Haßfurt
Bildung

Totenkopf, Verfolgung, Schießerei

Haßfurter Gymnasiasten nahmen am Kurs "Kreatives Schreiben" teil und trugen nun ihre Geschichten vor. Die Fantasie blüht.
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Elias Stahls Geschichte nahm eine überraschende Wendung: Am Ende war die Schlacht nur ein Computerspiel, das endet, als die Mutter den Stecker zieht. Der Schüler gehörte zu der Gruppe von Gymnasiasten, die eigene Geschichten geschrieben haben.  Foto: Peter Schmieder
Elias Stahls Geschichte nahm eine überraschende Wendung: Am Ende war die Schlacht nur ein Computerspiel, das endet, als die Mutter den Stecker zieht. Der Schüler gehörte zu der Gruppe von Gymnasiasten, die eigene Geschichten geschrieben haben. Foto: Peter Schmieder
Den eigenen Horizont erweitern - das ist das Ziel von Enrichment-Kursen an Schulen. Die Schüler können dabei über den normalen Unterricht hinaus Dinge lernen, die sie vielleicht nicht auf eine Prüfung vorbereiten, aber ihnen helfen, ihre eigenen Fähigkeiten zu erkennen.

Dieser Tage trugen Schüler der sechsten und siebten Klassen, die am Haßfurter Regiomontanus-Gymnasium an dem Enrichment-Kurs "Kreatives Schreiben" bei Deutschlehrer Markus Korb teilgenommen hatten, ihre Kurzgeschichten vor einem Publikum vor.

"Wir hoffen, dass es für die Schüler eine Bereicherung ist", sagte Schulleiter Max Bauer. Bei der Förderung verschiedener Talente bei den Schülern dürfe auch das Schriftstellerische nicht zu kurz kommen.
"Daran merke ich immer, dass das Schuljahr zu Ende geht", sagte er über den Vortrag der Schülergeschichten.

Da die von den Schülern verfassten Texte aus den Bereichen Fantasy, Science-Fiction und Horror stammten, sagte der Direktor scherzhaft: "Wenn die Geschichten zu dramatisch werden, kann Herr Korb ja eingreifen. Nicht, dass dann Eltern heute Nacht nicht mehr schlafen können", so Bauer.

Das Publikum des Vortrags bestand vor allem aus den Eltern der beteiligten Schüler. Markus Korb bedankte sich zunächst bei ihnen für die zusätzliche Fahrleistung. Denn da der sechswöchige Kurs jeweils am Freitag und Samstag stattfand, mussten die Eltern die Nachwuchsautoren auch an einem zusätzlichen Tag zur Schule bringen. "Es geht darum, etwas für die Persönlichkeit getan zu haben", sagte Korb über den Zweck des Kurses. "Ich hoffe, dass die Fähigkeit erhalten bleibt, auch über die Zeit, in der das Hirn wegen Umbau geschlossen ist - die Pubertät", sagte der Lehrer.

Die erworbenen Fähigkeiten könnten die Schüler beruflich nutzen; es könne aber auch ein Hobby bleiben, meinte er weiter. "Es muss nicht jeder der nächste Stephen King werden."

Bevor die Schüler begannen, ihre Geschichten vorzulesen, stellten zwei von ihnen den Kurs vor und beschrieben, was sie dort gemacht hatten. "Sie dürfen sich nicht vorstellen, dass wir die ganze Zeit in einem Raum zusammensitzen und uns die Finger wund schreiben", erklärte eine Schülerin. Vielmehr gehe es darum, das Handwerkszeug für eine spannende Geschichte zu lernen. "Man muss den Leser schon mit dem ersten Satz fesseln", hieß es weiter.

Danach trugen die Schüler ihre eigenen Geschichten vor. Den Anfang machte Elias Stahl. Sein Text begann wie die spannende Beschreibung einer Schlacht, bis sich herausstellt, dass es sich dabei um ein Computerspiel handelt. Die Gedanken des Kämpfers, die der Autor beschrieb, waren in Wirklichkeit die eines Jungen, der das Spiel spielt. Doch ausgerechnet auf dem dramatischen Höhepunkt des Spiels schaltet sich der Computer aus, da die Mutter den Stecker gezogen hat.

Der zweite Text stammte von Anton Muthig. Er erzählte die Geschichte eines Sternenforschers, der nachts im Wald ist, um mit seinem Fernrohr nach oben zu schauen. Plötzlich sieht er am Himmel einen Totenkopf, der ankündigt, dass gleich etwas Schreckliches passieren wird. Kurz darauf steht ein Werwolf vor dem Mann...
Justus Lamm las den Zuhörern eine Geschichte über ein Dorf vor, an dessen Bahnstation manchmal in der Nacht ein rätselhafter Zug anhält, in den Menschen einsteigen, die danach nie wieder gesehen werden.

Actionreich wurde es dann bei Magnus Wirth. In seiner Erzählung ging es um den Programmierfehler einer Zeitmaschine. Die beiden Wissenschaftler, die die Maschine entwickelt hatten, wollen in die Zukunft reisen, landen aber stattdessen in der Vergangenheit, wo sie im Wilden Westen in eine Schießerei geraten, die einen von ihnen das Leben kostet.

Bei Fabienne Schad ging es um eine Gruppe von Archäologen, die auf der Suche nach einem Tempelschatz sind. Doch auch Schatzräuber sind auf dem Weg dorthin. Dabei werden beide Gruppen von Ungeheuern angegriffen. Die Attacke überlebt nur eine Archäologin.

Edda Rumpel entführte ihre Zuhörer mit einer Science-Fiction-Geschichte in eine Welt, in der die Menschheit einen Krieg gegen ein Imperium der Roboter verloren hat. Die Hauptfigur war ein Cyborg, also eine Frau, die früher ein Mensch war, nun aber durch Maschinenteile zu einem Roboter geworden ist. Menschliche Gefühle betrachtet sie als Schwäche. Als sie den Posten als neue Herrscherin des Roboterimperiums bekommt, wollen ihre Konkurrenten sie töten.

Viktoria Schmück las ihre Geschichte "Seelengeflüster", deren Protagonistin ihre Mutter in der Psychiatrie besucht. Zehn Jahre ist ihre Mutter nun schon dort, ihre Tochter hat keine Ahnung, warum. Bei ihrem Besuch erfährt sie schließlich, dass ihre Mutter dort gefangen gehalten wird. Der Anstaltsleiter ist ein schwarzer Magier, der den Insassen ihre Kraft raubt.

Den Abschluss der ersten Erzählrunde machte Nikolas Finke, der eine Verfolgungsjagd durch Venedig beschreibt. Ein Vampir ist hinter ihm her.

"Geschichten werden niemals alt, denn wir Menschen wollen Geschichten", sagte der Lehrer Markus Korb zum Abschluss. Später trugen noch weitere Schüler Geschichten vor, dann kamen mit Schülern anderer Klassen weitere Zuhörer dazu.

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