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Was passiert im Main, wenn...

Der Beinahe-Unfall zwischen Viereth und Limbach, bei dem ein Tankschiff auf Grund gelaufen ist, wirft Fragen auf: Kann es zu einer Katastrophe kommen?
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Die Wasserschutzpolizei Bamberg ist täglich auf dem Fluss unterwegs und überwacht den Schiffsverkehr, aus Richtung Osten kommend, bis Limbach. Aus der anderen Richtung ist die Wasserschutzpolizei Schweinfurt bis Limbach zuständig. Die Bamberger Ordnungshüter kümmerten sich um das festgefahrene Tankschiff bei Eschenbach. Unser Archivbild entstand bei einem früheren Einsatz der Wasserschutzpolizei.  Foto: Ronald Rinklef
Die Wasserschutzpolizei Bamberg ist täglich auf dem Fluss unterwegs und überwacht den Schiffsverkehr, aus Richtung Osten kommend, bis Limbach. Aus der anderen Richtung ist die Wasserschutzpolizei Schweinfurt bis Limbach zuständig. Die Bamberger Ordnungshüter kümmerten sich um das festgefahrene Tankschiff bei Eschenbach. Unser Archivbild entstand bei einem früheren Einsatz der Wasserschutzpolizei. Foto: Ronald Rinklef
Man stelle sich dieses Szenario vor: Ein Tankschiff ist auf dem Main unterwegs, läuft auf Grund und schlägt leck. Die Ladung, die aus rund 1000 Tonnen Benzol besteht, ergießt sich - zumindest teilweise - in den Fluss. Was mag das alles für das Gewässer und die Umwelt bedeuten? Oder dieses Szenario: Das leckgeschlagene Tankschiff verliert Benzol per Verdampfung. Ein Funke erfasst die leicht entzündliche Substanz, und es kommt zu einer gewaltigen Explosion.


Aus eigener Kraft

Solche Gedanken mögen dem einen oder anderen durch den Kopf gegangen sein, als er die FT-Zeitungsmeldung vom Dienstag gelesen hatte. Danach war in der Nacht zum Samstag ein Tankschiff, das mit 1000 Tonnen Benzol unterwegs war, zwischen den Schleusen Viereth und Limbach auf der Höhe von Eschenbach (Stadt Eltmann) auf Grund gelaufen. Es hatte sich, vermutlich wegen eines Fahrfehlers des 69-jährigen Schiffsführers, auf einem unter Wasser liegenden Buhnenfeld festgefahren. Nach mehreren Versuchen kam es aus eigener Kraft wieder frei.

Die Wasserschutzpolizei aus Bamberg, die bis zur Schleuse Limbach für die Sicherheit auf dem Main verantwortlich ist, dirigierte das Schiff zur Schleuse Limbach. Dort musste es liegen bleiben und wurde untersucht.


Keine Mängel

Die Beamten prüften Rumpf und Steueranlage auf eventuelle Schäden. Es wurden offenbar keine technischen Mängel festgestellt, so dass die vier Besatzungsmitglieder am Samstagvormittag die Freigabe zur Weiterfahrt nach Rotterdam erhielten. Es ist nichts passiert. "Es bestand zu keinem Zeitpunkt irgendeine Gefährdungssituation für die Bewohner und das Gewässer", versichert Klemens Nothaas von der Verkehrspolizei in Bamberg; zur Verkehrspolizei gehört die Wasserschutzpolizei, die den Fall in der Nacht zum Samstag bearbeitete.

Trotzdem die Frage: Wie wahrscheinlich ist ein Unfall auf dem Main, bei dem zum Beispiel Benzol ins Wasser gelangen kann oder die Ladung explodiert? Benzol gilt als giftig, krebserregend und leicht entzündlich. Klemens Nothaas hält ebenso wie Helko Fröhner, stellvertretender Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes in Schweinfurt, solche Szenarien für höchst unwahrscheinlich.

Die Sicherheit beim Schiffsverkehr auf dem Main sei "sehr hoch", sagt Nothaas. Und Fröhner ergänzt: Dass sich Schiffe festfahren, das seien "minimale Fälle. So etwas haben wir äußerst selten." Das einzige Malheur, das hin und wieder vorkommt, sind laut Fröhner leichte Kollisionen der Schiffe mit der Schleusenkammer beim Einfahren in die Stauwerke. Weil es da bisweilen sehr eng zugeht, ecken manchmal die Wasserfahrzeuge an. Wegen der äußerst geringen Geschwindigkeit bleibt es meist bei Farbabplatzern.

Was gibt Sicherheit auf dem Main? "Durchgängige Praxis", so Klemens Nothaas, sei, dass die Tankschiffe mit doppelwandiger Außenhaut unterwegs sind. Das heißt: Schlägt ein Schiff leck, dann muss noch nicht der Tank, der die zu transportierende Flüssigkeit enthält, beschädigt sein. Oder anders: Wird tatsächlich, aus welchen Gründen auch immer, ein Tank undicht, dann läuft die Ladung wegen der äußeren, der zweiten Hülle noch nicht ins Wasser.

Eine Einschränkung bei der Doppelwandigkeit macht Helko Fröhner allerdings: Vereinzelt sind auch noch einwandige Tankschiffe auf dem Main unterwegs. Zwar sei die Gesetzeslage mittlerweile eindeutig. Sie verlangt doppelwandige Technik. Aber laut Fröhner erlaubt die Übergangszeit von der früheren zur neuen Gesetzeslage, dass noch Schiffe mit alter, unzureichender Sicherheit unterwegs sein dürfen. Aber diese Schiffe seien Auslaufmodelle, sagt der Vertreter der Behörde, die für den Main im Landkreis Haßberge und teilweise noch im Kreis Bamberg zuständig ist.


Auch eine Frage des Tempos

Was gibt weiterhin Sicherheit auf dem Fluss? Die niedrige Geschwindigkeit hilft notfalls. Man vergleiche nur, sagt Klemens Nothaas, ein Schiff, das auf Grund fährt oder mit einem anderen Schiff oder einem Hindernis kollidiert, mit einem Lastwagen, der mit rund 80 Stundenkilometern irgendwo aufprallt...

Übrigens: Gefahrgut, das von Schiffen transportiert wird, ist auf dem Wasser ebenso gekennzeichnet wie beim Lastwagen auf der Straße. Während an einem Lkw orangefarbene Warntafeln auf gefährliche Substanzen hinweisen, sind es auf dem Fluss blaue Kegel. Sie werden am Steuerhaus des Frachters angebracht.

Was ist, wenn doch der Fall der Fälle eintritt und eine Ladung wie Benzol ins Wasser gelangt? Dann hat der Main zumindest einen Vorteil, schildert Helko Fröhner. Wegen der Stauhaltungen könne seine Behörde den Fluss an den Schleusen "dicht machen". Das heißt, die Katastrophe würde sich nur auf einen Abschnitt des Mains ausdehnen. Mit Bindemitteln und anderen Maßnahmen müsste dann versucht werden, die Folgen eines solchen Unfalls so gut wie möglich einzudämmen.

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