Haßfurt
Drogenfahrt

Vorverfahren beeinflusst Strafmaß für 20-Jährigen

Ein Mechatroniker aus dem Landkreis stand zum wiederholten Mal vor dem Kadi. Das Haßfurter Amtsgericht verhängte eine Freiheitsstrafe auf Bewährung.
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Foto: Arne Dedert/dpa/Archiv
Foto: Arne Dedert/dpa/Archiv
Ein 20-jähriger, zur Zeit arbeitsloser Kfz-Mecha-troniker aus dem Landkreis Haßberge wurde im April dieses Jahres in Ebern von der Polizei mit seinem Auto kontrolliert. Hierbei stellten die Beamten drogentypische Auffälligkeiten fest, was den jungen Mann jetzt auf die Anklagebank führte.
Wie Staatsanwalt Ralf Hofmann in der Anklage ausführte, hat eine Blutentnahme den Verdacht bestätigt. Beim Angeklagten waren außerdem Utensilien zum Konsum von Betäubungsmitteln gefunden worden.


"Fit" gefühlt

Auf Vorhalt von Richter Martin Kober äußerte sich für den Angeklagten dessen Verteidiger, Rechtsanwalt Steffen Vogel. "Mein Mandant hat am Vortag der Kontrolle Haschisch konsumiert. Bei der Fahrt am Tattag fühlte er sich allerdings fit", so Vogel.
Sicher sei er bei der Kontrolle nervös gewesen, aber die genannten "drogentypischen Ausfallerscheinungen" stellte der Anwalt in Abrede.
Richter Kober wies darauf hin, dass der Angeklagte schon früher vor Gericht stand. Dreimal sei er im Bundeszentralregister vorgetragen, wegen gefährlicher Körperverletzung, Diebstahls und schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern. "Das Maß ist randvoll", so der Richter.
Rechtsanwalt Steffen Vogel erklärte, dass die bisherigen Verfahren für seinen Mandanten eine schwere Belastung darstellten und er keine Drogen mehr konsumiere. Er sei auch bemüht, dass er Arbeit finde.
Dazu ergänzte der Angeklagte, dass er ab September eine Arbeitsstelle habe und der Arbeitsvertrag ausgefertigt sei. Monatlich verdiene er brutto 1850 Euro, wie er dem Richter auf Nachfrage sagte.
Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich bezeichnete den Angeklagten, der auch eine schlechte Schulzeit gehabt habe, als labil. Er habe Reifedefizite und benötige fachliche Hilfe. Arbeitsstunden hielte er als Strafe für angemessen.
In seinem Plädoyer ging der Staatsanwalt nochmals auf die deutlichen drogentypischen Ausfallerscheinungen des Angeklagten ein, schädliche Neigungen sah er außerdem. Er beantragte unter Einbeziehung eines Vorverfahrens ein Jahr und neun Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung auf drei Jahre. Weiter solle der Führerschein des Angeklagten für weitere acht Monate einbehalten werden.
Nötig sei dies, da ihm die Bewährung erst einmal nicht weh tue, auch eine Geldauflage von 500 Euro forderte er und der Angeklagte müsse ein Drogenscreening nachweisen.
"Schuldig ja, aber den Antrag des Staatsanwalts halte ich für nicht angepasst", hielt Rechtsanwalt Vogel in seinem Plädoyer dagegen. Er führte aus, dass sein Mandant nicht aufgrund von Fahrfehlern von der Polizei kontrolliert wurde. Er sei keine Schlangenlinien gefahren. Verkehrsrechtlich gesehen sei er Ersttäter und den Verdienst in der Zukunft könne man nicht in diesem Verfahren anwenden. "Da muss berücksichtigt werden, was er gegenwärtig verdient, und das sind 320 Euro Arbeitslosengeld." Eine Jugendstrafe sei deshalb nicht erforderlich. "Zuchtmittel", eine Geldauflage von 500 Euro oder ein Freizeitarrest, wären ausreichend, so der Verteidiger.
"Es tut mir leid", war der Schlusssatz des Angeklagten.
Richter Martin Kober verurteilte den 20-Jährigen unter Einbeziehung eines Vorverfahrens zu einem Jahr und acht Monaten Freiheitsstrafe. Diese ist auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt und für zwei Jahre wird dem Verurteilten ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Sein Führerschein bleibt weitere acht Monate in Verwahrung. Die Kosten des Verfahrens wurden dem KFZ-Mechatroniker ebenfalls auferlegt.
"Ihre Vorverfahren haben offensichtlich wenig Eindruck bei ihnen hinterlassen, es muss ihnen klar gewesen sein, dass das Fahren unter Drogeneinfluss keine harmlose Geschichte ist", mahnte der Richter eindringlich. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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