Augsfeld

Vogelvielfalt im Kreis Haßberge

Im Frühling kann man in den Mainauen viele Vogelarten beobachten. Ein Hobby-Ornithologe berichtet, worauf es ankommt und wie es um die Bestände steht.
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Auf dem Sichelsee bei Augsfeld kann man viele Wasservogelarten beobachten: Vorne im Bild schwimmen zwei Kanadagänse, dahinter eine Graugans und ein Schwan. Fotos: Ronald Heck
Auf dem Sichelsee bei Augsfeld kann man viele Wasservogelarten beobachten: Vorne im Bild schwimmen zwei Kanadagänse, dahinter eine Graugans und ein Schwan. Fotos: Ronald Heck
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Kai Kutzner ist auf der Suche. Am Ufer des Sichelsees stellt er sein Fernrohr auf. Die Sonne scheint hell über den Mainauen bei Augsfeld. Das Gewässer ist ruhig. Wasservögel schwimmen auf dem See; sie schnattern und schreien. Ein Blick durch das Fernrohr und Kai Kutzner ist sich sicher: "Das sind Graugänse. Eine von drei Arten, die hier bei uns recht häufig an den Gewässern auftreten." Der 51-Jährige aus Schönbach ist Hobby-Ornithologe. Der Frühling eignet sich besonders gut, um im Kreis Haßberge Vögel zu beobachten. Mit etwas Glück bekommt man auch seltenere Vogelarten vor die Linse.


Geduld und Glück sind nötig

Nil- und Kanadagänse sind die beiden anderen häufig vorkommenden Gänsearten. Mit dem Spektiv (Beobachtungsfernrohr) kann Kai Kutzner die Tiere aus mehreren hundert Metern Entfernung bestimmen. Und tatsächlich entdeckt er im Sichelsee Kanadagänse mit typisch schwarzem Kopf und weißem Kinnband. "Die heißen so, weil sie ursprünglich aus Kanada kommen", erklärt der Vogelbeobachter. Nilgänse sind, wie der Name verrät, ebenfalls tierische Einwanderer, die sich aus niederländischen Parkanlagen ausgebreitet haben. Dann erblickt der Vogelbeobachter eine ganz besonders auffällige Art: die männliche Kolbenente; sie hat einen kupferroten Kopf und einen leuchtend roten Schnabel. Sie bekommt man in Deutschland selten zu Gesicht, weil sie im Gegensatz zu anderen Entenarten nie in großen Gruppen auftritt. Glück muss man auch beim Zwergtaucher haben. Kai Kutzner erzählt: "Wenn die merken, dass man sie beobachtet, sind sie auch sofort weg."

Sein Interesse an den gefiederten Tieren wurde schon in jungen Jahren geweckt. "Wir hatten zu Hause kleine Vogelbestimmungsbücher, weil wir schon immer am Waldrand gewohnt haben und einen Garten hatten", erinnert sich Kai Kutzner. Später schrieb er seine Diplomarbeit über die Entstehung des Altmühlsees bei Gunzenhausen. Dort gibt es die Vogelinsel. Er habe sich gefragt: "Was fliegt da eigentlich 'rum? Und irgendwann habe ich mir mein erstes europäisches Bestimmungsbuch gekauft." Seit 25 Jahren beobachtet Kai Kutzner nun in seiner Freizeit Vögel. Zudem leitet er ehrenamtlich die Kreisgruppe Haßberge des Landesbundes für Vogelschutz.

Am Sichelsee wechselt der Hobby-Ornithologe nun zu einem anderen Standort. Er schultert das 3000 Euro teure Spektiv und läuft am Ufer entlang. In der Nähe des Schilfs findet er einen geeigneten Platz, mit freier Sicht auf den See.


Vogelbestand: Gut und schlecht

Zu dieser Jahreszeit könne man eine Menge Vögel sehen, so Kutzner. Am besten beobachtet man sie früh oder abends. "Die machen es wie Menschen auch. Die sind zu bestimmten Zeiten sehr aktiv und später ruhen sie sich dann aus. So sechs, sieben Uhr ist eine gute Zeit", sagt der Hobby-Ornithologe.

Was die Vogelbestände angeht, gebe es im Landkreis Haßberge gute und schlechte Nachrichten. Laut Landesbund für Vogelschutz hat sich die seltene Vogelart Wiedehopf im Eberner Raum ausgebreitet. Außerdem gibt es in Bayern so viele Weißstörche wie noch nie seit hundert Jahren, sagt Kai Kutzner. Andererseits gehe die Anzahl der Individuen pro Art zurück. Davon zeugt auch die Rote Liste, auf der vom Aussterben bedrohte Tiere stehen. Er findet, daran sei vor allem der Mensch schuld, und nennt Beispiele: "Wir bauen Gewerbeflächen in die freie Fläche. Wir reißen alte Gemäuer ab. Wenn wir neu bauen, dann bloß nicht, dass irgendwelche Vögel in Nischen Platz finden. Insofern verarmt die Landschaft."

Der ehrenamtliche Vogelschützer möchte, dass man die Vielfalt der Vogelarten wieder zu schätzen lernt. Ein Beispiel: Störche gelten als Frühlingsboten und man baut ihnen Nester. Aber Schwalbennester an Häusern werden zerstört, obwohl es verboten ist und bis zu 60 000 Euro Strafe kostet.

Für Kai Kutzner sind alle Vogelarten gleich schützenswert. Ansonsten gebe es bald nur noch "Allerwelts"-Vögel, so prophezeit er: "Die Menschen kennen fast nur noch die Vögel, die sich überall zurechtfinden. Aber spezialisierte Vögel werden halt zunehmend seltener, weil die ihre Areale nicht mehr finden, wo sie sich reproduzieren können und ihr Auskommen finden."


Appell: Selbt rausgehen

Der Hobby-Ornitholge hofft, andere für die Vogelbeobachtung zu begeistern. Man brauche dafür kein teures Equipment. Er zeigt sein altes Fernglas, ein Erbstück seines Opas. Wenn die Menschen "einfach rausgehen und zufällig einen schönen Vogel zwischendurch finden, das sind eigentlich die schönsten Sachen", sagt Kutzner und sieht erneut auf den See.

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