Oberschwappach
Vernissage

Suche nach dem Goldenen Vlies

Die Künstlerin Wicky Reindl beschäftigt sich in der Ausstellung "Die Suche nach dem Goldenen Vlies" unter anderem mit den Themen Macht, soziale Zwänge und Rollenmuster. In Oberschwappach sind ihre Werke zu sehen.
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Aus der Serie "Mock Art" von Wicky Reindl stammt dieses Werk mit einer Libelle auf einem mit einem Korsett geschnürten Torso als Hommage an den amerikanischen Künstler David Lynch. Fotos: Ulrike Langer
Aus der Serie "Mock Art" von Wicky Reindl stammt dieses Werk mit einer Libelle auf einem mit einem Korsett geschnürten Torso als Hommage an den amerikanischen Künstler David Lynch. Fotos: Ulrike Langer
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Es geht um Macht und soziale Zwänge, um Unfreiheit und die Sehnsucht nach Befreiung, um die Überwindung von Distanzen zwischen den Menschen, um Erziehung und Rollenmuster. Kraftvoll, anregend, farbig, aufwühlend, offensichtlich und halb verborgen. Dargestellt mit den Mitteln der Kunst. Die Rede ist von Werken der Künstlerin Wicky Reindl aus Nürnberg, die die Galerie im Saal Eschenau in den Räumen des Schlosses Oberschwappach unter dem Titel "Die Suche nach dem Goldenen Vlies" präsentiert.

Es ist nicht einfach, die skurrilen, provokativen und gleichzeitig humorvoll wirkenden Gemälde, Fotografien, Objekte und Installationen von Wicky Reindl zu beschreiben. Zu unterschiedlich ist ihre künstlerische Ausdrucksfähigkeit und zu komplex ihre theoretische Grundlage.
Doch eine Auseinandersetzung mit den Arbeiten, ihrer Intention und gestalterischen Kraft lohnt sich.


Gefangen genommen, schockiert

Denn man wird unmittelbar gefangen genommen, schockiert oder zum Lächeln darüber animiert, wie Wicky Reindl sich mit den Dogmen von Rollenmustern von Frauen und Männern in unserer Zeit oder mit der Ab-Erziehung von Freiheit wie beispielsweise in ihrem eigenen, dogmatisch katholischen Elternhaus und der Absurdität mancher Erziehungsmethoden beschäftigt. "Sie verarbeitet solche bedrohlichen Angriffe oder Invasionen mit ihren provozierenden, bloßstellenden, humorigen und verblüffenden Kunstkreationen", sagte Galerist Egon Stumpf bei der Vernissage. "Während in der Zeit des Barock - und die Arbeiten werden passenderweise in diesen barocken Schlossräumen gezeigt - der Blick des Menschen in den Himmel gelenkt wurde, rufen die an den Wänden angebrachten Werke von Wicky Reindl dem Betrachter zu: Beschäftigt euch mit euch selbst, mit den Dingen, die euer Leben prägen und von denen ehr durch euer Leben getrieben werdet."

Man dürfe nicht glauben, die Kunst nicht so ganz ernst nehmen zu dürfen, so Egon Stumpf. Denn die Kunst sei neben der Religion und der Logik als dritter Weg der Erkenntnis in dieser verwirrenden und mit unübersehbar vielen Reizen und Hindernissen versehenen Welt unabdingbar. "Wicky Reindl sieht in ihrer künstlerischen Arbeit zumindest ihren Weg des Begreifens, was sie geprägt hat und wovon sie sich frei machen muss, und schafft mit ihr eine neue Welt", erläuterte Egon Stumpf, um damit auf die individuelle Kraft dieser Kunst hinzuweisen.
Die Suche nach dem Goldenen Vlies aus der griechischen Mythologie, das seinem Besitzer Macht und Zauberkraft verleiht, inspiriert Wicky Reindl sehr. "Ich degradiere es aber, indem ich es in die heutige Zeit übertrage und in Form von Kittelschürzen und Putzlappen in meinen Arbeiten darstelle", erzählte sie. "Kittelschürze und Putzlappen sind ja noch immer die Insignien der Frau, die sie im geistigen Sinne einengen, ihr aber auch eine gewisse Macht geben."


Putzen und Frausein

Außerdem, so die Künstlerin, für die Putzen und Frausein zusammen gehören, habe das Putzen auch etwas Erotisches. Diese "Erotik" betont sie in ihren Bildern durch Gummihandschuhe oder dadurch, dass "ihre" Frauen unter der Kittelschürze nackt sind und in schwarzen Pumps und Netzstrümpfen putzen. So greift sie das Thema "Frau als Sexualobjekt" auf und durchbricht gesellschaftliche und eigene Zwänge mit einem Augenzwinkern.
Ihre streng katholische Erziehung hat sie geprägt und fasziniert, ebenso wie das Barocke, was in ihrem "Schreberaltar", in der "Himmelsleiter" in Kreuzform oder in dem ebenfalls als Altar aufgebauten Werk "Spiderwoman" zum Ausdruck kommt. Mit der Installation "Schreberaltar" erinnert sie an den Kinderarzt Moritz Schreber, der Mitte des 19. Jahrhunderts ein ausgeklügeltes System einer perfekten Unterdrückung des Kindes von Geburt an entwickelte, mit dem eine permanente Angst vor dem Vater erreicht werden sollte. So ist der "Schreberaltar" für Wicky Reindl Ausdruck eines repressiven Erziehungsstils, der sich negativ auf Körper und Seele auswirkt.
Ihre großen Themen "Zwang" und "Unfreiheit" offenbaren sich auch in der Installation "Invasion": Fotos, die eine von Bandagen umwickelte Person zeigen, die in ihrem Innenleben verstrickt, ja gefangen ist. Durch eindringende Schläuche infiltriert die "Außenwelt" ihre Maximen und Normen, okkupiert und kolonisiert die Person. Doch sind die Schläuche zum sozialen Milieu auch immer wieder unterbrochen oder führen ins Nichts, was einen Kontakt erschwert oder unmöglich macht.


Noch bis Oktober

Die Ausstellung "Die Suche nach dem Goldenen Vlies" im Schloss Oberschwappach ist noch bis 25. Oktober sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung unter 09527/810501 zu sehen. Eine Führung wird am 18. Oktober um 14 Uhr angeboten.


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