Zeil am Main
Medizin

Wenn der Haßberge-Arzt im Internet benotet wird

Immer mehr Ärzte werden im Internet bewertet. Dabei können Patienten Zensuren für unterschiedliche Kategorien vergeben und persönliche Erfahrungen teilen. Muss sich der Arzt von heute überlegen, was morgen im Netz stehen könnte?
Artikel drucken Artikel einbetten
Wenn man online in einem Bewertungsportal Ärzte in Zeil sucht, erscheint unter anderem auch die Praxis von Volker Panitz.  Foto: Sarah Dann
Wenn man online in einem Bewertungsportal Ärzte in Zeil sucht, erscheint unter anderem auch die Praxis von Volker Panitz. Foto: Sarah Dann
"Ein toller Familienarzt. Wir gehen gerne hin, er arbeitet genau und ist sehr kompetent. Leider ist die Wartezeit oft zu lange...", schreibt beispielsweise ein Patient von Zahnarzt Volker Panitz aus Zeil auf einem Online-Bewertungsportal. Panitz ist einer der Ärzte, die Jameda als Plattform nutzen, um ihre Praxis vorzustellen.

Er hat sich ein Premium-Profil angelegt. Nicht als Homepage-Ersatz, sondern zusätzlich, denn "die Patienten müssen einen ja erstmal finden", erklärt Panitz, der Online-Portale zwar nicht als ein "Muss" bezeichnet, aber eher der Meinung ist, dass der Arzt von Heute sich nicht mehr nur auf ursprüngliche Mund-zu-Mund-Propaganda verlassen sollte.

Gerade weil er sich als Zahnarzt auf bestimmte Bereiche spezialisiert hat, findet er das Portal "seriös" und "hilfreich - für Arzt und Patient". Seine Kernkompetenz ist "Diagnostik und Behandlung der CMD-Erkrankung", so steht es in seinem Profil. Der Zeiler Arzt weiß, dass nicht jeder mit Beschwerden der Kaumuskulatur oder des Kiefergelenks auf Anhieb weiß, wie der Fachbegriff lautet. Deshalb ist es gar nicht so einfach, die richtigen Stichworte in die Informationstexte einzubauen.


Ärzte geben viel preis

Neben Information geht es bei Arztempfehlungen im Internet vor allem um Noten in Kategorien wie Vertrauensverhältnis, Freundlichkeit oder Behandlung, die ein Patient - wie früher der Lehrer in der Schule - vergeben kann. "Das ist auch eine Waffe, die ein Patient da hat", findet Volker Panitz. Vier Leute haben ihn seit 2010 bewertet, Durchschnittsnote 1,7. Kein schlechtes Ergebnis für ihn.

Aber er weiß - auch von Kollegen -, wie schnell es gehen kann, dass ein Statement den eigentlich guten Ruf negativ beeinflusst: "Als Patient kommt man wohl nicht unbedingt auf die Idee, eine Bewertung zu schreiben, wenn man zufrieden war", schätzt Panitz. Seine Patienten auffordern, darum bitten, eine Bewertung abzugeben, würde er trotzdem nicht. Panitz ist generell gegen Werbung in den Praxisräumen, gezielte Informationen findet er allerdings sinnvoll.

Immerhin bieten mittlerweile auch Krankenkassen auf ihrer Internetseite die Möglichkeit, Ärzte öffentlich zu bewerten. Unterstützen sollen diese Portale die Patienten auf der Suche nach einem geeigneten Arzt. Gleichzeitig versprechen sich die Krankenkassen dadurch, dass Ärzte die Behandlungsqualität verbessern, weil sie jederzeit damit rechnen müssen, anonym bewertet zu werden.


Auf andere Patienten verlassen

"Zahnarzt, Bamberg, Angstpatient" - diese Begriffe hat Paul Maier vor Jahren in eine Suchmaschine eingegeben. Mehrere Jahre war er damals nicht mehr beim Zahnarzt gewesen. Paul Maier heißt eigentlich gar nicht so, möchte mit seiner Krankengeschichte aber lieber anonym bleiben. Mittlerweile geht er wieder halbjährlich zum Kontrolltermin. Für diese Termine fährt er von Bamberg nach Memmelsdorf (Oberfranken). Über einen Wechsel denkt er nicht nach, auch wenn er Zeit und Benzin sparen könnte.

Damals waren es Bewertungen, die ihn nach Memmelsdorf geführt haben: "Nicht nur Noten, sondern auch längere Kommentare von Patienten", erinnert sich Maier waren für seinen ersten Termin nach Jahren ausschlaggebend. Selbst wer heute - Jahre später - im Netz nach diesen Begriffen sucht, bekommt als fünften Treffer seinen Zahnarzt vorgeschlagen. Sicherlich auch, weil der Arzt sich wie Volker Panitz auf der Online-Bewertungsseite ein eigenes Profil angelegt hat und "Angstpatienten" zu seinen Behandlungsschwerpunkten zählt.


Suchfunktion richtig einstellen

Insgesamt 392 000 Menschen haben laut eigenen Angaben von Jameda 2014 in Deutschland einen Kommentar über ihren Arzt auf diesem Portal veröffentlicht. Obwohl immer mehr Ärzte in Bewertungsportalen zu finden sind, warnt die Stiftung Warentest davor, zu viel von dem Ergebnis - egal ob Arzt- oder Restaurantsuche - zu halten.


Richter entscheiden sich pro Bewertungsportale

In jedem Fall sollte der Nutzer die Suchergebnisse nach der Anzahl der Bewertungen sortieren. Und auf besonders viele Details achten. Ein "echter" Patient kann genau formulieren, was ihm gefallen oder eben auch gestört hat. Und das ganz ohne dabei Marketingbegriffe zu verwenden. Auch wenn Bewertungsportale keine Garantie für seriöse und objektive Einschätzungen bieten, nehmen sie durchaus Einfluss auf den Verbraucher.

Auch in den Augen des Bundesgerichtshofs leistet die Arzt-empfehlung einen Beitrag im Rahmen der freien Arztwahl. Erst im September 2014 stärkte ein Urteil die Position von Arzt-empfehlungen. Hintergrund war die Klage eines Münchner Gynäkologen, der die Löschung seines Profils gefordert hatte. Die Richter wiesen die Klage mit der Begründung ab, dass es ein "Interesse der Öffentlichkeit an Informationen über ärztliche Leistungen" gebe. Neugierig, was andere über jemanden oder etwas denken, kann man schon sein - ein eigenes Bild sollte man sich aber wohl trotzdem immer noch machen. Schließlich tickt jeder Patient irgendwie anders.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren