmann Ende Juni aufzugeben. "Es gibt eine Reihe von Gründen für uns, in dieser Weise tätig zu werden", sagte noch am Mittwoch Matthew Moth, ein Sprecher von O'Rourke, auf Anfrage.
"Dazu zählen die Verluste bei Vetter, die in den letzten Jahren aufgelaufen sind, und die Tatsache, dass die Verarbeitung von Natursteinen nicht mehr zum Kern unseres Geschäftsfeldes gehört."

Vor drei Monaten konfrontierte O'Rourke die Mitarbeiter bei Vetter mit der schlechten Nachricht. Die Reaktion war anfänglich eine Mischung aus Wut und Enttäuschung, die schließlich in Galgenhumor mündete. "Irgendwie muss man sich ja mit dem Unvermeidbaren arrangieren", sagte Griebel am Donnerstag. Anders als bei einem Insolvenzverfahren ließ der Entschluss in Dartford keinen Spielraum für einen Kampf um die Arbeitsplätze. O'Rourke hatte das in Konkurs gegangene Steinwerk Vetter 2001 übernommen. Mit damals 145 Mitarbeitern versuchte der englische Baukonzern einen Neuanfang, und der ließ sich gut an.


"Tolles Betriebsklima"



"Jeder hat bei den Engländern mehr verdient als vorher", sagt der Betriebsleiter Michael Stahl. "Wir hatten sichere Arbeitsplätze und ein tolles Betriebsklima, bis zuletzt", ergänzt Andreas Griebel, der seit 1995 bei Vetter war. Und Vorarbeiter Manuel Plontasch lässt mehr als ein gutes Haar an den Chefs in England: "Sie haben uns fair behandelt. Es gibt einen Sozialplan und ordentliche Abfindungen, niemand fällt in ein Loch."

Tatsächlich haben nach Auskunft des Betriebsratsvorsitzenden Artur Sperber mehr als 30 der zuletzt 62 Vetter-Mitarbeiter eine neue Stelle gefunden. "Im Handwerk werden derzeit Leute gesucht und auch in den Verwaltungen der Betriebe in der Region. Viele von uns sind untergekommen", sagt er.


Laufen Gespräche?



Gänzlich verwaist ist überdies auch das Vetter-Werk nach dem 30. Juni nicht. Es gibt ein Team von sechs Mitarbeitern, die die letzten Aufträge abwickelt, zudem einige Werksrentner, die bis November bleiben werden.
Gehen dann alle Lichter aus bei Vetter, enden 147 Jahre Firmengeschichte und zehn Jahrhunderte Steinmetz-Tradition in Eltmann?

Einiges spricht dafür, manches dagegen. "Ich weiß, dass Gespräche gelaufen sind", sagt Eltmanns Bürgermeister Michael Ziegler (CSU), der Landrat Rudolf Handwerker (CSU) und das Wirtschaftsministerium eingeschaltet hatte, um das Aus für Vetter abzuwenden. "Ich weiß aber nicht, was aus den Gesprächen wurde."

Näheres ist auch in Dartford nicht zu erfahren, aber der O'Rourke-Sprecher Moth stößt das Hintertürchen ein Stückchen weiter auf als zuletzt: "Wir sind nach wie vor an Gesprächen mit ernsthaften Interessenten hinsichtlich des Unternehmensverkaufs interessiert."


Ein Schnäppchen



Umgekehrt könnte ein Werk, das den Großteil seiner Mitarbeiter "entsorgt" hat, für einen potenziellen Käufer eher ein Schnäppchen sein als ein Betrieb mit voller Besatzung. "Wenn man ehrlich ist: O'Rourke hat 2001 alle Vetter-Mitarbeiter mit allen Rechten und Pflichten übernommen. Das würde heute keiner mehr machen", sagt Plontasch. Vielleicht gibt es also doch ein Wiedersehen bei Vetter.