Bundorf
Fernsehen

Wo die Idylle noch intakt ist

Das ZDF dreht derzeit in Bundorf. Der Gemeinde in den Haßbergen ist es bislang gelungen, der Entvölkerung der Provinz entgegenzuwirken.
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Sie renovieren gerade an allen Ecken und Enden: Monika Grabski und Sebastian Oppel (hinten) erzählen dem Filmteam von der Herausforderung, der sie sich gestellt haben. Vorne rechts steht der Bundorfer Bürgermeister Hubert Endres. Foto: MariaLöffler
Sie renovieren gerade an allen Ecken und Enden: Monika Grabski und Sebastian Oppel (hinten) erzählen dem Filmteam von der Herausforderung, der sie sich gestellt haben. Vorne rechts steht der Bundorfer Bürgermeister Hubert Endres. Foto: MariaLöffler
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"Entmenschte" Gebiete neu zu bevölkern, genau das hat sich die Hofheimer Allianz auf die Fahne geschrieben. Und der Erfolg bleibt nicht aus, ist jetzt sogar bis nach Mainz gedrungen. Das Zweite Deutsche Fernsehen wurde auf die Initiative aufmerksam und schickte ein Kamerateam nach Bundorf. Der "Länderspiegel" wird entweder an diesem oder am darauf folgenden Samstag in einer kurzen Reportage über das Thema berichten.

"Wir hatten gar keinen besonderen Anlass für diese Berichterstattung", sagt die Redakteurin Astrid Delgado. "Uns interessiert das Thema an sich." Und das wiederum freut Bundorfs umtriebigen Bürgermeister Hubert Endres: "Seit Mitte 2009 haben wir schon 64 Leerstände beseitigt", erzählt er nicht ohne Stolz. Er begleitet das Kamerateam und die Redakteurin zur einzigen Dorfbäckerei, die von Anja Hübner-Schilling und ihrem Mann betrieben wird. Hier werden unter anderem die "Zugeraastn, Reigschlaaftn und Reischmecktn", die es mittlerweile auch aus dem Ausland in das ländliche Idyll verschlagen hat, von der ZDF-Redakteurin interviewt.

Dabei stellt sich heraus, es sind hauptsächlich Familien mit Kleinkindern, die Ruhe und Natur zu schätzen wissen. "Unser Haus war relativ billig und wir bekamen auch noch Zuschüsse", erklärt beispielsweise Stefanie Quast, ein ehemalige Stadtkind aus den neuen Bundesländern. Und weil sie schon mal dabei ist, zählt sie gleich weitere Vorzüge auf: "Hier gibt es viele junge Menschen, einen guten Zusammenhalt, die Kinder können auf der Straße spielen und jeder kennt jeden."

Astrid Delgado hakt nach: "Das klingt ja alles märchenhaft. Aber es gibt doch sicher auch Nachteile...?" Darüber muss die junge Frau gar nicht lange nachdenken: "Man braucht halt immer ein Auto." Andere sprechen von einem liebenswerten und gepflegten Dorf, in dem das Vereinsleben noch intakt sei.


"Wir ziehen an einem Strang"

Und was sagt der Bürgermeister zu so viel Lob aus seiner Bevölkerung? "Bei uns gibt es einfach kein Kirchturmdenken mehr. Wir ziehen alle an einem Strang, haben Erfolg und deshalb läuft es auch so gut." Glaubt man Endres, dann scheint das Prinzip tatsächlich reibungslos zu funktionieren. Leer stehende Häuser werden in Zeitungen und im Internet zum Verkauf angeboten. Der Preis sei dabei ausschlaggebend, meint Endres, denn es müsse ja auch noch einiges investiert werden. Aber auch dabei lasse man die Käufer nicht im Regen stehen. "Wir händigen zum Beispiel eine Liste mit Handwerksbetrieben aus und helfen, wo wir können."

Und dann führt er das Filmteam zum 3000-Quadratmeter-Hof von Monika Grabski und Sebastian Oppel. Die beiden wohnen seit etwa vier Monaten in Bundorf und haben das Anwesen von einem älteren Mann erworben, der ins Altenheim gezogen ist. Jetzt sanieren sie an allen Ecken und Enden. "So eine gute Nachbarschaft habe ich noch nie erlebt", schwärmt die junge Frau, die trotz der großen Aufgabe, der sie sich gegenübersieht, froh und glücklich über den Kauf des Anwesens ist. "Wir haben hier alle unser neues Zuhause gefunden."

Und weil Hubert Endres an den Erfolg seines Konzeptes glaubt, hat er auch dafür gesorgt, dass die wirre Adressensucherei in den Bundorfer Gemeinden ein Ende hat. Seit kurzem gibt es hier nämlich etwas, das in anderen Gemeinden längst gang und gäbe ist: Straßennamen. "Die Bürger durften sich die Namen selbst aussuchen. Voraussetzung war aber, dass man sich die Adresse leicht merken kann. Abenteuerliche Bezeichnungen wie ,Zum Schlagloch' haben es dann aber doch nicht bis in die Endrunde geschafft", schmunzelt Endres. "Und eine Hundsgasse wollten wir auch nicht, weil es in dieser Straße ja gar keine Hunde mehr gibt."

Apropos Straßen... "Stimmt es, dass die Leute hier bremsen, wenn sie Ihr Auto erkennen?" "Das stimmt", gibt der Bürgermeister lachend zu. "Hier weiß jeder, dass ich eine ,Rechts-vor-Links-Schwäche' habe."
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