Die Motoren knatterten durch Stettfeld, es roch nach Diesel. Winfried Majewski hat gut geschlafen, schließlich hatte er es in der Nacht auch bequem in seinem Hänger. Bett, Ofen, Kühlbox - sein grünes Ein-Raum-Appartement auf Rädern ist gut ausgestattet. Gezogen wurde seine Hütte von einem historischen Schlepper. "Baujahr '63", sagte Winfried Majewski stolz. Zusammen mit seinen Oldtimer-Freunden aus Stadtlauringen ist er bereits einen Tag vorher angereist. "Wir haben nachts im Hof von Rita Fösel übernachtet", erzählte Georg Bauer. Sein Schlepper ist 58 Jahre alt.

Rita Fösel ist die Organisatorin dieser ungewöhnlichen Wallfahrt, die am vergangenen Freitag stattfand. Bereits zum fünften Mal pilgerten die Oldtimer-Fans ins rund 40 Kilometer entfernte Vierzehnheiligen.


Die Idee zur Traktor-Wallfahrt



Vor sechs Jahren wollte sich Rita Fösel einen Wunsch erfüllen. Ein historischer Traktor wurde zum Kauf angeboten. Rita Fösel sparte, wollte den Oldtimer unbedingt. Als sie das Geld zusammen hatte, wollte der Besitzer nicht mehr verkaufen. "Dann schenkte mir mein Mann einen anderen historischen Schlepper", erklärte sie. Glücklich über das Geschenk und die Tatsache, dass sie immer gesund an ihr Ziel kommt, hat sie die Wallfahrt für Traktoren-Fans ins Leben gerufen.

"Im ersten Jahr waren es gerade einmal zehn, 2011 hatten wir 65 Traktoren", erzählte Rita Fösel. Neben ihr trudelten weitere Oldtimer-Traktoren ein. Rund 30 Schlepper standen auf dem Platz in Stettfeld. Die erste Station der Wallfahrt war Rattelsdorf - wie auch schon in den Jahren zuvor. "Dort machen wir eine Frühstückpause und es gibt eine zweite Gebetseinheit. Weitere Traktoren kommen dazu", erklärte die Organisatorin. In Vierzehnheiligen übernachteten die Pilger in ihren Wagen und Hütten oder in Fremdenzimmern. Am Samstag fand dann die Andacht für die Oldtimer-Freunde statt.


Anfahrt mit dem Anhänger



Andreas Ott pilgerte zum ersten Mal mit seinem Traktor. Die Anfahrt war für ihn sehr weit, deshalb hatte er seinen 58 Jahre alten Schlepper auf einen Anhänger geladen. Über 85 Kilometer fuhr er von Karsbach bei Hammelburg nach Stettfeld, um an der Wallfahrt teilzunehmen. Pilgern war für ihn nichts Neues, doch die Gelegenheit, seine Liebe zu alten Traktoren, damit zu kombinieren, ließ ihn nicht los. Außerdem war er neugierig: "Ich wollte einfach wissen, wie eine Wallfahrt ist, ohne laufen zu müssen", sagte er.

Für Artur Trapp war die Wallfahrt eher eine Art kleiner Spaziergang. Erst vor ein paar Tagen kam er von seiner Fahrt zum Großglockner zurück, über 1190 Kilometer legte er in 69 Stunden zurück. Sein 52 Jahre alter Traktor verbrauchte dabei 200 Liter Treibstoff. Der 70-Jährige ist stolz auf sich und seinen alten Schlepper. "Man braucht schon einen gesunden Rücken, damit man die lange Fahrt durchhält", erklärte er.


Abstand halten ist wichtig



Trapp schätzt die Gemeinschaft bei der Wallfahrt nach Vierzehnheiligen: "Man muss sich sehr konzentrieren, muss Abstand zum Vordermann lassen, aber auch nicht zu viel", sagte der Volkacher, der zum dritten Mal teilnahm.

Winfried Majewski hat sich für das kommende Jahr eine weite Tour vorgenommen. "Ich möchte mit einem meiner Traktoren bis nach Mallorca fahren", verriet er. Sieben Oldtimer besitzt er. Für die Tour plant er mehrere Wochen ein. "Von Barcelona geht es dann mit der Fähre nach Mallorca", erklärte er.

Rita Fösel rief die Oldtimer-Fans zu sich. Sie versammelten sich zwischen ihren alten Traktoren, beteten und sangen Lieder. Dann schwangen sie sich auf ihre historischen Schlepper. Wieder knatterten die Motoren durch Stettfeld, und es roch nach Diesel.