Eltmann
Jahreswechsel

Worauf es an Silvester zu achten gilt

In der Silvesternacht werden nicht nur die Korken, sondern auch jede Menge Böller und Raketen knallen. Bei unsachgemäßem Umgang kann es gefährlich werden, warnt die Polizei.
Artikel drucken Artikel einbetten
Für Paolo Zanette (links) aus Eltmann gehört Feuerwerk zum Jahreswechsel einfach dazu. Walter Naumann vom Eisenwarengeschäft "Karl Oppelt" erklärt ihm, worauf es besonders zu achten gilt.  Foto: Marian Hamacher
Für Paolo Zanette (links) aus Eltmann gehört Feuerwerk zum Jahreswechsel einfach dazu. Walter Naumann vom Eisenwarengeschäft "Karl Oppelt" erklärt ihm, worauf es besonders zu achten gilt. Foto: Marian Hamacher
(Bitte beachten Sie dazu auch den anhängenden Kommentar von Klaus Schmitt)

Gelbe und weiße Feuerwerks-Palmen hüllen die beiden Türme der über 120 Jahre alten Kettenbrücke in ein sanftes Licht. Eine Silvester-Impression wie sie schöner wohl kaum sein kann. Wer sich nun gedanklich im Landkreis auf die Suche nach einem solchen Bauwerk macht, dürfte vergeblich in den Erinnerungen kramen.
Zu sehen ist es zwar in Eltmann - allerdings nur auf der Verpackung des Systemfeuerwerks "London". In fingergroßen Lettern steht der Name der britischen Hauptstadt unter dem malerischen Bild der Tower Bridge. "Der Trend geht immer mehr zu solchen Feuerwerksbatterien", erzählt Walter Naumann unserer Zeitung.


Unzuverlässige Böller

Seit Dienstag durften Feuerwerksartikel für drei Tage wieder über die Ladentheke gereicht werden. Der Leiter des Eltmanner Eisenwarengeschäfts "Karl Oppelt" hatte daher ordentlich zu tun. Genaue Zahlen möchte er allerdings nicht nennen. Gefragt sei das gesamte Sortiment, einer bestimmten Personen- oder Altersgruppe könne er daher keine besondere Vorliebe für eine spezielle Form der Pyrotechnik zuordnen.

Am Bild der mit Böllern durch die nächtlichen Straßen ziehenden Jugendlichen hat sich offenbar zumindest in Eltmann etwas geändert. "Auch die greifen immer mehr zu den Batterien", sagt Walter Naumann. "Da ist das Interesse an Böllern etwas abgeflacht."

Siegbert Weinkauf würde es sicherlich freuen. Sinkt das Interesse an den legalen Silvester-Knallern, dürfte wohl auch das Interesse an den aus Polen oder Tschechien eingeführten Böllern weniger werden. Der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Ebern warnt jedenfalls eindringlich, diese Art Feuerwerkskörper zu verwenden. "In Deutschland werden sie als Sprengstoff eingestuft", erklärt Weinkauf. "Die können hochgefährlich sein. Ich hoffe, dass davon keine im Umlauf sind. Man sollte auf jeden Fall die Finger davon lassen." Sonst könne es passieren, dass an einer Hand plötzlich welche fehlen. Denn die Zünder funktionieren selten zuverlässig. Wer dennoch im Besitz solcher Böller ist, muss mit einer Anzeige rechnen.

Schon die erlaubten Feuerwerkskörper führen nach Angaben des Polizeipräsidiums Unterfrankens jedes Jahr aufs Neue zu schweren Verletzungen. Entweder, weil sie in der Hand explodieren oder in eine Menschenmenge geschossen werden. Verwendet werden soll lediglich Feuerwerk, das das Bundesamt für Materialprüfung (BAM) zugelassen hat.

Zu erkennen ist es an einer entsprechenden Kennzeichnung oder einer CE-Zertifizierungsnummer. Die Kennzeichnung setzt sich aus dem Kürzel "BAM-P" sowie der Nummer der Kategorie, in die die Pyrotechnik eingeteilt wurde, zusammen. Boden- und Tischfeuerwerk oder Wunderkerzen dürfen auch an Personen unter 18 Jahren verkauft werden und zählen als Kleinstfeuerwerk zur Kategorie I. Auf die Buchstaben "s" und "t" muss in der zweiten Kategorie verzichtet werden. Als Kleinfeuerwerk werden dort alle gängigen Raketen, Feuertöpfe, Knaller und Fontänen zusammengefasst, die nur von Volljährigen erworben werden dürfen. "Man sollte auf sich und andere auf jeden Fall aufpassen", rät Joachim Wolf, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Haßfurt. Da es in den Silvester-Nächten der vergangenen Jahre meist ruhig blieb, hofft er, dass der Jahreswechsel auch diesmal keine Ausnahme wird.


Alkohol spielt eine Rolle

Dem Zufall überlassen möchte allerdings weder die Polizei in Haßfurt noch in Ebern etwas. "Wir werden genug Personal vorhalten", sagt Wolf. Werden die Beamten gerufen, bekommen sie es vornehmlich mit Auseinandersetzungen oder Feuerwerk-Vorfällen zu tun. Gerade Alkohol spiele dabei eine Rolle, weiß Kathrin Thamm von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Unterfranken mit.

Entweder komme es durch die enthemmende Wirkung zu Körperverletzungen und Sachbeschädigungen oder Personen gerieten in eine hilflose Lage. Insbesondere Jugendliche sind in den Silvesternächten der vergangenen Jahre häufig stark alkoholisiert aufgefallen und mussten teilweise wegen einer Alkoholvergiftung in Kliniken betreut werden. Die Polizei appelliert an alle Eltern, den Alkoholkonsum ihrer Sprösslinge im Blick zu haben.
In Ebern rechnet Weinkauf mit eher harmlosen Einsätzen: "Die Bevölkerung war bei uns in den vergangenen Jahren sehr vernünftig. Da muss man ein großes Lob aussprechen." Womöglich werde es die eine oder andere Ruhestörung geben. "Wir werden es aber nicht so eng sehen wie während des Jahres, wenn nachts um zwei oder drei Uhr noch geknallt wird", sagt Weinkauf. Sollte es allerdings vor Altersheimen oder Krankenhäusern knallen, werde die Streife aufklären und mahnende Worte finden. Denn erlaubt ist der Feuerwerk-Spaß dort nicht.

Walter Naumann wird hingegen weder Böller noch ein Systemfeuerwerk anzünden. "Das habe ich früher gemacht", sagt er. "Jetzt schaue ich lieber zu."


Dazu im Folgenden ein Kommentar von Klaus Schmitt:


Braucht's die Knallerei?

A lle Jahre zum Ende hin stellt sich die gleiche Frage: Soll man in den Geldbeutel greifen und Bares ausgeben für die Silvester- und Neujahrsknallerei? Das Geld im wahrsten Sinne des Wortes verpulvern für ein Minutenspektakel, das man ohnehin nicht verpasst, weil andere genügend Raketen in den Himmel schießen und Batterien von Knallern, Fontänen und Blitzen abfeuern?

Millionen fließen jedes Jahr in die Knallerei. Das ist Geld, das gut an anderer Stelle zu gebrauchen wäre. Es gibt genügend Not, die mit dem Geld gelindert werden kann. Überall auf der Welt werden Mittel benötigt, die viel Gutes erreichen können. Und der Flüchtlingsstrom macht auch vor Ort deutlich, dass jeder in seiner nächsten Umgebung helfen kann. Das Geld muss nicht sinnlos verballert werden.

Außerdem lässt die Knallerei die Tierwelt verrückt spielen. Die Rauchschwaden sind nicht unbedingt ein Hinweis dafür, dass die Menschen die Zeichen der Zeit erkannt haben, die ein Mehr an Umwelt- und Klimaschutz anmahnen. Also: Die Knallerei muss nicht sein, sagt einem die Vernunft.

Aber, muss man stets vernünftig sein? Der Jahreswechsel ist immer ein Anlass, einen Blick zurückzuwerfen und nach vorne zu schauen. Die Menschen wünschen sich gegenseitig das Beste für das neue Jahr, und sie begrüßen mit einer gewissen Spannung und Hoffnung die kommenden zwölf Monate. Und warum sollen die nicht mit viel Lärm und Leuchtspektakel begonnen werden. Die Knallerei ist Tradition. Sie würde fehlen, wenn sie ausbliebe.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren