Welche Eltern wissen das nicht? Kinder sind eine echte Herausforderung. Wenn das zur Überforderung wird und Erziehungsberechtigte an ihre Grenzen stoßen, sollten sie Hilfe annehmen.

Starke Erziehungskompetenz


Im Landkreis Haßberge sorgt die Koordinierende Kinderbetreuung (Koki) dafür, dass ein vertrauliches Informationsnetzwerk funktioniert. Es ist am Jugendamt (Landratsamt angesiedelt). Da für die Erziehung in erster Linie die Eltern zuständig sind, so Gold, sei es wichtig, ihre Erziehungskompetenz frühzeitig zu stärken. "Es geht nicht darum, Eltern ihre Kinder wegzunehmen."
Gleichwohl müsse das Jugendamt intervenieren, wenn Kinder massiv vernachlässigt oder misshandelt werden. "Der Erziehungsvorrang endet dort, wo das Kindeswohl gefährdet ist", stellte die Ministerialrätin klar. Bei einer ernsthaften Gefahr für das Kind seien Ärzte oder Hebammen verpflichtet, unverzüglich das Jugendamt zu informieren. Dem stunden auch Schweigepflicht und Datenschutz nicht entgegen.
"Kinderschutz geht uns alle an", unterstrich Landrat Rudolf Handwerker (CSU). Bevor es zur Verwahrlosung komme, gebe es Anzeichen im Dorf und der Gemeinde, im Verein, im Kindergarten, in der Arztpraxis oder in der Schule. Wenn die Fachstellen frühzeitig informiert würden, könne oft Schlimmeres verhindert werden.
Im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigte Christiane Seidel von der Schwangerenberatung am Gesundheitsamt, dass gerade junge Mütter "dankbar sind, wenn sie an einem Säuglingspflegekurs teilnehmen können oder Informationen kriegen, wie eine gute Kinderbetreuung organisiert werden kann". Finanzielle, unbürokratische Hilfen in Notlagen leiste für bedürftige Personen die bayerische Landesstiftung für Mutter und Kind, erzählte Seidel. Wenn es im Einzelfall erforderlich sei, werde kurzfristig Schwangerenbekleidung, Kinderbett oder auch eine Waschmaschine finanziert.
Zeichen dafür, dass ein Kind dauerhaft leide, erkennen Erzieherinnen im Kindergarten am Verhalten. Wenn Buben etwa ständig hochaggressiv sind oder Mädchen scheu werden und sich in ihr Schneckenhaus zurückziehen, sprechen Sandra Bauer und Sabrina Schneeberger vom Caritas-Kindergarten in Zeil mit den Eltern. Sie berichten von einem Fall, dass ein Kind über Monate die selben Kleider trug.

Gegen den Willen der Eltern?


Ähnliche Erfahrungen macht Karin Hofmann vom Diakonie-Kindergarten in Lendershausen. Meistens nähmen betroffene Familien die Unterstützungsangebote gerne an, manche aber blockten strikt ab. "Gegen den Willen der Eltern unternehmen wir nur dann etwas, wenn das Wohl des Kindes massiv gefährdet ist", beschreibt die Pädagogin ihre Strategie.
In der Regel immer dann, wenn das Kind schon tief in den Brunnen gefallen ist, müssen Familiengerichte aktiv werden. Das Sorgerecht darf den Eltern nur entzogen werden, wenn keine anderen Maßnahmen mehr greifen - als letztes Mittel.
Das war 2009 deutschland mehr als 12 200 Mal der Fall. Angeregt meistens durch Polizei oder Jugendamt, in 27 Prozent der Fälle durch die Jugendlichen selbst und nur bei einem Zehntel durch Lehrer, Ärzte oder Nachbarn. Im Haßbergekreis selbst gab es im vergangenen Jahr 18 gerichtliche Anträge.