LKR Haßberge
Eisunfälle

Wasserwacht Haßberge warnt: Dünnes Eis ist lebensgefährlich

Die Rot-Kreuz-Wasserwacht Haßberge warnt davor, auf Eisflächen zu gehen. Auch wenn auf einigen Seen noch eine Eisschicht zu sehen ist, sollte sie nicht betreten werden. Der plötzliche Temperaturanstieg lässt das Eis schnell dünn werden.
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Sobald jemand ins Eis eingebrochen ist, muss unter 112 ein Notruf abgesetzt werden. Die Wasserwacht-Retter können Verunglückten helfen und sie aus der Not befreien.  Foto: Wasserwacht
Sobald jemand ins Eis eingebrochen ist, muss unter 112 ein Notruf abgesetzt werden. Die Wasserwacht-Retter können Verunglückten helfen und sie aus der Not befreien. Foto: Wasserwacht
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Die gute Nachricht vorneweg: Im vergangenen Jahr 2015 gab es keine Eisunfälle in der Region, wie Stefan Dems von der Integrierten Leitstelle in Schweinfurt berichtet. "Einzig vor einer Woche ist bei Gerolzhofen eine Dame am Rand eines Sees eingebrochen, als sie ihren Hund holen wollte. Sie wurde aber gleich von Bekannten herausgezogen", schilderte er.

Genau vor dieser Gefahr, ins Eis einzubrechen, und sei es nur am Ufer, warnt die Wasserwacht des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) Haßberge. Zwar habe der kürzliche Temperatursturz dazu geführt, dass sich auf einigen Seen eine Eisschicht gebildet hat. Die Wasserwacht aber weist darauf hin, dass die entstandenen Eisflächen derzeit zu dünn sind. "Es besteht Lebensgefahr", betont Michael Will, der Sprecher des BRK Haßberge.


Zehn Zentimeter dicke Eisschicht

Damit Eis eine Person mit 75 Kilogramm Körpergewicht tragen kann, muss es mindestens zehn Zentimeter dick sein, wissen die Fachleute der Wasserwacht. Für kleinere Personengruppen sollten es 15 Zentimeter sein. "Damit das Eis so dick wird, braucht es einige richtig kalte Tage", erklärt Petra Schmitt, Vorsitzende der Kreiswasserwacht Haßberge. Doch auch wenn das Eis am Rand dick genug ist, heißt das nicht, dass es überall Menschen tragen kann. "Warme Strömungen unter dem Eis sind von außen nicht sichtbar und können gefährlich dünne Eisstellen erzeugen."

Warme Strömungen können das Eis schmelzen lassen. Andererseits ist das Wasser so kalt, dass es für den Menschen schnell lebensbedrohlich werden kann. "Wer ins Eis einbricht, verliert bei den niedrigen Wassertemperaturen schnell das Bewusstsein und läuft so Gefahr zu ertrinken", warnt Schmitt. Deshalb der Rat: "Eisflächen auf natürlichen Gewässern sollte man besser meiden und zum Schlittschuhlaufen lieber auf eine Eislaufbahn" gehen.

Die Kreiswasserwacht musste in den zurückliegenden fünf Jahren zu keinem Ernstfall ausrücken, der durch ins Eis eingebrochene Personen begründet war, teilt Matthias Benkert, Ausbilder für Fließwasserretter und Rettungsassistent, von der Wasserwacht in Haßfurt mit. "Zum Glück gab es in den letzten Jahren für unsere Wasserwacht-Teams keinen Einsatz dieser Art im Landkreis Haßberge."


Vernunft und Vorwissen

Das führt er unter anderem darauf zurück, dass die Wasserwacht immer wieder vor den besonderen Gefahren auf dünnem und nicht tragfähigem Eis warnt. Und ebenso auf die Vernunft der Mitbürger, die Seen und Gewässer solange nicht betreten, bis Eisflächen wirklich dick und tragfähig sind.

Wer dennoch ins Eis einbricht, sollte unbedingt laut um Hilfe rufen. Wichtig sei zudem, in jedem Fall zu vermeiden, unter das Eis zu geraten. Um möglichst wenig Körpertemperatur zu verlieren, sollte sich die betroffene Person so wenig wie möglich bewegen.


Hilfsmittel zur Rettung suchen

Wer Zeuge eines solchen Unfalls wird, sollte nach den Worten von Petra Schmitt sofort Hilfe holen über die Notrufnummer 112. Dass potenzielle Hilfs- und Rettungseinsätze gelingen, dafür üben die Retter der Wasserwacht immer wieder Ernstfälle. Nach Angaben von Matthias Benkert werden Einsrettungs-übungen und Eistauchgänge, beispielsweise am Baggersee bei Horhausen, durchgeführt. "So können wir uns für Einsätze fit halten und immer wieder neue Szenarien üben." Um Verunglückten im Ernstfall schnell helfen zu können, steht der Wasserwacht auch ein spezieller Eisrettungsschlitten zur Verfügung, mit dem sich die Retter einem ins Eis Eingebrochenen ohne Gefahren nähern können.


Beruhigen und absichern

Zeugen sollten, nachdem sie die Notrufnummer angerufen haben, die eingebrochene Person beruhigen und mit Hilfe von Gegenständen wie einem Rettungsring oder einer Leiter - beides ist an manchen Seen am Uferbereich vorhanden - absichern. Sind diese nicht zu sehen, sollten Äste, Abschleppseile oder ähnliche Gegenstände zu Hilfe genommen werden. Ein Ersthelfer sollte nur dann ins eisige Wasser gehen, wenn er selbst über eine dritte Person mit einem Seil gesichert ist.
Wenn es gelingt, den Verunglückten an Land zu ziehen, ist es wichtig, ihn unbedingt vor Kälte zu schützen und möglichst wenig zu bewegen. Ist die Person bewusstlos, muss sie in die stabile Seitenlage gebracht werden. Hat sie einen Herz-Kreislauf-Stillstand, muss umgehend mit der Wiederbelebung begonnen werden. Das heißt, in der Mitte des Brustkorbes 30 Mal etwa fünf Zentimeter tief drücken und danach zwei Mal beatmen. Dann beginnt der Zyklus von vorne und muss so lange fortgeführt werden, bis der Rettungsdienst und Notarzt eintreffen.


Erste-Hilfe-Wissen auffrischen

Viele Menschen wissen nicht, wie etwa eine Wiederbelebung oder eine stabile Seitenlage aussieht. Mitunter ist es schon Jahre her, dass man diese Techniken bei einem Erste-Hilfe-Kurs erlernt hat. Deshalb empfiehlt die Wasserwacht, die wichtigen Erste-Hilfe-Kenntnisse immer wieder aufzufrischen.
Kursangebote können beim BRK-Kreisverband Haßberge unter der Telefonnummer 09521/9550197 erfragt werden. Dort ist stets eine aktuelle Aufstellung der demnächst stattfindenden Kurse vorhanden. Übrigens: Seit April letzten Jahres dauert ein Erste-Hilfe-Kurs keine 16 Unterrichtseinheiten mehr, sondern nur noch neun; das gesamte Wissen - komprimiert und auf das Wesentliche beschränkt - wird von den BRK-Ausbildern nun an nur einem Tag vermittelt. red/fis




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