Haßfurt
Humor

TBC tischte in Haßfurt "Kochen mit Pegida" auf

Das "Totale Bamberger Cabaret" gefiel in der Stadthalle mit seinem schrägen Rückblick auf das Jahr. Also gilt: Augen zu und nochmal durch!
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"Kochen mit Pegida, den patriotischen Essern gegen die Islamisierung des Abendbrots" war nur eine der vielen Nummern aus der Premiere des Jahresrückblicks 2015, mit denen Georg Koeniger, Florian Hoffmann, und Michael A. Tomis (von links) in Haßfurt begeisterten.  Fotos: Ulrike Langer
"Kochen mit Pegida, den patriotischen Essern gegen die Islamisierung des Abendbrots" war nur eine der vielen Nummern aus der Premiere des Jahresrückblicks 2015, mit denen Georg Koeniger, Florian Hoffmann, und Michael A. Tomis (von links) in Haßfurt begeisterten. Fotos: Ulrike Langer
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Das Jahr ist noch nicht ganz vorbei, doch schon jetzt heißt es für das "Totale Bamberger Cabaret" (TBC): "Augen zu und nochmal durch". Mit der Premierenvorstellung ihres Jahresrückblicks 2015 beim Kulturamt Haßfurt in der vollbesetzten Stadthalle präsentierten sich Florian Hoffmann, Georg Koeniger und Michael A. Tomis in gewohnter Manier zynisch, scharfzüngig und einfallsreich. Auch wenn noch nicht alles ganz "rund" lief, wie Georg Koeniger zum Schluss anmerkte, konnte das Trio sein Publikum doch begeistern.

Die drei Kabarettisten haben ihre ganz eigenen Methoden, sich den aktuellen Geschehnissen zuzuwenden. In kurzen gespielten Szenen nehmen sie stets mit ihrem typisch fränkischen Humor untragbare Zustände und Entwicklungen aufs Korn.

Einer der vielen Höhepunkte ihres Jahresrückblicks war die Show "Kochen mit Pegida", in der sie als "Patriotische Esser gegen die Islamisierung des Abendbrots" mit Hitlerbart und
Kochmütze auftraten. "Wir haben nichts gegen ausländisches Essen, aber wir wollen keine Multivitamingesellschaft. Ausländisches Essen muss sich zumindest den deutschen Darmgewohnheiten anpassen", lautete einer ihrer schrägen Aussagen. "Heute gehört uns die Panade, morgen die ganze Welt", proklamierten sie während ihrer Versuche, ein "rein" deutsches Essen zu kochen.

Was sich angesichts der Tatsache, dass die meisten Zutaten aus dem Ausland kamen, schwierig gestaltete. "Kümmel und Knoblauch sind die Dschihadisten unter den Gewürzen. Sie kommen doch nur nach Deutschland, weil sie sich hier ein besseres Leben erwarten", hieß es. Als schließlich nur Zwieback mit Salz auf den Tisch kam, lautete das Fazit: "Gute Nacht Abendland!"

Ebenfalls mit viel Humor gewürzt war der Dreiakter zum Thema Griechenland, der mal als griechisches Drama mit dem Thema "Irrfahrten des Varoufakis", mal als klassisches Drama "Dabei sein oder nicht dabei sein, das ist hier die Frage" und mal als Musical unter dem Titel "Greece" die Krise humorvoll beleuchtete.


Wenn's länger dauert...

Natürlich wetzten die Kabarettisten ihre scharfen Zungen auch am Drama um den Flughafen Berlin-Brandenburg, dessen geplante Eröffnung 2017 nicht mehr zu halten ist. "Dafür gibt es jetzt einen neuen Hauptsponsor: Snickers", berichteten sie. "Dessen Slogan lautet ja: Wenn's mal wieder länger dauert!"

Im Lauf des Jahres hatten sie auch bemerkenswerte Zitate gesammelt. Darunter die Aussage vom Vattenfall-Generalbevollmächtigten Pieter Wasmuth zum neuen Kohlekraftwerk Moorburg: "Für die Hamburger mögen die Kohlendioxid-Emissionen zugenommen haben. Aber das Klima wird nicht in Hamburg gerettet."

Schlag auf Schlag servierten die drei Künstler Absurditäten des täglichen Lebens und der Politik, angefangen vom Trend zum Selfie über die Maut, die Rüstungsexporte, das G36 der Bundeswehr und die VW-Affäre bis hin zum Fifa-Uefa-Skandal. Dazu hatten sie nicht nur das Gebet "Blatter unser, dein Reichtum komme wie im Stadion so auch auf der ganzen Erde..." gedichtet, sondern auch nach dem Vorbild des Cup-Song "You're gonna miss me" von Anna Kendrick den "World-Cup-Song" kreiert.

Satire vom Feinsten präsentierten sie schließlich als singendes Begrüßungskomitee der CSU für Flüchtlinge. "Wir tun alles, um Ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen - bis Ihr Asylantrag abgelehnt wird", erklärten sie.

Weil heuer fast alle Berufsgruppen gestreikt haben, traten auch Georg Koeniger, Florian Hoffmann und Michael A. Tomis nach dem Schlussapplaus in den Streik. "Heute gibt es keine Zugabe, denn Zugaben sind Ausbeutung", so ihre Worte. Weil sie aber letztendlich zugeben mussten, ihr Publikum zu brauchen, gaben sie ihm noch das Nachtgebet: "O Herr, ich bin ein Franke - Danke!" mit auf den Heimweg.

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