Raser, Drängler, Schnarcher und Betrunkene - ja, das alles gibt es auch auf der Wasserstraße. Und nein, ungestraft kommen Verkehrssünder flussauf- wie abwärts in der Regel nicht davon. Denn sie werden beobachtet: Zum einen von den Leuten der Wasser- und Schifffahrtsämter, zum anderen von der Wasserschutzpolizei. Die beiden Behörden arbeiten eng zusammen, wenn es darum geht, auf dem Fluss für Recht und Ordnung zu sorgen.

Helko Fröhner (39) ist zuständig für 200 Kilometer Mainwasserstraße zwischen Viereth bei Bamberg und Rothenfels im Main-Spessart. Sie führt über Eltmann, Zeil, Haßfurt, Kitzingen, Würzburg. Fröhner glaubt: Im Allgemeinen sind Verkehrsrowdies auf seiner Wasserstraße eine echte Seltenheit. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil sich irgendwelche Eskapaden keiner leisten will: Jährlich werden in seinem Bereich 6000 bis 9000 Schiffe geschleust, rund um die Uhr schwimmt tonnenweise Fracht über den Main in Richtung Rhein oder Main-Donau-Kanal. "Wenn Sie mit einem Schiff irgendwo anecken, und sich auch nur einen kleinen Kratzer an der Schiffswand holen, sind Sie für die Reparaturkosten schnell mal 10.000 Euro los", sagt der Sachbereichsleiter für Wasserstraßen und Schifffahrt im Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Schweinfurt. Deswegen achten die Kapitäne meist penibel darauf, keine Fehler zu machen. "Das wird viel zu teuer." Bei täglich rund 2000 Euro Betriebskosten pro Schiff ist Sorgfalt geboten.

Potenzielle Gefahrenstellen


Natürlich gibt es bei dem Verkehrsaufkommen und dem kurvigen Flussverlauf des Mains potenzielle Gefahrenstellen. Um für Sicherheit zu sorgen, gelten für Kapitäne wie auch für Autofahrer auf der Straße Verkehrszeichen. Ampeln an den Schleusen, Warnungen vor Hindernissen und Tempolimits. Fröhner betont: "Die sind zwar wichtig, aber das Meiste regeln die Schiffsleute durch Absprachen." Begegnen sich etwa zwei Schiffe in der Fahrrinne, sprechen die Kapitäne per Funk ein Ausweichmanöver ab. Wichtig seien auch die Schifffahrtstonnen (Bojen). Sie zeigen an, an welcher Stelle der Fluss die nötige Tiefe hat, um sicher passiert werden zu können.

"Jeder Kapitän hat eine Flusskarte, da sind alle wichtigen Dinge eingezeichnet", erläutert Fröhner. Zum Beispiel, wann eine Brücke kommt und wie hoch sie ist. Da kann es sein, dass ein Schiff sein Steuerhaus einfahren muss, um durchzupassen. "Klar, es ist schon vorgekommen, dass das zu spät gemacht wurde. Oft ist in dem Haus die ganze Schiffstechnik untergebracht, der Schaden ist dann richtig groß." Nur mal kurz nicht aufgepasst. Dennoch: Gemessen an den bewegten Gütermengen sei die Anzahl an Verkehrsunfällen auf dem Wasser im Vergleich zur Straße "verschwindend gering", sagt Fröhner. "Wasserstraßen gehören zu den sichersten Verkehrswegen." Ein 110 Meter langes Gütermotorschiff kann so viel Ladung transportieren wie 100 Lkw. Durch jede der 19 Schleusen von Viereth bis Rothenfels werden pro Jahr 6,6 Millionen Tonnen Güter gelotst.

Achtung, Polizeikontrolle!


Wer passt eigentlich auf, dass sich die Schiffe an die Regeln halten? Zwar hat das WSA eine polizeiliche Befugnis. Der Vollzug aber, also Schiffsüberprüfungen, Frachtkontrollen und dergleichen, bleiben der Wasserschutzpolizei überlassen. Roland Merz, Polizeihauptkommissar in Schweinfurt, hat aber in seiner Karriere noch kein einziges Schiff angehalten. Aus einfachem Grund: "Man muss ein Schiff immer während der Fahrt kontrollieren." Das heißt: Das Polizeiboot fährt nebenher, ein Kollege geht an Bord. Er überprüft, ob zum Beispiel die Sozialvorschriften (Lenk- und Ruhezeiten) eingehalten wurden, schaut, ob es Mängel am Schiff gibt oder der Steuermann betrunken ist. Ist alles in Ordnung, kann das Schiff weiterfahren. Gibt es Probleme, wird je nach Art des Verstoßes Bußgeld verhängt oder Anzeige erstattet. Möglich ist auch eine Stilllegung des Schiffes, solange bis die entdeckten Mängel behoben sind.

Jedes Schiff hat zudem eine Nummer, durch die die Polizei über das Schiffskontrollsystem Informationen zu dem Wasserfahrzeug abrufen kann. "Das ist so in etwa wie das Nummernschild beim Auto", sagt Merz.