Ebern
Bundeswehr

Treffpunkt "Grüner Schluck"

Ehemalige Grenadiere und Panzeraufklärer treffen sich in Ebern auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne, um eine Tradition wiederaufleben zu lassen. Im Keller des einstigen Kompaniegebäudes haben sie ein Museum eingerichtet.
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Oben "tropische Hitze", im Keller des Garnisionsmuseums angenehme Kühle. Rainer Dehler, Richard Putz und Peter Lossi (von links) im erst kürzlich geschaffenen Raum "Leben im Felde."  Foto: Helmut Will
Oben "tropische Hitze", im Keller des Garnisionsmuseums angenehme Kühle. Rainer Dehler, Richard Putz und Peter Lossi (von links) im erst kürzlich geschaffenen Raum "Leben im Felde." Foto: Helmut Will
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Wo früher ihre dienstliche Heimat war, im Gebäude der 1. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 101/103, ist heute das Hotel "Zum Stadl." Allerdings beherbergt dieses Gebäude in den Kellerräumen das Traditionsmuseum des Kameraden- und Freundeskreises der ehemaligen Eberner Panzergrenadiere 101/103 und der Kameradschaft des Panzeraufklärungsbataillon 12. Die ehemaligen Grenadiere hatten sich am Samstag dort zum "Grünen Schluck" getroffen.

Viele mögen sich in alte Zeiten zurückversetzt gefühlt haben, denn an ihrem ehemaligen Kompaniegebäude standen einige Militärfahrzeuge, von Liebhabern militärischen Geräts mit viel Inbrunst aufbereitet und tadellos in Schuss. Ganz so zackig wie sie früher waren, sind sie heute nicht mehr. Den "Befehl" vom Vorsitzenden der Kameradschaft, Stabsfeldwebel a.D.
Reiner Dehler, zu einem Gruppenbild um den Traditionsstein anzutreten, wurde nur zögerlich und langsamen Schritts gefolgt. "Das wäre früher unmöglich gewesen und hätte für Ärger gesorgt", lacht Peter Lossi, der in der Kameradschaft für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.


Zum Verständnis beigetragen

Peter Lossi und Reiner Dehler sitzen im Museum im Zimmer des Kommandeurs. Schön kühl ist es dort im Keller, als sie über vergangene Zeiten sinnieren. "Der Grüne Schluck ist eine von uns übernommene Tradition ehemaliger Kommandeure", sagt Reiner Dehler. Diese hatten zweimal im Jahr zum "Grünen Schluck" eingeladen. Gekommen ist damals der Landrat, die Bürgermeister der umgebenden Gemeinden, Vertreter von Behörden und Ämtern, Feldwebel und Unteroffiziersdienstgrade. "Hier wurde der Spiegel des PzGrenBtl. 101 vorgestellt", sagt Dehler. Die jeweiligen Kommandeure blickten auf das erste Halbjahr zurück, berichteten von Übungen und Manövern und vom allgemeinen Dienstbetrieb und gaben einen Ausblick auf das zweite Halbjahr. "Daneben fanden viele persönliche Gespräche statt, die für ein besseres Verständnis zwischen Militär und der Zivilbevölkerung sorgten", ergänzt Peter Lossi. "Gern gesehene Gäste waren immer Vertreter der US-Army aus Bamberg", so Dehler. 1962 kamen die Panzergrenadiere von Clausthal-Zellerfeld nach Ebern.

Etwas Sorge bereitet den Verantwortlichen der Fortbestand des Museums. "Wir sind ja nun auch schon alte Säcke", sagt Lossi in typischen Militärjargon. Erst vor einigen Wochen sei das Museum mit einem Raum, der das "Leben im Felde" zeigt, erweitert worden. Auch Nachbildungen militärischer Waffen wurden angeschafft, die zu einem militärischen Traditionsmuseum gehören.


Auftrag an den "Spieß"

Reiner Dehler war die letzten Jahre seiner aktiven Dienstzeit Kompaniefeldwebel, besser bekannt unter der Bezeichnung "Spieß", in der 1. Kompanie der Panzergrenadiere. Als bekannt wurde, dass das Bataillon aufgelöst wurde, bekam er von seinem Kommandeur, Oberstleutnant Hintelmann, den Auftrag, alles, was an das Bataillon erinnert, in den verschiedenen Kompanien zu "sammeln." Diese Exponate waren der Grundstock für das heutige Museum. Damit im ehemaligen Standortübungsplatz Sitzgelegenheiten vorhanden sind, hat sich Peter Lossi bemüht, solche zu besorgen, die von der Kameradschaft finanziert wurden. "Zehn Ruhebänke sind es bisher", sagt Lossi.

Erlebnisse habe es sowohl in der eigenen Kompanie als auch im Bataillon viele gegeben. "Besonders denke ich an das Rommelschießen zurück", sagt Reiner Dehler. Bei diesem militärischen Wettbewerb wurde den Soldaten in Punkto Schießen, Hindernislauf, Marschieren und Orientieren viel abverlangt", sagt der ehemalige Zeitsoldat. Seine 1. Kompanie war stark in Ausbildung und Führung der einzelnen Mannschaften eingebunden. "Unser Bataillon hat damals zweimal den Wanderpokal gewonnen", sagt der ehemalige Spieß und noch heute schwingt Stolz in seiner Stimme mit.


Beitrag für Renovierung

Wehmut habe alle Soldaten befallen, als das Bataillon 1992 im Zuge der Militärreform aufgelöst wurde. Erfreut ist Dehler, dass sich kürzlich Ehemalige des damals aus Veitshöchheim nach Ebern ausgelagerten 2. Nachschubbataillons der Kameradschaft angeschlossen haben. Richard Putz, zu aktiven Zeiten Spieß der 2. Kompanie des Nachschubbataillons, ist auch zum "Grünen Schluck" gekommen. "Wir sind froh, dass wir auch aus unserem Bataillon im Museum in Ebern Exponate ausstellen können", sagt der Soldat a.D.

"Die Kameradschaft bringt sich auch bei der Renovierung des Käppele ein", kündigt Peter Lossi an. Dort, auf "Eberns Heiligem Berg", war früher immer der Bataillonsgefechtsstand. Einen "ansehnlichen Betrag" stellt Vorsitzender Reiner Dehler in Aussicht, der den Käpelles freunden zur Verfügung gestellt werden soll. Mit den Ehemaligen waren auch deren Frauen gekommen, um an der ehemaligen Wirkungsstätte ihrer Männer beim "Grünen Schluck" auf vergangene Zeiten anzustoßen.

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