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Pfarrweisach
Ruhestands-Bürgermeister

Trotz aller Querelen der CSU die Treue gehalten

Seit einem Jahr ist der Altbürgermeister von Pfarrweisach, Hermann Martin, nicht mehr im Amt. Jetzt geht ihm vieles leichter von der Hand, lockerer über die Zunge und dazu lernt er auch noch Englisch.
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Als schlimmsten Rückschlag in seinen zwölf Bürgermeisterjahren bezeichnet Hermann Martin (links) die Tatsache, dass bei der B 279-Umgehung keinerlei Fortschritte erzielt wurden. Hier versuchte er im Februar 2011 Innenstaatssekretär Gerhard Eck aus Donnersdorf von der Notwendigkeit zu überzeugen. Archivfoto: Ralf Kestel 
Als schlimmsten Rückschlag in seinen zwölf Bürgermeisterjahren bezeichnet Hermann Martin (links) die Tatsache, dass bei der B 279-Umgehung keinerlei Fortschritte erzielt wurden. Hier versuchte er im Februar 2011 Innenstaatssekretär Gerhard Eck aus Donnersdorf von der Notwendigkeit zu überzeugen. Archivfoto: Ralf Kestel 
Er mischt noch mit, mischt sich auch noch ein. Aber den Stress früherer Jahre hat er abgelegt, den Ärger auch: Nach einem Jahr im Ruhestand wirkt Altbürgermeister Hermann Martin (66) ausgeruht und entspannt. Wie das blühende Leben, wie der Franke zu pflegen sagt.

"Früher bin ich zwischen 3 und 4 Uhr aufgestanden, jetzt beginnt der Tag um 8 oder 9 Uhr und dann nehme ich mir erst einmal gemütlich die Zeit, meine Zeitungen am Kaffeetisch zu lesen. Ich bin jetzt der Herr meiner Zeit. Das war früher nicht so."

Suchte Martin früher bei seinen Bürgermeister-Auftritten oft krampfhaft nach den richtigen Worten, sprudelt es nun aus ihm nur so heraus. Amt und Verantwortung lasten nicht mehr seinen Schultern, was auch die Zunge löst.

Zwar ist er als Gemeinderat (Mitglied seit 1990) des Bürgerblocks und in einigen Arbeitskreisen des CSU-Kreisverbandes noch politisch aktiv, doch widmet er sich zusammen mit seiner Ehefrauen nun auch schöneren Dingen des Lebens.

"Einmal in der Woche fahren wir zur Wellness nach Bad Staffelstein oder nach Bad Colberg." Die weiteren Tage sind meist auch verplant, aber "alles ohne Hektik". So leitet er Führungen auf der Ruine Lichtenstein für den Heimatverein Pfarrweisach oder für den Zweckverband Burgenwinkel.

Beim TSV Pfarrweisach hat er den Posten des Ehrenamtsbeauftragten neu übernommen und arbeitet daran , dass der Verein die "Silberne Raute", das Gütesiegel des Bayerischen Fußballverbandes, erhält. "In meinem Heimatort Rabelsdorf bin ich sowieso Mädchen für alles."

Für seine Junkersdorfer Schützen wurstelt der gelernte Metzger gelegentlich noch. "Aber nur zu besonderen Anlässen, Ansonsten mache ich als Hausmetzger fast gar nicht mehr."

Sehnsucht nach Verwaltung

Durchaus verständlich, nach all der Doppelbelastung. Als ehrenamtlicher Bürgermeister war Hermann Martin bis zu seinem vorzeitigen Ruhestand tüchtig unterwegs: Von Montag bis Mittwoch von 4 bis 13 Uhr in einem Bamberger Schlachtbetrieb und "dann noch jeden Tag in der VG in Ebern".

Die ging ihm anfangs richtig ab: "Die Verwaltung und die Leute, die dort arbeiten, haben mir wirklich gefehlt."
Als "echtes Erlebnis" schwärmt er heute noch von der Übergabe einer Verabschiedungskarte durch die Auszubildenden. "Das hat mich echt gerührt."

Ja, es gab schöne Erlebnisse als Bürgermeister, aber auch Ärger ("Darüber könnte ich ein Buch schreiben"), wie die Zwistigkeiten innerhalb der CSU vor seiner zweiten Kandidatur: "Eine unmögliche Geschichte. Zu meiner Zeit hatte die CSU mit dem Bürgerblock zusammen noch 61 Mitglieder."

CSU die Treue gehalten

Davon übrig blieb ein Bruchteil. Dazu zählt auch Martin, trotz aller Querelen: "Die Partei entspricht meiner Einstellung. Deswegen war ein CSU-Austritt nie eine Überlegung. Ich hätte auch in andere Ortsverbände eintreten können, aber das wollte ich nicht. Und auf CSU-Kreisebene bin ich ja auch noch aktiv."

Und an anderen Orten trollt er sich auch noch. "Ich bin auf den Wanderwegen ringsum Pfarrweisach unterwegs, kontrolliere die Markierungen und bessere sie auch aus."

Auch ein "Rentnerfahrrad", ein E-Bike, hat er sich zugelegt, für seine Touren, beispielsweise zum Montagsstammtisch in Kraisdorf. "Stammtisch-Stratege bin ich immer noch, in Pfarrweisach beim Eisfelder und Kraisdorf beim Bühler." Wenn er sich mit der Ehefrau nicht gerade im Urlaub befindet, wie ab nächster Woche in Franzensbad , oder sonst in Tirol oder den Bayerischen Wald.

Vielleicht steht auch das ferne Ausland noch auf dem Plan. "Jetzt im Alter habe ich mir einen Wunsch erfüllt und lerne Englisch." Bei der VHS in Haßfurt. Semester für Semester.

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