Haßfurt
Strafprozess

Verfolgungsjagd wie im Film

Das Amtsgericht Haßfurt verurteilte einen 29-Jährigen wegen mehrerer Delikte zu Bewährungsstrafe.
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Das Amtsgericht in Haßfurt. Foto: FT-Archiv
Das Amtsgericht in Haßfurt. Foto: FT-Archiv
Gleich mehrere Schutzengel, meinte Strafrichterin Ilona Conver, hätten dafür gesorgt, dass bei der wilden Verfolgungsjagd nichts Schlimmeres passiert ist. Bei einer Flucht vor der Polizei kannte ein Autofahrer (29 Jahre) keine Rücksicht und missachtete Vorfahrt und Tempolimits. Wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung eines Polizisten verurteilte ihn das Amtsgericht in Haßfurt zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten - ausgesetzt auf Bewährung. Ein früheres Urteil wurde in das Strafmaß einbezogen. Bei der Urteilsverkündung blieb offen, ob Rechtsmittel gegen den Richterspruch eingelegt werden.

Es war der 3. Februar dieses Jahres, als mitten im Steigerwald die filmreife Polizeiaktion ablief.
Eine Polizistin, die gerade mit einer routinemäßigen Verkehrskontrolle beschäftigt war, erkannte in einem vorüberfahrenden VW den jetzt Angeklagten. Der wurde zu dieser Zeit nämlich per Haftbefehl gesucht. Sofort nahm die Besatzung des Streifenwagens die Verfolgung auf.

Als der VW-Fahrer das bemerkte, trat er kräftig aufs Gaspedal und versuchte, mit allen Mitteln zu entkommen. Ohne Rücksicht auf Vorfahrtsregeln und Geschwindigkeitsbeschränkungen raste er offenbar ungebremst über etliche Kreuzungen. Der ihm mit Blaulicht und Martinshorn hinterher jagende Polizeiwagen ließ sich aber nicht abhängen.

Als die Polizisten den Verfolgten schließlich nach einer knappen halben Stunde vor seinem Anwesen stellten, sprang der Verfolgte aus seinem Wagen und setzte seine Flucht zu Fuß fort. Aber der sportliche Polizeibeamte holte ihn schnell ein und brachte ihn mittels Fußangel zu Fall. Da sich der Gestürzte wehrte und sich keine Handschellen anlegen lassen wollte, setzte der Uniformierte zweimal sein Pfefferspray ein.

Es war gegen halb sieben abends und ziemlich dunkel, als der am Boden liegende Flüchtige nach seiner herabgestürzten Brille tastete. Diese Handbewegung deutete der Ordnungshüter irrtümlich dahingehend, dass sein Widersacher eine Waffe ziehen wollte. Er fühlte sich bedroht und griff sofort selber zur Dienstpistole. Gottlob bemerkte der Polizist rechtzeitig seinen Irrtum - wer weiß, was sonst noch passiert wäre. Als dann die Kollegin dem Beamten zu Hilfe kam, gab der 29-Jährige auf und ließ sich abführen. An einer Engstelle soll dann der Abgeführte die Hand des Polizisten gegen eine Mauer gequetscht haben.

Bei der Verlesung des Auszuges aus dem Bundeszentralregister wurde klar, dass es sich bei dem Angeschuldigten um alles andere als ein unbeschriebenes Blatt handelt. Schon im zarten Alter von 14 Jahren stand er erstmals vor dem Kadi. Auf seinem Kerbholz finden sich Straftaten wie Diebstähle, Körperverletzungen oder Betrügereien. Bezüglich des aktuellen Deliktes zeigte sich der Täter geständig und reuig. "Es war wie ein Film, bei mir sind sämtliche Sicherungen durchgebrannt", kommentiert er vor Gericht die Tat.

In Erwägung der mehrfachen, auch einschlägigen Vorbelastung wollte Ilker Özalp als Vertreter der Staatsanwaltschaft den verhinderten Rennfahrer einsperren lassen. Durch sein Verhalten, so der Ankläger, habe er Leib und Leben anderer Menschen fahrlässig aufs Spiel gesetzt. Nur dem Glück oder Zufall sei es zu verdanken, dass keine Toten oder Verletzten zu beklagen seien. Er forderte eine einjährige Freiheitsstrafe - ohne Bewährungschance.

Das Plädoyer der Verteidigung hielt Rechtsanwalt Andreas Dräger. Mit dem Argument, dass sein Mandant eine unbefristete Arbeitsstelle habe und sich zudem ehrenamtlich engagiere, bat der Jurist um eben diese letzte Chance.

Mit der Gerichtsvorsitzenden Ilona Conver fand der Angeklagte eine milde Richterin. Bei der Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten, ausgesetzt auf Bewährung, wurde ein Urteil des Bamberger Amtsgerichts vom Frühjahr einbezogen. Dazu verhängte das Hohe Gericht noch eine ganze Reihe von Auflagen. So erhält der Verurteilte für mindestens 15 Monate keine neue Fahrerlaubnis, muss sich bei einem Bewährungshelfer melden, 200 Arbeitsstunden beim Roten Kreuz verrichten sowie eine Geldbuße in Höhe von 2000 Euro entrichten.

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