Hofheim i. UFr.
Leidenschaft

Wie ein Phoenix aus der Asche

Trommler aus dem ganzen Landkreis bilden eine neue Samba-Band. Die "Bateria Caliente" trägt den Symbolvogel im Wappen. Die Musiker sind nicht nur zur Faschingszeit Feuer und Flamme für die heißen Rhythmen.
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Es geht rund: Viel Spaß haben die Musiker bei ihrer Probe im ehemaligen Lagerraum einer Hofheimer Besenfabrik.  Foto: Peter Schmieder
Es geht rund: Viel Spaß haben die Musiker bei ihrer Probe im ehemaligen Lagerraum einer Hofheimer Besenfabrik. Foto: Peter Schmieder
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Donnerstagabends wird es laut in einem ehemaligen Lagerraum einer Hofheimer Besenfabrik. Denn dann proben dort die 22 Musiker von "Bateria Caliente". Der Begriff "Bateria" steht in Brasilien für eine Samba-Band, "caliente" bedeutet "heiß". Der Name ist Programm, denn auch im kalten Deutschland heizen die Musiker mit ihren Samba-Rhythmen richtig ein.

Angefangen hatte alles mit dem HCC Hofheim. Vom Hofheimer Carnevalsclub kam eine Anfrage an Christian Sennfelder, in der Hofheimer Karnevalssitzung einmal mit einer Bateria aufzutreten. "Am 14. Januar 2014 hat sich die Gruppe zusammengefunden", erzählt er. Zuvor hatte Sennfelder bereits einiges an Erfahrung in dieser Musikrichtung gesammelt.

Bereits vor zehn Jahren hatte er in Hofheim eine Samba-Gruppe gegründet, damals als eine Abteilung des Spielmannszugs. "Die hat sich aber schnell wieder aufgelöst, weil alle zum Studium in verschiedene Richtungen mussten", erzählt er.


Der Samba lässt ihn nicht los

Seit 2008 gehört der heute 29-Jährige der Schweinfurter Gruppe "Os Peixes Do Samba" an. Die eigene Gruppe, die er nun in Hofheim hat, war eigentlich nur als einmalige Aktion für den Auftritt an Fasching gedacht. "Aber die Leute waren beim ersten Auftritt begeistert, wir haben gleich an dem Abend zwei neue Mitglieder gewonnen", berichtet er. So bestand die Gruppe weiter, seit 2015 ist "Bateria Caliente" auch offiziell ein eingetragener Verein, Christian Sennfelder ist Vorsitzender. Die Mitglieder kommen aus verschiedenen Orten im Landkreis Haßberge sowie auch aus dem Nachbarlandkreis Schweinfurt.


Der Mann vom Fach

Als musikalischer Leiter ist Bastian "Basti" Klauer dabei. Der Zeiler hatte seine Samba-Karriere 2006 bei "Samba Areia" aus Sand begonnen, der anderen großen Samba-Gruppe, die es neben "Bateria Caliente" im Landkreis Haßberge gibt. Dort stieg er zum "Mestre" auf, einer Art Dirigent für Samba-Gruppen. Es folgten Workshops und Kontakte zu anderen Musikern. "Von da bin ich in die internationale Samba-Szene reingerutscht", erzählt er. Mittlerweile spielt Klauer bei "Bloco X", einer Formation, die als "beste Samba-Gruppe Europas" bezeichnet wird, "weil sie sich aus jeder Gruppe die Besten raussucht." Eigentlich hatte er bis dahin die Einstellung: "Ich spiele einmal bei Bloco X mit, und dann höre ich auf mit Samba." Denn danach hätte, so dachte er damals, keine Steigerung mehr kommen können. Doch damit ging es bei ihm erst los. Mittlerweile gibt er Kurse und Workshops und ist Anleiter für Samba-Gruppen, auch im Ausland. Auf diese Art kam er schon nach Paris, Wien, Rom oder Novi Sad. Sein nächstes großes Ziel ist es, einmal beim Karneval in Rio in Brasilien mitzulaufen.


Da waren es schon zwei...

Nach der Anfrage an Christian Sennfelder, ob er nicht für die Hofheimer Faschingssitzung eine Samba-Formation auf die Beine stellen könnte, fragte dieser zuerst bei Basti Klauer an und konnte ihn für das Projekt gewinnen. An ihren Probenraum im Lager einer Besenfabrik kamen sie durch ihr Bandmitglied Toni Urbanski, dessen Eltern die Fabrik gehört.

"Wir haben uns den Raum gemütlich eingerichtet", sagt Christian Sennfelder. An der Wand hängen unter anderem eine brasilianische Flagge und ein Banner mit dem Bandlogo von "Bateria Caliente". Dieses stellt einen Phoenix dar. "Den verbindet man ja mit Feuer", erklären die Musiker. Das Logo steht also auch für den Bandnamen und die heißen Rhythmen. Entworfen hat es ein Freund von Basti Klauer, der Künstler Matti, der selbst Samba-Spieler ist. Mittlerweile tragen die Trommler dieses Logo auch bei ihren Auftritten als Aufdruck auf ihrer Kleidung.

Im Probenraum lagern die verschiedenen Instrumente, die für die südamerikanische Musik gebraucht werden. Die "Surdo" ist eine Basstrommel, die den "Herzschlag" des Samba liefert. Ein heller Ton kommt vom "Tamborim", außerdem gibt es "Chocalhos", die ein rasselndes Geräusch machen. Die "Caixa" sorgt für einen treibenden Rhythmus, und schließlich gibt es noch die "Repinique", das kommandogebende Instrument. "Damit startet man den Samba", beschreibt Sennfelder deren Aufgabe.


Es gibt feine Unterschiede

Samba ist nicht gleich Samba. Wie viele andere Musikstile teilen sich auch die brasilianischen Trommelrhythmen in verschiedene Stilrichtungen. "Bateria Caliente" halten sich dabei vor allem an die Stile "Batucada" und "Samba-Reggae".
Neben den Musikern gehören die "Porta Bandera", eine Fahnenträgerin, und "Rainha de Bateria", also die Tänzerinnen, dazu. Diese begleiten die Gruppe allerdings nicht bei jedem Auftritt. Obwohl es "Bateria Caliente" noch nicht lange gibt, hat die Gruppe bereits einige größere Auftritte gespielt. So waren sie bereits beim renommierten Samba-Festival in Coburg vertreten, wo sie auch im kommenden Jahr wieder dabei sind.


Jede Menge Termine

Außerdem spielten sie unter anderem auf der Bamberger Sandkerwa, dem Schweinfurter Stadtfest, am Brombachsee oder bei der Marathon-Veranstaltung "Ladies Run" der Deutschen Post in Leipzig und in Nürnberg. Hier werden sie auch 2016 wieder dabei sein.
Daneben gibt es Auftritte auf Privatveranstaltungen, von der Hochzeit bis zur Firmenfeier. Stolz sind die Musiker auch auf ein Treffen mit No-Angels-Sängerin Lucy Diakovska, die sich nach dem Auftritt beim "Ladies Run" in Leipzig mit ihnen fotografieren ließ und die Gruppe besonders lobte.


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